Raiba-Weihnachten

Neuer Bebauungsplan und Baumbestand bleibt

Reset-Taste für Altdorfer Graffiti-Areal

Der Baumbestand soll erhalten bleiben. Das ist nicht nur das Ergebnis des Bürgerentscheids, jetzt hat der Altdorfer Stadtentwicklungsausschuss das auch noch einmal beschlossen. Für das Grundstück wird ein entsprechender neuer Bebauungsplan aufgestellt. | Foto: Blinten2017/11/graff_3.jpg

ALTDORF – Für das Graffiti-Areal in Altdorf gibt es jetzt ganz neue Perspektiven. Nachdem der Bürgerentscheid den Bau der von der AWO Nürnberger Land und der Neumarkter Firma Kölbl geplanten Seniorenwohnanlage verhindert, will die Stadt das Grundstück im Baudergraben neu überplanen und dabei auch nördlich gelegene Nachbargrundstücke in die Planung mit einbeziehen.

Ganz wichtig für alle Altdorfer, denen der Erhalt des Stadtbildes ein Anliegen ist: Die alten Linden im ehemaligen Graffiti-Biergarten sollen erhalten bleiben. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss so beschlossen.

Neues Architekturbüro

Für das ehemalige Gaststättengrundstück am Baudergraben hat der Erlanger Architekt Professor Hubert Kress im Auftrag der Stadt den Bebauungsplan 40 aufgestellt, der allerdings auf Eis gelegt wurde, nachdem man zeitweise das Projekt Seniorenwohnanlage verfolgte. Weil der Plan von Kress allerdings aus rechtlichen Gründen kaum realisierbar ist, soll jetzt ein neues Architekturbüro planen.

Neustart nennt das Bürgermeister Erich Odörfer, eine Feststellung, die bei den Stadträten so gut ankam, dass sie sie bei ihren Wortmeldungen im Stadtentwicklungsausschuss aufgriffen. So etwa Ernst Bergmann: „Ein Neuanfang ist gut, wir brauchen aber einen neuen Bebauungsplan.“ Und für den hat der SPD-Stadtrat auch schon eine Bezeichnung: „Bebauungsplan 40 reloaded“.

Kress wurde kritisiert

Allerdings nicht von Kress und seinem Team. In nichtöffentlicher Sitzung hat der Ausschuss beschlossen, die Erlanger nicht erneut mit der Planung zu beauftragen. Kress wurde in der Vergangenheit in Altdorf unter anderem von FW/UNA mehrmals im Zusammenhang mit dem Kulturtreff heftig kritisiert (wir berichteten). Und bei der Aufstellung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet an der Nürnberger Straße läuft auch nicht alles zur vollen Zufriedenheit der Stadträte. Jetzt soll sich ein anderes Büro mit dem Graffiti-Areal befassen.

FW/UNA-Fraktionssprecher Thomas Dietz spricht davon, dass man nun also den Reset-Knopf drücken kann, ein weiteres Bild für den Neuanfang. Die Kernbotschaft des Bürgerentscheids sieht Dietz in dem Gebot, die Bäume auf dem Grundstück zu erhalten, was bei der Realisierung einer Seniorenwohnanlage nicht möglich gewesen wäre. Aus seiner Sicht ist dabei alles mögliche auf dem Grundstück vorstellbar – von allgemeiner Wohnbebauung über seniorengerechte Wohnungen bis hin zu einem Kinderhort.

Viele Möglichkeiten

Vorstellbar ist tatsächlich viel, allerdings gehört das Grundstück nicht der Stadt, sondern ist Eigentum der Münchnerin Dr. Nicole Inselkammer. Deren Interessen müssen auch berücksichtigt werden, betont Stadtrat Dr. Bernd Eckstein (CSU). Deshalb wünscht sich Eckstein eine Planung mit verschiedenen Varianten. Die könnten am Ende einen Kompromiss möglich machen, der alle zufrieden stellt.

Die Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss verlief über weite Strecken sehr viel harmonischer als in vorausgegangenen Sitzungen zum Thema. Lebhafter wurde es erst, als Eckart Paetzold (Grüne) vorschlug, einen interfraktionellen Arbeitskreis für die Weiterentwicklung des Graffiti-Areals einzurichten. Das Problem eines solchen Arbeitskreises ist sicherlich, dass er nicht in öffentlichen Sitzungen zusammenkommt, die Bevölkerung also nicht kontinuierlich informiert wird.

Ankauf des Graffiti-Areals

Thomas Dietz spricht deshalb auch von einem „undemokratischen Gremium“. Die Leute hätten doch ein Recht darauf, die Diskussion um das Graffiti-Areal mitzuverfolgen. Für Dr. Johann Pöllot (CSU) ist mithin der Stadtentwicklungsausschuss das richtige Gremium, in dem öffentlich über die Zukunft des Grundstücks am Baudergraben diskutiert werden kann.

Der Stadtrat wird sich demnächst mit einem Ankauf des Graffiti-Grundstücks befassen, in nichtöffentlicher Sitzung, wie Bürgermeister Odörfer im Gespräch mit dem Boten betont. Bis zum Herbst 2018 jedenfalls wird auf dem Grundstück am Baudergraben nichts geschehen. Bis dahin läuft eine von der Stadt verhängte Veränderungssperre.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten