Aktionstag im Gemeindehaus der Laufer Christuskirche

Berufsbörse für Quereinsteiger und Langzeitarbeitslose

Carina Kemmler und Lisa Pabst vom Personalmanagement der Diepersdorfer Bolta Werke (links) stehen der Jobbegleiterin für Flüchtlinge, Sabiha Leineweber, und Ali Ali aus Syrien Rede und Antwort. | Foto: Janssen2018/09/Jobinformationstag-Christuskirche-Lauf-Foto-Janssen.jpg

LAUF — Zum zweiten Mal hat ein Jobaktionstag im Gemeindehaus der Laufer Christuskirche stattgefunden. Rund 50 Arbeitslose konnten sich an Infoständen von sechs Firmen über deren Tätigkeitsbereiche informieren und Praktika vereinbaren.

In Kooperation mit dem Jobcenter Nürnberger Land hat das Bündnis für Familie des Landratsamtes Nürnberger Land die Veranstaltung organisiert. Vor allem Vertreter von Firmen aus dem Landkreis und Nürnberg waren vor Ort, boten an Informationsständen Broschüren an und führten Gespräche mit den Bewerbern.

„Letztes Jahr waren drei Firmen dabei, dieses Jahr sind es bereits sechs“, sagt Annette Zimmermann vom Bündnis für Familie erfreut. „Hauptsächlich drei Branchen sind heuer auf dem Jobaktionstag anwesend: Logistik, Security und Reinigung.“ Händeringend werde in diesen Berufszweigen nach Personal gesucht, da der Markt an gut ausgebildeten Fachkräften so gut wie leergefegt sei, so Zimmermann.

Arbeitssuchende können sich zunächst unverfänglich informieren, ins Gespräch kommen und gegebenenfalls einen Probearbeitstag oder ein Praktikum ergattern. Möglichst niedrigschwellig sollen die Angebote sein, sodass sowohl Langzeitarbeitslose, Migranten, Wiedereinsteiger, aber auch Menschen, die nach einem beruflichen Neuanfang suchen, gleichermaßen beraten werden können, erklärt Zimmermann.

Die Verzahnung verschiedener Stellen und das Schaffen von Strukturen zur Vermittlung sind außerordentlich wichtig, da sind sich die Organisatoren und Beteiligten am Jobinformationstag einig. Claus Rudolf vom Jobcenter ist als Beauftragter für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt für die Belange von Menschen zuständig, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht leicht haben: Langzeitarbeitslose, Geringqualifizierte, aber auch Alleinerziehende gehören zu seiner Klientel. „In der Arbeit des Jobcenters gibt es Schnittpunkte zu der des Bündnisses für Familien, deshalb können durch die Kooperation wünschenswerte Synergien freigesetzt werden“, erklärt Rudolf.

Auch der gemeinnützige Verein Schlau e.V. aus Lauf, der von Pfarrer Thomas Hofmann vor fünfeinhalb Jahren initiiert wurde, ist vor Ort. „Besonders Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, bedürfen mehr Aufmerksamkeit“, erzählt Elena Tempesti von Schlau e.V. „Bei uns werden Langzeitarbeitslose, Suchtkranke oder Menschen, die aus verschiedensten Gründen schwer vermittelbar sind, nach und nach wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt“, sagt Tempesti. Bei arbeitsintegrativen Trainings können Arbeitssuchende in einem Café oder einer Fahrradwerkstatt tätig sein, Garten-, Reinigungs- oder Entrümpelungsarbeiten anbieten.

Lob und direkte Rückmeldung sind sehr wichtig

So sollen Langzeitarbeitslose in verschiedenen Beschäftigungsmodellen lernen, wieder einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. „Lob und eine direkte Rückmeldung an die Betroffenen sind hier sehr wichtig“, sagt Tempesti. Ziel sei es, möglichst viele Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen und sie möglichst wieder in ein normales Arbeitsverhältnis zu integrieren.

Im Gemeindehaus vertreten ist auch die Agentur für Arbeit. Geringqualifizierte werden am Tisch von Katharina Stange über das Förderprogramm WeGebAU informiert, dass Fortbildungsmaßnahmen ermöglicht. Beispielsweise könne unter bestimmten Bedingungen der Erwerb eines Führerscheins bezuschusst werden.

Der Automobilzulieferer Bolta aus Diepersdorf war bereits bei der Premiere des Jobaktionstags im vergangenen Jahr dabei. An dem Stehtisch informieren sich an diesem Morgen Sabiha Leineweber, Jobbegleiterin für Flüchtlinge des beruflichen Fortbildungszentrums der Bayerischen Wirtschaft (BFZ), und ihr Schützling Ali Ali aus Syrien. Er hat seine Bewerbungsunterlagen in der Hand, unter anderem ein Deutsch-Zertifikat der Stufe B 2, das ihm fortgeschrittene Sprachkenntnisse attestiert. Leineweber möchte ihn in die Logistik oder in das Hotel- und Gastrogewerbe vermitteln.

„Der Vorteil solcher Aktionstage ist, dass die Betroffenen in einem kleinen Rahmen offen und ohne Scheu aufeinander zugehen können“, erklärt sie. Ihr Schützling Ali Ali informiert sich mithilfe seiner Begleiterin über die Tätigkeiten von Bolta. Dass die Kontaktaufnahme beim Jobaktionstag zum Erfolg führen kann, sagt Carina Kemmler vom Personalmanagement des Diepersdorfer Betriebs. Zwei Interessenten von der Veranstaltung im vergangenen Jahr wurden mittlerweile für den Produktionsbereich eingestellt.

Britta Janssen

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung