Smokestack Lightnin´ im Brauhaus

Verrückte Burschen im Nashville-Fieber

Smokestack Lightnin‘ nahmen unter anderem schon mit Bela B von den Ärzten auf. Live sind sie definitiv einen Besuch wert. Florian Kenner, der neue Gitarrist, ist links auf der Bühne zu sehen, rechts der altbewährte Axel Brückner. | Foto: Maximilian Bauer2019/01/Altdorf-Smokestack-Lightnin-4.jpg

ALTDORF – Am Samstag kam es im verschneiten Altdorfer Brauhaus zu einer musikalischen Hitzewelle: „Smokestack Lightnin‘“ brachten den klanglichen Flair des Wilden Westens in die Prärie des Frankenlandes. Von dort ging die musikalische Reise noch weiter durch die ganze Bandbreite amerikanischer Musik: vom Sumpf in Louisiana bis hinein nach Nashville.

Wenn dieses Konzert in einer Geschichte beschrieben werden müsste, dann würde man beginnen in der Wüsteneinöde Amerikas zu Zeiten des Goldrausches. Ein Steppenläufer – das buschige Etwas, das oftmals in Filmen umherfliegt – wird vom Wind über den Sand getragen. Genau dorthin verschleppt die Band Smokestack Lightnin´ ihre Zuhörer.

Die Gitarre lässt Italowestern-Akkorde in knackiger Manier aus dem Verstärker scheppern. Der marschierende Bass symbolisiert das Pferd, auf dem man gerade durch die Wüste galoppiert. Das Schlagzeug ist der stete Wind, der vom Horizont her an den ausgetragenen Klamotten der Cowboys zieht. In der Tat beschert diese Band ein ungeheuer authentisches Klangerlebnis Amerikas.

Die Originalbesetzung besteht aus Michael Kargel am Schlagzeug, Bernie Batke als Sänger und Bassist sowie Axel Brückner als Gitarrist und an den Tasten. Neue Saitenverstärkung kam in Form des Zweitgitarristen Florian Kenner, der seinen ersten Auftritt mit der Band in Altdorf spielte. Er wirkte allerdings so routiniert, als wäre er schon lange ein Teil der Formation.

Eigene Würze und Altbewährtes

Das Repertoire besteht aus eigenen Songs und Klassikern der Country-Musik. „Country – der Begriff ist schwer zu vermitteln in Deutschland“, erzählt Sänger Bernie. Allerdings scheinen das die Gäste an diesem Abend nicht so zu sehen. Es wird getanzt und das Altdorfer Brauhaus ist rappelvoll. Von der Wüste aus spielt sich die Band mit treibenden Rhythmen und eingängigen Harmonien in eine Art Saloon-Atmosphäre.

Die Stücke haben dabei eine schöne Bandbreite zwischen Film-Thema à la Ennio Morricone und swingendem Rock. Die Band wirkt erprobt und eingespielt, wie eine Dampflok, die das Publikum ans Ziel des klanglichen Genusses bringt. „Wir machen Americana-Musik“, würde Bernie es spezifizieren und die Truppe würde bestätigend nicken.

Americana bezeichnet verschiedene Einflüsse amerikanischer Schöpfung. In der Tat trifft diese Beschreibung den Stil am ehesten, denn die Musik folgt einer Menge Einflüsse: vom Blues zu funkigen Einlagen, virtuosen gedoppelten Melodien und mehrstimmigem Gesang in bester Country-Manier.

In den Sümpfen Louisianas

Vom Saloon aus wird das Publikum weitergeführt durch Amerika. Die Stimmung ist nicht immer nur fröhlich und heiter. Saloons gab es auch in den Sümpfen Louisianas, wo die Versklavung der dunkelhäutigen Bevölkerung an der Tagesordnung war. Auch Blues mit genau diesem Titel „Louisiana“ wird gespielt. Die Textzeilen lasten schwer, denn „niemand entkommt der sumpfigen Einöde“.

Allerdings schafft die Band mit Solo-Einlagen regelmäßig Höhepunkte, die die Zuhörer begeistern. Im Gespräch mit den Jungs betonen sie, dass sie viele Bands und Musiker aus den Staaten kennen. Ein Album wurde sogar in Nashville aufgenommen. Und genau das hört man auch, denn der Klang ist authentisch und beschwingt auch das Publikum.

Duell der Gitarreros

Alles in allem ist die Reise durch Amerika ausgewogen. Aus klanglichen Tälern führt es auch wieder in die Moderne, nach Nashville, in eckige Solo-Linien der Gitarren und treibenden Pop-Rock. Gegen Ende des Konzerts kommt es zum Showdown: Axel und Florian gönnen sich ein ausgiebiges Gitarrenduell.

Wer am Ende gewinnt, ist schwer zu sagen, denn geschmacklich leisten beide ihren Teil zum klanglichen Erfolg der Band. Nach mehreren Zugaben verabschiedet sich Altdorf wieder in die eisige Realität. Draußen liegt Schnee. Doch das Konzert war ein gelungener Trip in die musikalische Welt des Westens.

Maximilian Bauer

N-Land Der Bote
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