2. Bundesliga Judo

Macht Neuhaus Altenfurt zum Meister?

Ina Bauernfeind (grau, Neuhaus) hält Kame-Shio-Gatame. | Foto: privat2018/09/Ina-Buli.jpg

ALTENFURT/NEUHAUS – Am Samstag findet in der 2. Judo Bundesliga das Mittelfranken-Derby zwischen Altenfurt und Neuhaus statt. Außerdem geht es in der Sporthalle in Auerbach im Duell mit dem Tabellenführer Karlsruhe für Altenfurt um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Neuhaus will währenddessen wenigstens einen Sieg einfahren, um den Abstieg aus eigener Kraft zu verhindern.

Die Begegnung zwischen Altenfurt und Neuhaus ist etwas Besonderes. In der Jugend bilden die Vereine seit Jahren eine Kampfgemeinschaft. Elli Grünewald, Jugendtrainerin in Altenfurt und Achim Schauer, Neuhaus’ Trainer, begannen damals zusammen die erste gemeinsame Mannschaft. „Wir haben einfach von den Gewichtsklassen perfekt zusammen gepasst“, erinnert sich Schauer. Auch „judophilosophisch“ stimmten sie meistens überein. „Ich kenne keinen, mit dem ich, was das Judo betrifft, so oft einer Meinung bin wie mit der Elli“, sagt Schauer.

Nicht nur persönlich, sondern auch auf der Matte harmonierte das Team. In der U18 kämpften sie sich auf der Deutschen Vereinsmannschaftsmeisterschaft im Jahr 2014 bis ins Finale. Dort mussten sie sich nur dem TSV München-Großhadern geschlagen geben. 2013 hatten sie sich bereits einen 3. Platz geholt und 2016 gewann dann eine „neue Generation“ bei den nationalen Titelkämpfen der U14 ebenfalls Bronze.

Mannschaft stärker aufgestellt

Die Saison in der Bundesliga lief für Altenfurt überraschend gut. Fünf Siege verbuchen sie bereits für sich, was ihnen den zweiten Tabellenplatz beschert. Eltmann, Gröbenzell, Rheinland, Wiesbaden und Weimar haben sie bereits geschlagen. Nur Bad Homburg mussten sich die Altenfurterinnen am 3. Kampftag mit 3:4 geschlagen geben.

Trainerin Nicole Adler hat mit diesen Ergebnissen nicht gerechnet. „Wir haben die Mannschaft dieses Jahr stärker aufgestellt, nachdem es letztes Jahr nicht so gut gelaufen ist“, sagt sie, bemüht eine Erklärung zu finden. 2017 mussten die Altenfurterinnen um den Abstieg bangen, sicherten sich aber mit einem Sieg gegen Wiesbaden den Klassenerhalt als Vorletzte.

„Ich fand es auch sehr schön, dass diejenigen, die verletzt oder sich in der Bundesliga nicht unbedingt kämpfen gesehen haben, trotzdem mitgefahren sind“, erzählt sie. Darum hatten die Trainer bei der Aufstellung der Mannschaft immer mehrere Kämpferinnen zur Auswahl. Die Erfolge sprechen für sich: Punktgleich mit Tabellenführer Karlsruhe stehen sie auf Rang 2. Nun haben sie die Chance, die Führenden im direkten Duell zu entthronen.

Neuhaus‘ Saison lief nicht ganz rund. „Alle vier Kämpfe, die wir verloren haben, gingen 3:4 aus“, erzählt Schauer. Dafür holten sie zwei Siege gegen Eltmann mit 5:2 und gegen Gröbenzell mit 4:3. Das ist das schöne an der Liga: die Mannschaften befinden sich weitgehend auf dem gleichen Niveau. Knappe Ergebnisse sind da beinahe vorprogrammiert, was auch an der geringen Anzahl an Einzelkämpfen liegt. Denn nur in sieben Gewichtsklassen treten die Frauen der 2. Bundesliga gegeneinander an.

Das läuft in der 1. Bundesliga und in beiden nationalen Ligen der Männer anders. Hier treffen immer nur zwei Mannschaften an einem Kampftag aufeinander, die in zwei Durchgängen mit je sieben Gewichtskategorien gegeneinander kämpfen.

Keine Freundschaftsdienste

Diese Woche sind beim SV Neuhaus mit dem TSV Altenfurt und dem BC Karlsruhe als Absteiger aus der 1. Liga zwei starke Mannschaften zu Gast. „Wenn Karlsruhe voll aufstellt, haben wir wenig Chancen“, schätzt Schauer die Lage ein.

Auch der befreundete Verein aus Mittelfranken stellt für ihn einen schweren Gegner da. „Aber letztes Jahr haben wir Altenfurt auch geschlagen“, sagt er. Da stand wieder einmal das beinahe schon klassische Ergebnis von 3:4 mit dem besseren Ende für den damaligen Neuling Neuhaus. „Da haben wir Glück gehabt. Aber Glück spielt eben auch immer mit“, meint Schauer. Etwas spekuliere er auch darauf, dass die beiden Führenden nicht in die starke 1. Liga wollen. „Einen Sieg möchte ich eigentlich schon holen“. Dazu kann er auch eine vollbesetzte Mannschaft bieten, auch wenn er urlaubs- und verletzungsbedingt auf einige Judoka verzichten muss.

Freundschaftsdienste erweisen sich die beiden Vereine aber nicht, auch wenn Neuhaus rein rechnerisch noch absteigen kann. Auf die Frage schaut Achim Schauer sehr verblüfft und sagt: „Nein, oder? Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Adler hat sich damit auch nicht befasst. „Ich würde uns eher als befreundete Konkurrenz bezeichnen“, sagt sie.

Der Aufstieg würde für Altenfurt eine große Umstellung und um einiges stärkere Gegner bedeuten. Zwischen der 1. und 2. Bundesliga liegen im Judo recht große Unterschiede. Die Kämpferinnen der 1. Bundesliga haben ihr Leben dem Leistungssport angepasst, sodass sie ein- oder meist zweimal am Tag trainieren können. Häufig ist der Arbeitgeber die Polizei oder die Bundeswehr, die ihre Athleten bei ihrem Sport unterstützen.

WM hat Priorität

Nichtsdestotrotz bleibt Judo eine Einzelsportart – andere Wettkämpfe haben bei den Spitzensportlern Priorität. Zum Beispiel die WM, die gerade vom 20. bis zum 27. September in Baku (Aserbaidschan) stattfindet. „Für die steht Judo an erster Stelle“, so Adler. „Aber da sehe ich uns nicht. Wir machen Judo neben dem Beruf oder dem Studium.“ Und was, wenn Altenfurt aufsteigt? „Sollte das passieren, nehmen wir die Herausforderung natürlich an“, meint Adler. Etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, den Aufstieg dürfen die Teams nicht ablehnen.

Auch Neuerungen für 2019 beeinflussen die Bundesliga – allerdings im Moment weder den Auf- noch den Abstieg in dieser Saison. Die im Judo in Nord und Süd geteilte Liga weist im Norden ein Defizit an Mannschaften auf. Während im Süden in jeder Liga neun Mannschaften gegeneinander antreten, sind es im Norden nur sechs.

Die Neuerung soll da Abhilfe schaffen: Um die Liga dort aufzufüllen, werden einige Landesverbände, wie Sachsen oder Rheinland im neuen Jahr zum Norden gehören. Im Süden bleiben dann nur noch die Verbände aus Bayern, Baden und Württemberg. Die Ligabetreiber hoffen, dass dann in der Süd-Liga, wo es größere und finanzstärkere Vereine gibt, von unten neue Mannschaften in die 2. Bundesliga kommen.

Die neue Saison spielt bei dem Kampftag am Samstag aber erst einmal keine Rolle. Zuschauer sind in der Helmut-Ott-Halle in Auerbach (Neuhauser Str. 1b) immer willkommen und dürfen sich auf spannende Kämpfe freuen.

N-Land Der Bote
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