Schneidersbach bei Schwaig

Biber schufen Landschaft wie in Kanada

Ein echtes Biber-Paradies entstand in einem kleinen Wäldchen bei Schwaig südlich der A3 auf der Nürnberger Seite. | Foto: Brinek2017/11/bieber-in-schwaig-1.jpg

SCHWAIG — „Das sieht ja aus wie in Kanada“, schwärmen der Schwaiger Gemeinderat Wilhelm Scherm und immer wieder auch andere Spaziergänger im kleinen Waldgebiet auf der Nürnberger Seite der Autobahn bei Schwaig: Tatsächlich hat hier am Schneidersbach, direkt in der Ecke südlich der A 3 und S-Bahn-Linie, eine Biberfamilie eine Seenlandschaft geschaffen, wie man sie sonst aus nordamerikanischen Bildbänden kennt.

Dabei muss man sich selbst gar nicht in das neue Sumpfgebiet wagen. Schon von der S-Bahn aus kann man einen Blick auf das Biberparadies erhaschen. Wenn man aus Richtung Nürnberg kommt und vor der Autobahn nach rechts schaut, erkennt man die glitzernde Wasserfläche mit den vielen abgestorbenen Bäumen.

Zu Fuß erreicht man die Biberlandschaft am besten von ­Schwaig aus über die Autobahnbrücke im Wohngebiet an der Warthestraße. Man geht ein Stück den Schneidersbach entlang und bald sieht man ein überflutetes Landstück mit im Wasser stehenden Bäumen und Büschen. Ein Weg, den auch der ­Schwaiger Gemeinderat Wilhelm Scherm gern und oft geht. Umgestürzte oder kahle stehende Stämme ragen aus dem Wasser, kleine, mit hohem Gras bewachsene Inseln unterbrechen die Wasserflächen

Biber am Werk

Am Verbiss bei einzelnen Bäumen kann man deutlich erkennen, dass da Biber am Werk waren. Eindrucksvoll zeigt sich hier, wie diese Tiere eine Landschaft verändern können. Dabei stört der kräftige Lärm von der Autobahn die Tiere ganz offensichtlich überhaupt nicht.

Rückfragen beim zuständigen Jagdpächter, der die Entstehung der neuen Landschaft miterlebte, ergaben, dass das Ganze das Werk einer Biberfamilie mit aktuell drei Jungen ist. Die Biberfamilie hat für ihr Revier direkt am Durchlassrohr des Schneiderbaches das Wasser angestaut und damit die Überflutung der Gegend bewirkt.

Die fünf Tiere leben seit mehr als einem Jahr in diesem Waldabschnitt. auf der Laufamholzer Seite, unterhalb der sogenannten Freilandsiedlung. Nach der Aufzucht verlassen die Jungen vermutlich demnächst den Bau und suchen sich ein neues Terrain. Momentan sind sie aber alle noch bei den Eltern.

Gefahr für den Bahndamm

Der Bibersee bei Schwaig hat aber auch seine negativen Seiten. Weil die Gefahr besteht, dass der quer verlaufende Bahndamm (S-Bahn) durch das Stauwasser durchnässt werden könnte und aufweicht, wurde von der Deutschen Bahn ein Überlauf im Bereich der Anstauung eingerichtet, der ein weiteres Hochstauen verhindern soll und gleichzeitig die Tiere nicht stört.

Auf der einen Seite muss natürlich die Verkehrssicherheit für den Zugverkehr gegeben sein, wie ein Sprecher sagt. Auf der anderen Seite soll mit dieser Maßnahme erreicht werden, dass die Biber in ihrem Revier bleiben. Denn grundsätzlich können die Tiere an diesem Standort ideal leben, ohne Umweltschäden anzurichten oder mit der Zivilisation in Konflikt zu kommen, meint auch Gemeinderat Wilhelm Scherm.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek