Autobahnkreuz Nürnberg-Ost

Erörterung des Ausbau-Plans

Ausschnitt aus dem Feststellungsentwurf zum Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost, der den geplanten „Overfly“ über das Kreuz und die Anschlussstelle Fischbach zeigt. | Foto: Autobahndirektion Nordbayern2017/04/AK-Nbg-Ost_luftbilduebersichtslageplan_5000.jpg

ALTENFURT – Das Autobahnkreuz Nürnberg-Ost ist ausgelastet. Regelmäßig kommt es hier zu Staus und Unfällen. Die Autobahndirektion Nordbayern plant deswegen einen Ausbau des Kreuzes und der Anschlussstelle Fischbach, der von Anwohnern und Naturschützern scharf kritisiert wird. In der Sportgaststätte Altenfurt eruierten Antragsteller, Behörde und Kritiker im Erörterungstermin ihre Standpunkte.

Regelmäßig kommt es im Bereich des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost zu Staus und Unfällen.  Zur „Engpassbeseitigung“ plant die Autobahndirektion Nordbayern, die Schnittstelle zwischen A6 und A9 mit einer zweispurigen „Overfly“-Brücke „leistungsfähiger“ zu machen. Die „Überflieger“-Brücke soll das Kreuz für die Verbindung Heilbronn – Berlin in einer mehr als zwölf Meter hohen Kurve überspannen. Für die Verbindung in die andere Richtung ist eine zweispurige, ebenerdige Rampe geplant. Außerdem umfasst das Vorhaben den Ausbau der Anschlussstelle Fischbach.

Protest vom Bund Naturschutz

Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Bund Naturschutz auf die Bedenklichkeit des Bauvorhabens aus Sicht des Naturschutzes aufmerksam gemacht (wir berichteten).

Im Anhörungsverfahren hatte der Verband eine ablehnende Stellungnahme abgegeben, „weil der Bau zu einem erheblichen Eingriff in das europäische Vogelschutzgebiet Nürnberger Reichswald führen würde“. 20 Hektar Wald müssten gerodet werden, in Teilen Bannwald, dessen Erhalt Vorrang vor anderen Nutzungen genießt.

Nachdem die öffentliche Auslegung der Pläne und die Anhörungsphase beendet sind, hatte die Regierung von Mittelfranken als prüfende Behörde zum Erörterungstermin geladen. Die Veranstaltung moderierte Sachgebietsleiter Friedo Wolf. Etwa 40 Trägerinnen und Träger von Einwänden waren in die Sportgaststätte Altenfurt gekommen.
Die Maßnahme habe „höchste Dringlichkeit“, leitete Lösch von der Autobahndirektion Nordbayern ihre Vorstellung der Pläne ein.

Unfälle und Staus

Die derzeitigen Rampen seien für den Verkehr nicht leistungsfähig genug, weswegen es im Bereich des Autobahnkreuzes häufig zu Rückstaus und Auffahrunfällen kommt. Nördlich des Kreuzes passieren, so die Zahlen der Direktion, mehr als 100.000 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden die A9, südlich sind es mehr als 60.000. Auf der A6 fahren östlich des Kreuzes etwa 40.000 Fahrzeuge in 24 Stunden, westlich sind es fast 80.000.

Der Bund Naturschutz stelle die Probleme am Kreuz nicht grundlegend in Zweifel, sagte Tom Konopka, BN-Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken. Man müsse jedoch die gesamte Mobilität im Blick behalten, unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren unter anderem Natur- und Vogelschutz und deswegen sachliche Alternativen prüfen.

Dies sei in diesem Fall nicht geschehen. Bayern rolle dem Autoverkehr den roten Teppich aus. Derzeit liegt eine Beschwerde des Umweltverbandes gegen den Verkehrswegeplan der Bundesregierung bei der EU-Kommission vor. Ob das Bauvorhaben wegen der Beschwerde  aufgeschoben werden muss, müsse man noch prüfen, sagte Wolf von der Regierung Mittelfranken. Ein weiterer noch nicht abgeschlossener Kernpunkt der Prüfung sind die Verbots- und Ausnahmetatbestände. EU-Naturschutz-Richtlinien wie das europäische Vogelschutzgebiet verlangen hohe Standards: „Eine hohe Hürde“, sagte Wolf.

Einwände gegen die Pläne in ihrer jetzigen Form brachten zudem Vertreter der Bayerischen Staatsforsten, denen unter anderem die genauen Quadratmeterzahlen zur Prüfung der Ausgleichsflächen für den gerodeten Bannwald fehlen und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die um den möglichst schonenden Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen bei der Planung von Ausgleichsflächen baten. Vertreter der Stadt Nürnberg äußerten ihre Sorge wegen der Leistungsgrenze der Abfahrt Fischbach bei Spitzenverkehr.

Ein Mitarbeiter der Stadt Ansbach legte dar, dass der in ihrem Gebiet geplante Bannwaldausgleich in Konflikt mit dem Flächennutzungsplan der Stadt steht. Wolf forderte  Autobahndirektion und Einwender auf, gemeinsam Lösungen zu finden.

Bürgerinitiative Fischbach

Mit einem Abstand von nur 40 Metern zur Autobahn ist der Ortsteil Fischbach unmittelbar betroffen. Dort schlossen sich Bürgerinnen und Bürger zu einer „Bürgerinitiative gegen den Aus- und Umbau der A6 / A9“ zusammen. Sie fürchten eine erhebliche Lärmbelastung und halten die vorhandenen Lärmschutzmaßnahmen für unzureichend.

Im zweiten Teil des Termins, nach der Mittagspause, wurden die erhobenen Privateinwendungen einschließlich der Einwendungen der Bürgerinitiative (BI) aus Fischbach erörtert. Die Vertreterinnen und Vertreter der BI Fischbach kamen ebenso zu Wort wie weitere Einwenderinnen und Einwender und deren anwaltliche Vertreter. Kompromisse bezüglich des Lärmschutzkonzeptes konnten allerdings nicht erzielt werden.

Wie geht es jetzt weiter? Die Regierung von Mittelfranken wird prüfen, ob die Ergebnisse des Anhörungsverfahrens einschließlich des Erörterungstermins ergänzende Untersuchungen oder Anhörungen erfordern und diese gegebenenfalls veranlassen. Schließlich wird die Behörde über den Planfeststellungsantrag entscheiden. Sollte ein Beschluss ergehen, so wird dieser öffentlich ausgelegt und auf der Internetseite der Regierung von Mittelfranken veröffentlicht werden.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung