Reliquienverehrung in Leinburg

Blut eines Heiligen

Karol Józef Wojtyła, bekannt als Papst Johannes Paul II., im Jahr 2004.
Karol Józef Wojtyła, bekannt als Papst Johannes Paul II., im Jahr 2004. | Foto: Eric Draper/White House2019/02/John_Paul_II_Medal_of_Freedom_2004.jpg

LEINBURG — Ein heiliger Tropfen Blut auf einem Tuch steht am morgigen Freitag im Mittelpunkt der Messe in St. Joseph in Leinburg. Pfarrvikar Ulrich Schnalzger hat sich die Reliquie Johannes Pauls II. für eine Woche ausgeliehen. Der Pegnitz-Zeitung erklärt er, was Reliquen sind und welche Funktion sie haben.

Herr Schnalzger, was unterscheidet eigentlich die Ehrung einer Reliquie von einer Götzenanbetung wie der des Goldenen Kalbs?
Schnalzger: Wir Katholiken beten die Reliquie nicht an, sondern verehren sie als Medium, um zu Gott zu beten. Die Reliquie steht für den Heiligen, über sie schaffen wir Nähe zum heiligen Papst Johannes Paul II. und eine Verbundenheit zu Gott.

Worum handelt es sich bei der Reliquie, die am Freitag in Leinburg geehrt wird?
Schnalzger: Es ist eine Blutreliquie des ehemaligen Papstes, von denen zahlreiche existieren. Vermutlich ist Johannes Paul II. kurz vor seinem Tod Blut abgenommen worden. Tropfen dieses Blutes wurden auf verschiedenen Stücken Stoff verteilt, als Reliquien gesegnet und anschließend verschenkt oder verliehen. Ich habe die Reliquie für eine Woche von der katholischen polnischen Gemeinde in München geliehen.

Gibt es denn überhaupt eine Garantie, dass das Blut von Johannes Paul II. stammt?
Schnalzger: Der Vatikan hat eine Urkunde ausgestellt, dass es das Blut des Papstes ist.

Welche Voraussetzungen muss eine Reliquie erfüllen?
Schnalzger: In jedem Fall muss der Mensch, von dem die Reliquie stammt, heilig sein. Es gibt Berührungsreliquien, die die Heiligen angefasst haben, wie etwa ihre Kleidungsstücke. Die echten Reliquien des Körpers haben aber eine größere Bedeutung.

Sie haben Johannes Paul II. noch selbst in Rom getroffen, haben also einen persönlichen Bezug zu ihm. Seine Heiligsprechung vollzog die katholische Kirche 2014, also bereits neun Jahre nach seinem Tod, ungewöhnlich früh.
Schnalzger: Das stimmt. Die Katholiken verehren ihn weltweit als bedeutenden Papst, der mehrere Wunder vollbracht hat. Diese sind Voraussetzung für eine Selig- und Heiligsprechung. Papst Benedikt XVI. erkärte die Spontanheilung der Nonne Marie Simon-Pierre Normand von der Krankheit Parkinson zum Wunder, das Johannes Paul II. zugeschrieben wird.

Die Nonne hatte nach dem Tod Johannes Paul II. für ihre Genesung gebetet und in der Nacht auf den 3. Juli 2005 verschwanden, laut dem Vatikan, plötzlich all ihre Symptome.
Schnalzger: Es existieren eben Dinge zwischen Himmel und Erde, für die es keine Erklärung gibt. Der Glaube kann nicht erzwungen werden, aber wer glaubt, der will die Nähe Gottes spüren. Das machen Reliquien möglich. Ich weiß nicht, ob die Menschen wegen der Reliquie in Scharen zur Messe kommen, aber sie ist auf jeden Fall etwas besonderes.

Die katholische Kirche Leinburg feiert am Freitag in St. Joseph die heilige Messe am Abend der Barmherzigkeit. Um 17.30 Uhr wird der Barmherzigkeitsrosenkranz gebetet, anschließend hält Pfarrer Peter Wenzel aus Allersberg um 18 Uhr die Predigt. Teil der Messe sind auch die eucharistische Anbetung mit Krankensalbung, Einzelsegen und Beichtgelegenheit.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck