Ein Hobby fürs Leben

Behringersdorfer baute 67 Jahre lang an Modellschiff

Siegfried Mischke präsentiert stolz seinen Nachbau der Fregatte „Friedrich Wilhelm“. Sie bekommt einen Ehrenplatz in seinem Behringersdorfer Wohnzimmer. | Foto: Brinek2017/09/mischke-behringersdorf-fregattenmodell-bri.jpg

BEHRINGERSDORF — Es ist das Hobby seines Lebens: 67 Jahre lang hat Siegfried Mischke aus Behringersdorf an seinem Modell der Fregatte „Friedrich Wilhelm“ gebaut. Nun ist der stattliche Nachbau des Originalschiffs aus dem Jahr 1682 endlich fertig. Das Modell ist über einen Meter lang, gut einen Meter hoch, wiegt über 30 Kilo und ist bis ins kleinste Detail von Hand gefertigt.

Das Originalschiff „Friedrich Wilhelm“ wurde 1682 in Königsberg in Dienst gestellt. Der Nachbau im Maßstab 1:30 bekommt nun einen Ehrenplatz im Wohnzimmer von Siegfried Mischke in Behringersdorf.

Das Modell ist nicht nur der ganze Stolz des heute 83-Jährigen, es weckt auch viele Erinnerungen. Im Jahr 1950 hatte sein Vater etwa 450 Mark im Toto gewonnen. Aus Freude darüber spendierte er seinem damals 16-jährigen Sohn Siegfried den Modellplan für die nach dem Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg benannte Fregatte.

Siegfried hatte schon immer gerne gebastelt und mit dem Entwurf erfüllte sich ein Herzenswunsch. „Zuerst habe ich den Plan überarbeitet und auf die Modellgröße 1:30 vergrößert“, erzählt Mischke. Das allein dauerte schon über ein Jahr. Vor allem der Anfang war schwer, erinnert sich der Rentner, denn ihm standen als Werkzeuge nur eine Laubsäge, mehrere Feilen und ein Drillbohrer zur Verfügung und auch eine Werkstatt hatte er nicht. „Ich habe in der Küche gearbeitet und oft mussten erst die Späne entfernt werden, bevor wieder gekocht werden konnte“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Später, als das Haus in Behringersdorf stand, hatte er dann einen eigenen Raum und die passenden Schreinerwerkzeuge zur Hand. Doch oft fehlte die Zeit. Berufstätigkeit, Hausbau und Familiengründung zwangen den ehemaligen Aufzugbauer immer wieder zu längeren Pausen. Doch ganz gab er sein Projekt nie auf.

Siegfried Mischke arbeitete exakt nach Plan. So sind die Planken aus Balsaholz auf den Spanten immer genau mit fünf Nägeln fixiert. Die 48 Geschütze hat er in mühsamer Handarbeit selbst geformt. Sie lassen sich mit Seilzügen vor und zurück bewegen und sogar zünden. Und auch die zehn Segel lassen sich setzen oder einziehen.

Zwei Jahre dauerte es, bis der Rumpf des Schiffs fertig war. Danach stellte er über 100 Teile wie Ankerwinden, Wasserpumpen, Blöcke, Flaschenzüge, Rahs oder Umlenk­rollen her und baute sie an der passenden Stelle ein. Über 150 Meter Schnur wurden als Seilersatz für die Wanten verbraucht. Sogar die rote Kampffahne der Marine am Heck wurde originalgetreu nachgebaut.
Am sogenannten Spiegel, das ist das Heck des Schiffs, sind sechs Meerjungfrauen, zwei rote Löwen, der Name des Schiffs und zwei Ma­trosen erkennbar. Die Schiffsbeleuchtung am Heck hat Mischke aus roten Saphirgläsern gefertigt.

Der Blick auf den Spiegel (Heck) des Schiffs zeigt nur einige der vielen Details, die Mischke in mühsamer Handarbeit selbst angefertigt hat. | Foto: Brinek2017/09/mischke-behringersdorf-fregattenmodell-detail-bemalung-bri.jpg

Der komplizierte Aufbau des Oberdecks in drei Ebenen und die Anfertigung von Masten, Segeln und Takelagen brauchten ihre Zeit. Manchmal sei er „nahe am Verzweifeln“ gewesen, erzählt der 83-Jährige. Aber am Ende hat sich seine Beharrlichkeit gelohnt. „Es funktioniert alles einwandfrei, alles ist beweglich und nicht nur hingeklebt“, sagt Siegfried Mischke mit Stolz.

Die „Friedrich Wilhelm“ bekommt nun einen Ehrenplatz in der „Dankbarkeitsecke“ im Wohnzimmer der Mischkes, gut behütet von einer hölzernen Marienfigur.

Die Fregatte „Friedrich Wilhelm“

Die Fregatte „Friedrich Wilhelm zu Pferd“, kurz „Friedrich Wilhelm“, ist nach dem damaligen Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg benannt. Sie wurde 1682 in Königsberg in Dienst gestellt.

1692 waren 20 Zwölf- und fünf Dreipfünder-Kanonen mit rund 160 Mann Besatzung an Bord. Die Fregatte war eingerichtet für 50 bis 60 Kanonen und eine kriegsmäßige Besatzung von bis zu 250 Mann. Lediglich die Offiziere waren in Kabinen untergebracht, während die Mannschaft irgendwo zwischen den Kanonen schlafen musste.

Neben Fahrten nach Westafrika, nach Arguin und Guinea wurde auch Westindien angepeilt. Auf einer Rückfahrt von Guinea im Oktober 1693 geriet das Schiff in einen Hinterhalt. Es wurde von drei französischen Schiffen, eines davon mit 70 Kanonen an Bord, angegriffen, in Brand gesetzt und versenkt.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek