Stadt und Bauunternehmen streiten vor Gericht

„The Wall“ droht einzustürzen

Die Lärmschutzwand von außen, wo zwischenzeitlich eine Holzkonstruktion verhindert, dass Teile der Wand zusammenfallen. | Foto: Blinten2018/04/Laermschutzwand1.jpg

ALTDORF – Die Lärmschutzwand rings um das Baugebiet an der Rascher Straße ist eines der umstrittensten Bauwerke, die in Altdorf in den vergangenen Jahren errichtet wurden. Jetzt könnte man hämisch kommentieren: Toll, das Ding stürzt ein. Damit erledigt sich das Problem von selbst.

Wenn es nur so einfach wäre. Tatsächlich neigt sich ein Teil der über fünf Meter hohen Wand, die das Baugebiet zur Umgehungsstraße abgrenzt in der Nähe der Kreuzung Umgehung/Rascher Straße bedrohlich nach außen. Mit einer Stützkonstruktion aus Holz hat die Stadt nun erst einmal sicher gestellt, dass keine Teile der Wand auf die Umgehungsstraße fallen. Die Arbeiten waren dringend nötig, weil die Stadt in der Pflicht ist, für die Verkehrssicherheit zu sorgen.

Fachgerecht gearbeitet?

In Altdorf gehen derweil die Wogen hoch. Schon wieder eine Baumaßnahme, die in der Stadt daneben geht, so der Tenor zahlreicher Posts in den sozialen Netzwerken. Zuerst der Marktplatz, dann das Hallenbad, jetzt kracht die Lärmschutzwand zusammen. Allerdings hat die Stadt die gigantische Wand nicht selbst gebaut, sondern war nur Bauherrin. Bürgermeister Erich Odörfer erläuterte auf Nachfrage des Boten, dass man aktuell gegen die seinerzeit mit dem Bau der Lärmschutzwand beauftragten Firma einen Rechtsstreit führt. Ob fachgerecht gearbeitet wurde, obwohl nach nur wenigen Monaten ein Teil der Wand einzustürzen droht, muss nun ein Gericht entscheiden.

Wenn es nach den Altdorfern gegangen wäre, dann hätte man seinerzeit einen sehr viel bescheideneren Lärmschutz für das Baugebiet an der Rascher Straße errichtet. Alle Mitglieder des Stadtrats waren damals entsetzt, als sie erfuhren, welche Vorgaben das Landratsamt machte. Im Kommunalwahlkampf 2014 war die Riesenwand dann Thema auf allen Veranstaltungen in der Stadt. Und immer wieder mussten die Stadträte erklären, dass nicht sie es waren, die sich die Mauer wünschten.

Vom Landratsamt kam vielmehr das Signal: Entweder die Mauer – in Altdorf inzwischen als „The Wall“ bezeichnet – oder es gibt kein Wohngebiet. Die SPD ließ daraufhin sogar eigene Lärmschutzberechnungen erstellen. Doch der Altdorfer Widerstand blieb vergeblich. Das Landratsamt setzte am Ende seine Forderungen durch und zwang die Stadt, die Wand hochziehen zu lassen.

Viele Altdorfer befürchteten seinerzeit, dass die Wand möglicherweise abschreckende Wirkung auf Bauwillige haben könnte. Doch das war nicht der Fall, das Baugebiet an der Rascher Straße ist beliebt. Für die relativ günstigen städtischen Grundstücke gab es viele Interessenten. Die letzten noch bestehenden Baulücken werden Zug um Zug geschlossen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten