Preis für stilisiertes „Göttliches Weibsbild“

Giselher Scheicher mit einem Teil seines 110 Zentimeter hohen2010/10/argulaundgiselher.jpg
EZELSDORF – Der Preis der Argula-von-Grumbach-Stiftung der Bayerischen Landeskirche soll die Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen im gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext fördern. Die letzte Ausschreibung hatte den anspruchsvollen Titel „Weibliche Gottesbilder im Christentum“. Einen hervorragenden zweiten Preis in der Sparte „Bildende Kunst“ (einen ersten hat man nicht verliehen) erzielte der Ezelsdorfer Künstler und Kunstpädagoge Giselher Scheicher mit seinem Werk „Opus A“.  Am 22. Oktober werden die Preise in Bad Windsheim an Scheicher und weitere sechs Preisträger durch Schirmherrin Dorothea Friedrich, die Frau des Landesbischofs Dr. Johannes Friedrich, verliehen. Namensgeberin des zum dritten Mal ausgelobten Preises ist Argula von Grumbach, die als theologisch gebildete Anhängerin Martin Luthers mutig für die Anerkennung der reformatorischen Lehre in Bayern kämpfte. Die Ausschreibung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Frauengleichstellungsstelle der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und dient der Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern.
Laut Ausschreibung sollte durch die Themenstellung die Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen im gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext durch künstlerische Ausdrucksmittel gefördert werden. Und das Motto beschäftigte und motivierte die Künstler auf umfassende Weise: „Wir freuen uns sehr über den erfolgreichen Wettbewerb, der mit 44 Einsendungen eine große Resonanz hatte“, urteilte Landesbischof Johannes Friedrich, der vor kurzem das Altdorfer Dekanat und seine Gemeinden besuchte.
Die Vorgaben für die Bewerbung waren sehr frei, berichtet Scheicher in einem Gespräch mit der Redaktion. Nach Angaben von Mitgliedern der Jury waren die Preisträger im Gegensatz zu sonstigen Ausschreibungen sehr schnell gekürt. Viele der Einreichungen waren sehr gegenständlich, was die  Juroren offensichtlich nicht so sehr ansprach. Man wollte neue Aspekte der Kunst und des speziellen Themas kennen lernen, die die Assoziationen der Betrachter freisetzen.  Faszinierender Auftrag
Für Scheicher eine Herausforderung: „Es gibt ja keine weibliche Gottheit im Weltbild der Christen, Maria ist ja nur eine Heilige“, erinnert er sich an seine Überlegungen zum Thema. Dennoch faszinierte ihn dieser Auftrag, denn im Laufe der Geschichte wurden in verschiedenen Kulturen immer wieder weibliche Wesen als Götter kultiviert. Gleichzeitig wurde Gottesmutter Maria seit dem Mittelalter immer mit der Farbe Blau in Verbindung gebracht – für Giselher Scheicher, der sich seit vielen Jahren mit der künstlerischen Verarbeitung dieser Farbe beschäftigt, eine weitere persönliche Herausforderung – siehe nebenstehender Beitrag. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern, die bei ihren Arbeiten allzu sehr am herkömmlichen Madonnenbild klebten, wagte er eine sehr abstrakte, aber dennoch schlüssige Darstellung des weiblichen Gottesbildes im Christentum: Dass das etwas Rundes, Umschließendes, Geborgenheit Stiftendes, Aufnehmendes sein sollte, war ihm von Anfang an klar. Da fügte es sich bestens, dass er ein fast fertiges Kunstwerk in Form eines transparenten und natürlich blauen Hexagons gerade erstellte, das einen Kreis darstellt und beidseitig bearbeitet wurde. Sechs zusammengefasste Objekte, leicht nach innen geneigt, die das Schützende, Geborgenheit Spendende zum Ausdruck bringen, gleichzeitig aber durch die eckige Form der einzelnen Teile nicht beschönigende Harmonie vortäuschen sollten, schienen für ihn das perfekte Objekt zu sein. Dies ging wohl den Juroren ähnlich, erinnert doch die rund angelegte Arbeit mit Öffnung nach innen entfernt an eine Krone. Nachdem das Werk ursprünglich „Argula“ in Anspielung auf die Namensgeberin des Wettbewerbs heißen sollte, einigte man sich – um eine Präjudizierung zu vermeiden – auf den Titel „Opus A“.
Und so war es zwar eine Überraschung, als der Kunstpädagoge mitten im Unterricht von der Kirchenrätin und Gleichstellungsbeauftragten der Evangelischen Landeskirche, Dr. Johanna Beyer, angerufen und über die Entscheidung informiert wurde, ein zu erwartender und logischer Beschluss war es dennoch. 
Passenderweise findet die Preisverleihung in der einzigen Museumskirche Mittelfrankens in Bad Windsheim statt, einem Ort, der sich wie kein zweiter für Arbeiten dieses Themenkreises eignet. Neben Grußworten der Juroren, der Schirmherrin und des Stiftungsbeirats wird auch Giselher Scheicher am 22. Oktober mit einer Danksagung zu Wort kommen. 
N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler