Fulminantes Doppelkonzert in Altdorf

Silke stürmt das Brauhaus

Das Nürnberger Kollektiv #zweiraumsilke begeistert im Altdorfer Brauhaus mit seinem mitreißenden Stilmix. Hier Trompeter Fabian Grassl (Mitte) beim Solo, rechts Rapper Christian „Emma“ Emmel. | Foto: Krätzer2017/09/Altdorf-zweiraumsilke.jpg
Raiba Fallback

ALTDORF – Lieder, aufgesammelt wie Streuobst als Vorspeise und zum Hauptgang dann einen fulminanten Eintopf aus Funk, Jazz, Hiphop, gemischt mit Soul: Die Veranstalter des Altdorfer Brauhauses hatten mit zwei Bands einmal mehr einen klasse Konzertabend organisiert.

Funken flogen beim Funk-Jazz-Hiphop-Gemisch mit dem sich #zweiraumsilke, kurz Silke, vorstellten. Ihre Musik sprühte vor Energie, Spielfreude, Können und kreativem Spaß am Unsinn. Geht das? Diese Frage scheinte sich Silke nicht zu stellen, sie machen und arrangieren munter drauf los. Mit einer vierköpfigen Bläserformation (Trompete, Saxofon und Posaune), Gitarre, Piano und der Rhythmusgruppe (Bass, Cello, Percussion und Drums) lässt der Sound um den Power-Frontmann, Sänger und Rapper Christian „Emma“ Emmel nichts zu wünschen übrig. Gelegentlich erinnert er mit Keyboard und Bläsern an die Fantastischen 4, etwas an Moop Mama oder die französische Band Electro Deluxe. Sie überzeugen mit Arrangements mit kurzen Bläserakzenten und verschiedentlichen Soli, oder wenn sie die melodischen Refrains begleiten.

Sängerin auf Reisen

Im Brauhaus leider nicht dabei war Sängerin Rita Bavanati – sie sei zurzeit auf Reisen und werde demnächst in Mannheim an der Popakademie studieren, erzählte Emma. Zum Vergnügen aller übernahm daher Gitarrist Wohlmuth Bavanatis Part beim „Maria de la Tinder“ – in hoher Stimmlage und perfekt auf Spanisch. Musik für gute Laune ohne Message, zum Tanzen und Abschalten, keine politisch-sozialen Themen, so charakterisieren Silke ihre Musik, die mit ihrem Groove schnell jeden mitreißt. Frisch-frech, mit viel Schwung, gelegentlich rotzig und mit jazzigen Einflüssen kommt der Hiphop daher, lässt auch mal die Geräusche einer Stadt auf der Bühne entstehen. „Offenheit hatte schon immer ein vermummtes Gesicht“, heißt es beim Lied „Stadt Land Flucht“, veröffentlicht auf ihrer ersten im Mai erschienenen EP („zielstrebig planlos“). So ganz unpolitisch scheinen die Texte dann doch nicht.

Erst Streuobstwiese, dann Silke

Noch keine zwei Jahre alt ist das elfköpfige Nürnberger Kollektiv, das sich bereits über viel Beachtung und einen großen Fankreis freuen kann. Im November findet die Geburtstagsfeier statt – wo sonst, wenn nicht bei Gummi Wörner in Erlangen, wo Silke erstmals gemeinsam auf der Bühne standen.

Als Vorband servierten Wolfgang Völkl, Jörg Szameitat und Bernd Fischer als Streuobstwiese das melodiöse Entree und damit ihren ersten offiziellen Auftritt. Die drei Musiker, aus diversen anderen Formationen bekannt, haben sich zu einem neuen Liedermacher-Singer-Songwriter-Projekt zusammengetan.

Schicksalshafte Tretmühle

Musikalisch lässt Giftwood grüßen, erinnern die Lieder von der Wiese doch an die aus dem Wald. Ihre Songs hätten keine Heimat in den anderen Projekten gefunden, erklärt Szameitat, sie seien „deutsches Liedgut“, denn alle Texte sind in Deutsch. Wie das ohrwurmverdächtige Lied vom Haifisch, der immer schwimmen muss. Musikalisch lehnt es sich an das bekannte „ . . . und der Haifisch, der hat Zähne“ aus Berthold Brechts Dreigroschenoper an. „Bloß nicht aufhörn, einmal Schwimmer, immer Schwimmer“ heißt es im Refrain: eine schicksalhafte Tretmühle, aus der es kein Entkommen gibt. Bewundernswert ist zudem, auf wie vielen Instrumenten das Trio spielt. Kurzerhand wechselt Keyboarder Fischer für ein Solo zur Gitarre, switcht Völkl zwischen Keyboard, Gitarre, Akkordeon und Flöte, während Szameitat Gitarre, Cajon und Mundharmonika übernimmt. Singen können sie außerdem, und auch die gefühlvollen Saiten bringen sie zum Klingen, wenn überall nur Geisterstadt ist („Ohne dich“) und beim Auszug die Liebe unterm Bett zurück bleibt („So weit, so gut“).

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer