Letzter Kampftag der Saison

Neuhauser Judo-Damen bleiben weiter in der 2. Bundesliga

Verbissen kämpfte Tatjana Schauer (oben) um einen Punkt gegen Liane Heinz vom BC Karlsruhe. | Foto: A. Pitsch2018/09/IMG_3728.jpg

NEUHAUS – Wie hart und kräftezehrend vier Minuten sein können, das wissen die Judo-Damen des SV Neuhaus nur zu gut. Doch wenn man es mit diesem vollen Körpereinsatz schafft, in der 2. Bundesliga zu bleiben, haben sich Schweiß und Schmerzen schon gelohnt. Da störten auch die beiden knappen Niederlagen zum Abschluss der Saison nicht so sehr.

Die Musik röhrt aus den Boxen; vor der Halle sitzen einige Zuschauer noch gemütlich zusammen. Derweil herrscht auf der Matte bereits voller Betrieb: Die Judo-Damen des SV Neuhaus und des BC Karlsruhe joggen um den grün-roten Boden, wiederholen stoisch Wurfansätze und Griffe. Die Altenfurterinnen führen die lautstarken Anweisungen ihrer Trainerin aus.

Neuhaus‘ Trainer Achim Schauer überlässt seine Damen sich selbst, tigert beobachtend durch die Halle. Regelmäßig ist ein dumpfes Klatschen zu hören. Badelatschen und bunte Socken zieren den Mattenrand. Das Durcheinander der Vorbereitung lichtet sich erst, als es mit der ersten Begegnung – TSV Altenfurt gegen BC Karlsruhe, Zweiter gegen Tabellenführer – losgeht.

Während das nicht ganz so fachkundige Publikum die Zeit nutzt, um sich in Sport und Regeln einzufinden, können die Neuhau-
serinnen die Gegner beobachten. Ein Vorteil? Schauer kniet am Mattenrand, sieht genau hin und gibt den einen oder anderen Tipp direkt an seine Sportlerinnen weiter. In einem harten Duell verliert Altenfurt mit 2:5 gegen Karlsruhe.

Die Chance für Neuhaus? Anneliese Trappe (-52 kg) geht sehr aktiv in den Kampf gegen die Altenfurterin Regina Brummer. Sie versucht, Fußhebel anzusetzen und begeistert Schauer: „Gut so! Weiter Druck machen!“ Am Ende leuchten drei kleine rote Inaktivitätspunkte bei Altenfurt auf. Der Erfolg geht an Neuhaus.

Magdalena Brummer und Nicola Deyerling (-48 kg) lieferten sich ein vorsichtiges Duell auf Augenhöhe. Keine findet den richtigen Zugriff, bis Brummer die Neuhau-serin 20 Sekunden am Boden halten kann und dafür eine Ippon-Wertung im 1:1 kassiert. Einen raschen Bodenkampf streben auch Sabrina Milkus und Ina Bauernfeind (+78 kg) an. Im Menschenknäuel gelingt es Bauernfeind, die Altenfurterin auf den Rücken zu drehen und per Kraftakt zum 2:1 zu halten.

Eine ebenfalls enge Auseinandersetzung sehen die Zuschauer zwischen Tatjana Schauer und Yvonne Grünewald (-78 kg). Schauer wirkt kaputt, schnauft schwer. Die Neuhauserin kann die Angriffe nicht durchziehen, während Grünewald einen Teilerfolg zum 2:2 erzielt – und die Wende einläutet. Denn auch Eike Trost ist gegen Janina Böhmer (-63 kg) flinke auf den Beinen. Zwar kann Böhmer einmal ein Halten abwenden, dennoch verliert die Neuhauserin.

Im Duell Verena Geppert gegen Claudia Fink (-70 kg) liegen die Vorteile ebenso bei der Altenfurterin. Sie hat Fink schneller im Griff, agiert dynamischer und schwups liegt Fink das erste Mal auf der Seite. Per Ippon zieht Altenfurt auf 4:2 davon. Die gleiche Wertung erzielt Eliana Pielmeier gegen Lisabeth Emilius (-57 kg) für den SV Neuhaus. Sie war mit Schwung und Energie zugange, kann aber das knappe 3:4 nicht mehr verhindern.

Besteht am Ende noch Gefahr, abzusteigen? Schließlich wartet nun der souveräne Tabellenführer aus Karlsruhe. Schauer kann das Publikum in der Pause beruhigen: „Wir bleiben in der 2. Bundesliga“, ruft er den Fans zu. Vielleicht auch mit diesem Wissen im Kopf nimmt der Trainer nur zwei kleine Änderungen in der Aufstellung vor: Böhmer geht für Manuela Schmidt raus, Pielmeier wechselt die Gewichtsklasse.

In einem quirligen Duell gelingt Trappe gegen Sina Angeli (-52 kg) der perfekte Start: Nach weniger als einer Minute zieht Trappe sie geschickt auf die Matte, dreht sie dort und hält sie zum Ippon. Deyerling (-48 kg) gibt sich anschließend kampflos geschlagen und auch Bauernfeind (+78 kg) ist fixer wieder von der Fläche, als sie dachte: Nach zehn Sekunden wird sie per Ippon überrumpelt.

Bei Schauer bietet sich ein ähnliches Bild wie im ersten Durchgang: Trotz guter Ansatzpunkte gegen Liane Heinz (-78 kg) und viel Krafteinsatz bringt sie ihre Technik nicht durch. Karlsruhe scheint mit dem 3:1 nicht zu schlagen. Das Gegenteil beweist Pielmeier mit einem astreinen Ippon gegen Anke Kaiser (-63 kg).

Die Hoffnungen auf eine Überraschung macht aber Jule Horn (-70 kg), die aggressiv auftritt, sofort zunichte: Fink windet sich zunächst noch geschickt aus dem Bodenkampf heraus, beim zweiten Mal hat sie dann weniger Glück.

Den letzten Erfolg setzt aber wiederum Neuhaus in Person von Manuela Schmidt (-57 kg). Sie sucht konsequent den Griff am Revers von Janine Godon. Ihre zupackende Art wird mit dem 3:4 belohnt. Ein achtbares Ergebnis gegen den Aufsteiger in Liga eins, der Mut macht für ein weiteres Jahr in der zweiten Riege der besten deutschen Judo-Damen.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch