Schauspieler und Songpoet Michael Fitz in Altdorf

„Ständig dieses Ding im Kopf“

„Ich bin kein Theaterschauspieler“, sagt Michael Fitz. Den direkten Kontakt zum Publikum erlebt er als Musiker auf der Bühne. | Foto: Voss2018/07/Altdorf-Wallenstein-Michael-Fitz.jpg

ALTDORF – „Das bin ich. Das habe ich mir immer gewünscht.“ Seit „drei oder vier Jahren“ ist der Schauspieler Michael Fitz nun schon in der gesamten Republik als Musiker unterwegs. Ein Songpoet, der die Nähe zum Publikum sucht, die er als TV-Darsteller nicht findet. Die Frage, ob seine Liebe zur Musik darum größer sei als die zur Schauspielerei, beantwortet er mit einem vorsichtigen: „Das kann man so nicht sagen.“ Vielleicht doch, mit einem Blick auf den übervollen Tourkalender und gerade einmal vier Drehtagen im vergangenen Jahr.

Natürlich kann der Oberbayer Fitz Hochdeutsch. Seine Lieder interpretiert er aus Überzeugung im warmen Idiom der Heimat, die Stimme nur von einer der Akustik-Gitarren akzentuiert, die die Bühne mit ihm teilen. Die vieldeutige Frage „Macht man die Tür für jemand anderen auf?“ im Song „Willkommenskultur“ hinterlässt beim Publikum einen tagesaktuellen Beigeschmack, das Phänomen der omnipräsenten

Berührender Subtext

„Selbstoptimierung“ ein amüsiertes Lächeln. Die Frage „Hast du das, was mir fehlt?“ wiegt in einer Beziehung schwer – dort, wo es um Vertrauen geht und Distanz aus Unsicherheit erwachsen kann. Und plötzlich findet sich der eine „hinter‘m Zaun“ wieder und hat Angst, den geliebten anderen Menschen damit zu verlieren.

Fitz‘ Programm „Von jetz‘ auf gestern“ ist ein Blick auf die Essenz des Lebens mit berührendem Subtext und intelligentem Humor. Fitz ist im positiven Sinn nachdenklich; er sieht und hört genau hin, nicht nur, was die Risiken des Lebens betrifft. Die, die von Anlageberatern so gerne als „absolut kalkulierbar“ bezeichnet werden und bei näherem Hinsehen zu einem Widerspruch in sich degenerieren.

Apropos degenerieren: Er habe einen Blick auf die zahlreich kolportierten Syndrome geworfen und dabei sein „Anchor Thema“ gefunden, erzählt Fitz: das „Autofahrer Tourette“, Menschen in Blechlawinen, die, geschüttelt von Aggression, zu einer Karikatur ihrer selbst werden. „Eine dicke, stählerne Gitarrensaite in mir ist dann kurz vor dem Zerreißen“, gesteht er über sich selbst. Nur das geflüsterte Mantra seiner Frau habe ihn bei der letzten Italienfahrt so sehr beruhigen können, dass er tiefenentspannt sein Auto „knochenlos am Lenkrad durch die Poebene pilotiert“ habe.

Liebeslied mit Selbstreflexion

Der Song „Schleudersitz“ dreht sich um die Dinge, die in Beziehungen „mit der Zeit irrsinnig wichtig werden“. Ein Liebeslied mit viel Selbstreflektion, die man Fitz, der „jetzt auch schon ein paar Jahrzehnte in Beziehungsdingen Erfahrung hat“, abnimmt. „Du hast längst den Fallschirm für meinen Schleudersitz“, singt er. Und fügt nach einer Pause hinzu: „gestohlen.“ Eine Metapher für die Liebe, in der es weder Netz noch doppelten Boden gibt.

Wenn Fitz sich fragt, ob er denn gleichzeitig Beobachter und Beobachteter sein könne, klingt das nicht schräg, sondern klug, sein „mit der Sehnsucht weiß ich längst nicht mehr wohin“ aufrichtig. Genau wie das Geständnis: „Lauter kleine dicke Hausverwalter streiten in meinem Hirn.“ Der Künstler freut sich aufrichtig über die Begeisterung des Altdorfer Publikums im Wichernhaushof. Und das ganz ohne „Zweiflerstirnfalte.“

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss