Bairisch diatonischer Jodelwahnsinn im PZ-Kulturraum

Bissiges in Bayerisch

Versierte Musiker: Der Bairisch diatonische Jodelwahnsinn überzeugte das Publikum im PZ-Kulturraum. Das Trio aus München mag es schräg und bissig. | Foto: Stegmeier2017/05/BairischDiatonischerWahnsinn.jpg

LAUF — Mit einem wahren Sammelsurium an Instrumenten ist die Bühne des PZ Kulturraums in Lauf drapiert, als die drei Musiker vom „Bairisch diatonischen Jodelwahnsinn“ dieselbige betreten.

Gegründet 1986 vom Münchner – besser Giesinger – Otto Göttler, hat sich die Formation vor zwei Jahren runderneuert. Mit von der Partie sind seither Petra Amasreiter und Wolfgang Neumann, die beide ebenfalls aus München stammen.

Die Drei sind versierte Musiker, die ihre Instrumente perfekt beherrschen und außerdem noch singen können. Ihr unterschiedlicher musikalischer Hintergrund trägt zum Gelingen des Ganzen bei: Amasreiter studierte klassische Violine und spielte in diversen Orchestern und Ensembles, nicht nur im klassischen Bereich. Und Gitarrist Wolfgang Neumann hat sich am Richard-Strauss-Konservatorium auch mit alpenländischer Volksmusik beschäftigt, bevor er in den Jodelwahnsinn einstieg.

Otto Göttler, Moderator, Entertainer und Kopf der Truppe, greift neben der diatonischen Harmonika auch zur Trompete, Tuba, singender Säge („vom OBI“) und Plastiktüte: Letztere dient als bei einem Song als Rhythmusinstrument, und hier dürfen auch die amüsierten Zuschauer mitspielen: Wer eine der Tüte abbekommt, darf nach Herzenslust mitschrubben und -knistern.

Das Liedgut, das die Musiker zum Besten geben, ist keineswegs, wie der Name vermuten lässt, auf lokale volkstümliche Klänge beschränkt. „Bairisch“ ist der Dialekt, ansonsten wird Weltmusik zelebriert. Das bekannte „Kokain“ erhält einen neuen Text und wird zur Hymne auf „Koffein“ und Kaffeeautomaten, dazu erklingen Trompetenklänge, die glatt an Miles Davis erinnern.

Der String-Tanga wird kurzerhand  zur Vorlage für einen peppigen Song, in dem die Zumutungen dieses Kleidungsstücks an die Umgebung besungen werden: Im „String Tango“ fragt sich Petra Amasreiter „Kennst du das Land, wo Orangenhaut blüht?“

Fortgeschrittene Kenntnisse im Bairischen sind von Vorteil, denn es lohnt sich, bei den oft bissigen, ironischen und politischen Texten genauer hinzuhören. Die Lieder sind fast alle in den letzten beiden Jahren entstanden, und sowohl musikalisch als auch inhaltlich sind alle Ensemblemitglieder bei der Entstehung mit beteiligt gewesen. Daher wird auch gar nicht mehr so viel gejodelt, wie der Name der Formation eigentlich vermuten lässt. Es erklingt zwar schon mal ein Zwiefacher oder der „Schmerzensjodler“. Doch die Musiker entfalten vor den Ohren der erfreuten Zuhörer ein breit gefächertes weltmusikalisches Repertoire, das vom Blues über Walzer bis zu griechischen, ungarischen oder südamerikanischen Klängen reicht. Alles in allem bieten die drei Künstler einen kunterbunten Mix an Musikstilen und -instrumenten, garniert mit bissigen Texten, die menschliche Unzulänglichkeiten ebenso aufs Korn nehmen wie politische Schräglagen, die manchmal bitter und dann wieder einfach nur komisch sind.

Ein begeistertes Publikum bekommt natürlich noch Zugaben, darunter, ganz frech, einen „Scheiß-Song“.

Aber damit „das Publikum nicht randaliert“, so Göttler, gibt’s zum Schluss noch etwas Beruhigendes: ein Gedicht, dazu ein sanftes Gutenachtlied.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier
schlosskonzert