Laufer Literaturtage: Manuel Andrack

Auf Wanderpfaden statt im Fernsehstudio

Bei den Laufer Literaturtagen las Manuel Andrack aus seinem aktuellen Buch „Schritt für Schritt“. Aber auch aus seinem Erstlingswerk („Gesammelte Wanderabenteuer“) waren Episoden dabei. | Foto: Cichon2017/11/Literaturtage-Lauf-Manuel-Andrack-ci.jpg

LAUF — Ob als Römer verkleidet auf dem Ausoniusweg oder den Pilgern auf dem Jakobsweg entgegen: In seinem aktuellen Buch „Schritt für Schritt“ begibt sich Manuel Andrack, bekannt aus der Harald-Schmidt-Show, auf eine unterhaltsame und ebenso informative Zeitreise durch die Geschichte. Mit seinen Wanderanekdoten begeisterte er bei den Laufer Literaturtagen die Zuhörer in der Aula der Bertleinschule.

Die rund 450 Besucher begrüßt der Autor gleich zu Beginn mit den Worten: „Viele meiner Touren kann ich nicht empfehlen, denn es ist eigentlich keine so gut Idee in Ägypten zu wandern.“ Und ähnlich verhalte es sich auch bei der Geschichte, die er zuerst liest, so Andrack weiter. Dafür schwang er sich in das Gewand eines Legionärs und wanderte mit zwei Römerdarstellern auf dem Ausoniusweg. Die Römerstraße führte einst von Trier über Bingen nach Mainz.

Verwandlung zum Römer

Dabei gab es schon bei der Verwandlung zum Römer die ein oder andere Schwierigkeit. Gemäß der obersten Marschierregel hat „der Legionär das Knie textilfrei zu tragen“, erfuhr Andrack. Aber immerhin wirke dieses Outfit sexy auf Frauen, so wie einst bei Franz Beckenbauer, wirft Andrack in Lauf trocken ein und erntet dafür Lacher aus dem Publikum.

Zudem sorgten das schwere Kettenhemd, die „Kantine to go“, bestehend aus Kelle, Kochtopf, und Napf aus massivem Metall, dazu Schild sowie Speer für „36 Kilo Übergewicht“. Dann fiel während des Fußmarsches zu allem Überfluss noch eine der nicht ganz originalgetreuen, weil in Pakistan gefertigten, Sandalen auseinander.

Die unterhaltsamen Geschichten Andracks, der im Fernsehen durch die Harald-Schmidt-Show bekannt wurde, kommen bei den Zuhörern gut an. Das liegt vor allem daran, wie der Autor seine Stimme einsetzt. Eben spricht er mal auf Kölsch, dann liest er kuriose Stellen besonders betont und deutlich, damit auch wirklich jede Pointe sitzt.

Und das Konzept geht auf: Die Laufer quittieren jede seiner Erzählungen mit einem zufriedenen Lachen oder Applaus. „Sie haben verstanden, wie es geht“, lobt Andrack die Laufer. Er habe es in seiner Heimatstadt Köln schon anders erlebt, erzählt er. „Da herrschte im Publikum Totenstille.“ Hinterher fragte er Freunde und Verwandte, die er zur Lesung eingeladen hatte, ob es ihnen nicht gefallen hätte. Als Antwort folgte ein überraschtes: „Ach, bei einer Lesung darf man lachen und applaudieren?“.

Noch mehr Wanderabenteuer

Etwa zur Hälfte seiner eineinhalbstündigen Lesung legt Andrack sein aktuelles Buch zur Seite und gibt Begebenheiten aus seinem Erstling „Gesammelte Wanderabenteuer“ zum Besten. Der Wanderexperte erfährt, dass man auf Kloster Beuron im Oberen Donautal immer exakt drei Zehn-Cent-Münzen bei sich haben muss, wenn man keine Überraschungsgäste beim Toilettengang haben möchte.

Nach einem 21-stündigen Wandermarathon weiß Andrack, dass Ex­tremwanderer manchmal halluzinieren, dafür außer ein paar Nüssen, Zitronenbuttermilch und Schlafmangel aber keine Drogen nötig sind. Außerdem philosophiert er darüber, wie sich die Beschilderung von Wanderparkplätzen verändert hat. Lange sei die Abbildung modern gewesen, in der die Frau im Rock wandert und hinter dem Mann herläuft. Heute würden die Figuren eher androgynen Skinheadwesen ähneln, scherzt Andrack. Aber am Ende hat er nur einen Tipp für die Zuhörer: „Einfach zum nächsten Parkplatz fahren und loswandern.“

N-Land Anne Cichon
Anne Cichon