Bürgerversammlung in Altdorf

Seniorenbeirat und Windkraft ging die Puste aus

Viele Plätze blieben in Altdorf leer, als die Stadt zur Bürgerversammlung in den Sportpark geladen hatte. Die teilnehmenden Bürger jedenfalls waren hochinteressiert an den Altdorfer Angelegenheiten und stellten dementsprechend Fragen zu verschiedensten Themen. Foto: Blinten2015/04/BV_Altdorf.jpg

ALTDORF – Die Altdorfer Bürgerversammlung ist zwar meist schlecht besucht. Dafür sind die wenigen Bürger, die sich direkt vom Rathauschef informieren lassen, umso interessierter. So auch in diesem Jahr: Acht Stadträte hatten sich im Sportpark zusammen mit lediglich 25 Zuhörern versammelt, nachdem Bürgermeister Odörfer zum Info-Gespräch eingeladen hatte. Im Anschluss an dessen anderthalbstündigen Ausführungen über Altdorfs Finanzen, über Investitionen der Stadt und anstehende Projekte stellten die Zuhörer eine Reihe von Fragen. Es ging um Verkehrsprobleme, um die jährliche Reinigungsaktion „Altdorf putzt sich raus“, um Windkraft, Asylbewerber und den Seniorenbeirat.

Wie es mit dem denn in Altdorf weitergehe, wollte Wolfgang Rösch von Odörfer wissen. Tatsächlich sind zwischenzeitlich bis auf ein Mitglied sämtliche Seniorenbeiräte in Altdorf von ihren Ämtern zurückgetreten. „Und dieser letzte tritt nicht zurück“, stellte Odörfer fest. „Das geht aber nicht, dass hier einer auf seinem Posten bleibt und alle anderen sind wegen ihm weg.“ In der Wallensteinstadt gab es über viele Jahre einen Seniorenbeirat, der gute Arbeit leistete, in der Stadt gut vernetzt war und beste Kontakte zu Senioreneinrichtungen am Ort hatte. „Die haben wirklich gute Arbeit geleistet“, so Odörfer. So soll es auch in Zukunft wieder werden, deshalb wird sich ein städtischer Ausschuss demnächst mit der Angelegenheit Seniorenbeirat befassen.

Erfahrungen mit Asylbewerbern

Thema Asylbewerber: Derzeit sind im ehemaligen Hotel Zollhaus in Altdorf und in einer Unterkunft in Ludersheim Menschen untergebracht, die Asylanträge gestellt haben. Während es nach Odörfers Angaben im Zollhaus nie Probleme gab, machten die Altdorfer mit einigen in Ludersheim wohnenden Antragstellern böse Erfahrungen. Im Rathaus seien Mitarbeiter bedroht worden, als Leute, die in Ludersheim untergebracht sind, Geld abholen wollten, so der Bürgermeister.

In Altdorf selbst sollen weitere Flüchtlinge in der ehemaligen Fachakademie in der Hersbrucker Straße untergebracht werden, nach Informationen des Rathauschefs 80 bis 100 Menschen. Allerdings muss das Gebäude umgebaut werden, dafür muss zunächst der Stadtrat grünes Licht geben. Das Geld für den Umbau stellt der Landkreis zur Verfügung.

Thema Windkraft

Werden demnächst Windräder auf der Hochebene bei Eismannsberg aufgebaut? Seit Jahren beschäftigt das Thema die Altdorfer und die Eismannsberger. Früher oder später, da war man sich sicher, würden die Anlagen zur alternativen Energiegewinnung kommen. Jetzt deutet viel darauf hin, dass sie wohl eher später kommen. Aus verschiedenen Gründen, wie Odörfer erläuterte. Zum einen gibt es die 10-H-Regelung, die festlegt, dass die Entfernung der Windkraftanlage zur Wohnbebauung mindestens zehnmal so groß sein muss wie die Anlage hoch ist.

Damit hätte man zwar leben können, weil man zunächst mit der Nachbarkommune Lauterhofen einig war. Nachdem sich dort aber nach der Kommunalwahl die politischen Verhältnisse änderten, lehnen die Nachbarn die Windräder bei Eismannsberg nun ab. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Grundeigentümer auf der Hochfläche, die nach dem Flurbereinigungsverfahren ihre Flächen hätten tauschen sollen, lehnen eben diesen Tausch jetzt ab, weil sich herausstellt, dass auf dem Grund Windkraftanlagen errichtet werden könnten – damit lässt sich über Pachtverträge viel Geld verdienen. In die Pläne für die Windkraft auf der Hochfläche hat die Stadt Altdorf bereits viel Geld investiert. Deshalb sollen Investoren, wenn es denn irgendwann doch noch zu einer Realisierung des Projekts kommt, die Kosten übernehmen.

Vierfachhalle? Dauert zu lange

Die Dreifachturnhalle ist ebenfalls ganz oben auf der Altdorfer Themenliste. Warum man denn keine Vierfachturnhalle baue, wollte Reinhard Dauphin von Odörfer wissen. Die von FW Stadtratsmitglied Cordula Breitenfellner vorgestellten Pläne für eine solche Vierfachhalle hatten die Bürgervertreter beraten und als zu wenig durchdacht mehrheitlich verworfen. Entscheidend ist für Odörfer aber, dass der Bau einer Vierfachhalle das ganze Verfahren jetzt noch einmal gehörig verzögern würde. Man müsse neu ausschreiben und alles würde noch viel länger dauern. Derzeit hofft man, in zwei Jahren wieder Sport in einer dann neuen Dreifachhalle treiben zu können.

Thema Wasser: Weil die Stadt ein neues Wasserwerk hat, wollte Anton Seibert wissen, wie es um die Werte des Altdorfer Trinkwassers bestellt ist. Die seien in Ordnung, versicherte Odörfer – mit der kurzen Replik auf die Aufregung um erhöhte Bleiwerte in Weinhofer Anwesen, die dort um die Jahrtausendwende die Öffentlichkeit beunruhigten. „Wir hatten kein Blei im Wasser und wir haben kein Blei im Wasser“, stellte Odörfer fest.

Ein Einheimischenmodell im klassischen Sinn, mit dem junge Familien aus dem Stadtgebiet zu vergünstigten Konditionen Baugrund kaufen können, gibt es nicht mehr. Aus europarechtlichen Gründen, erklärte der Rathauschef, nachdem Reinhard Dauphin nachgefragt hatte.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten