Altdorferin initiiert Projekt für neues Ackerland

Solarstrom bringt Leben in die Wüste

Hätten die Bauern in Dakhla nicht das Wasser aus ihrem artesischen Brunnen, dann wäre hier auf den Feldern nichts als Sand. Das Leben spendende Nass pumpen sie mit Solarstrom aus 1000 Metern Tiefe herauf. | Foto: privat2016/01/Wasser-fließt.jpg

ALTDORF — Sonnenschein ohne Ende – und niemand nutzt ihn. Das ist die derzeitige Situation in Ägypten. Friedel Braun aus Altdorf hat nun ein  zukunftsträchtiges Projekt mit angestoßen: Brunnen-Pumpen werden mit Solarstrom betrieben und fördern Wasser in die Wüste, wo fruchtbares Agrarland entsteht.

Die Altdorferin Friedel Braun verbringt den Winter seit 14 Jahren in der ägyptischen Wüste. Damals kam sie zusammen mit ihrer Forchheimer Freundin Anja Wolf in das Land am Nil und verliebte sich in die faszinierenden Landschaften. Im Oasen-Ort Beir el Gabal, 900 Kilometer südwestlich von Kairo, hat sie zusammen mit Wolf ein Solarprojekt angestoßen, das unter anderem die Wasserversorgung der Oase sichert. Bei der Deutschen Botschaft in Kairo hat man mit großem Respekt beobachtet, wie es in Beir el Gabal und den Nachbardörfern voran geht und einen Projektzuschuss über 10.000 gewährt.

Wasser aus 1000 Meter Tiefe

Was in Beir el Gabal derzeit geschieht, ist in der Tat vorbildlich für das ganze Land. Die Menschen haben Wüstenboden gepachtet und machen die Wüste fruchtbar. Dazu  brauchen sie Wasser, das aus rund 1000 Metern Tiefe heraufgepumpt werden muss. Bis vor noch gar nicht langer Zeit trieb man die Pumpen mit einem altersschwachen Dieselaggregat an, das immer wieder seinen Geist aufgab. Besonders schwierig war es während und unmittelbar nach der ägyptischen Revolution, als kaum noch Treibstoff zur Oase durch kam.

Die Lösung für die Oasenbewohner war eine Photovoltaikanlage zur Erzeugung von Strom. Außerdem ließ man einen neuen Brunnen bohren und holte das Wasser dann mit dem Sonnenstrom an die Erdoberfläche. Allerdings gab es Rückschläge: Im vergangenen Jahr fegte ein Sandsturm über die Oase hinweg und zerstörte die Solaranlage. Aufgebaut wurde dann von einer jungen ägyptischen Solarfirma, die auch Geld vorstreckte. Außerdem unterstützte ein Freundeskreis aus Deutschland das Projekt von Friedel Braun und Anja Wolf in Ägypten.

Mühsame Aufgabe

Inzwischen haben die Bauern der Oase Dakhla, zu der Beir El Gabal gehört, rund 18 Hektar Wüstenboden in Agrarland verwandelt. „Die Arbeit auf den noch steinigen Feldern ist mühsam, aber die ersten Ernten sind eingefahren“, so Braun. Orangen, Datteln, Zitronen, Granatäpfel, Oliven und Hibiskus wachsen auf dem neuen Ackerland, außerdem allerlei Getreidesorten.

Die Altdorferin Friedel Braun verbringt die Wintermonate seit 14 Jahren in der ägyptischen Oase Dakhla.
Die Altdorferin Friedel Braun verbringt die Wintermonate seit 14 Jahren in der ägyptischen Oase Dakhla. | Foto: privat2016/01/Braun.jpg

Im vergangenen Jahr ächzte Ägypten unter einem extrem heißen Sommer. In der Oase Dakhla wurden wie andernorts Temperaturen von über 50 Grad Celsius gemessen. Allerdings lieferte die Photovoltaikanlage auch extrem viel Storm. Die Wasserversorgung war immer gesichert, weil die Stromversorgung nie unterbrochen war.

Hoffnung auf Nahrung

Friedel Braun ist sehr zuversichtlich, dass ihr Projekt den Menschen vor Ort Mut macht. Es zeigt, dass sich Einsatz lohnt und auch in anderen Oasen in Ägypten ähnliches entstehen kann. „Ägypten hat so viel Sonne, da ist es uns wichtig“, sagt Braun, „den Wert erneuerbarer Energien hier bekannt zu machen, damit auch andernorts Versuchsanlagen gebaut werden.“

Zwischenzeitlich hat das Projekt in der Oase Dakhla in Ägypten immerhin einen so hohen Bekanntheitsgrad erreicht, dass Lehrer für Fremdsprachen oder Bibliothekare aus Kairo in die Abgeschiedenheit der Wüste umsiedelten, um hier auf neu gewonnenem Ackerland Agrarprodukte anzupflanzen. In der Hauptstadt haben Lehrer ein so geringes Gehalt, dass sie davon kaum ihre Familien ernähren können, in der Oase haben sie dagegen als Bauern eine Perspektive. „Wüstenboden wird fruchtbar, wenn er Wasser bekommt. Und fruchtbares Land bietet Hoffnung auf Nahrung und Überleben“, fasst Braun zusammen.

Die Deutsche Umweltstiftung unterstützt zwischenzeitlich das ägyptische Projekt von Braun und Wolf ebenfalls. Im Internetforum www.ecocrowd.de gibt es dazu Informationen, wie man bereits mit kleinen Spendensummen helfen kann. A.B.

Die Altdorferin Friedel Braun verbringt die Wintermonate seit 14 Jahren in der ägyptischen Oase Dakhla. Fotos: privat

Hätten die Bauern in Dakhla nicht das Wasser aus ihrem artesischen Brunnen, dann wäre hier auf den Feldern nichts als Sand. Das Leben spendende Nass pumpen sie mit Solarstrom aus 1000 Metern Tiefe herauf.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten