Frau mit Behinderung kämpft für ihre Pflegekräfte

Plötzlich Arbeitgeber

Susanna Schweitzer mit ihrem kleinen Kater Maxi, der auf seine Art ein ganz eigener Pflegeassistent in der Wohnung der Altdorferin ist. | Foto: Blinten2017/09/Schweitzer.jpg
Raiba Fallback

ALTDORF – Susanna Schweitzer ist mehrfach behindert. Bis 2010 lebte die 51-Jährige in einem Wohnheim für behinderte Menschen in Altdorf, dann machte sie sich „selbstständig“, mietete sich eine Wohnung in der Collegiengasse und stellte Pflegeassistenten ein, die sich rund um die Uhr um ihre Arbeitgeberin kümmern.

Arbeitgeberin? Tatsächlich werden die Assistenten nach dem Arbeitgebermodell des Bezirks Mittelfranken finanziert, das heißt für Susanna Schweitzer: Sie muss sämtliche Abrechungen für den Kostenträger machen und dafür sorgen, dass ihre Pflegeassistentinnen korrekt bezahlt werden. Was sie seit Jahren geärgert hat: Die Pflegekräfte sind zwar rund um die Uhr bei ihr in der Wohnung, haben dort ein Gästezimmer und kümmern sich – wenn nötig – auch in der Nacht um sie. Der nächtliche Dienst, die so genannte Nachtbereitschaft, wurde bislang aber nur ganz gering bezahlt.

Ungerechtigkeit

Schweitzer mochte das nie einsehen. Warum, so fragte sie sich, wird die nächtliche Arbeit ihrer Helferinnen nicht genauso honoriert, wie die Arbeit am Tag? Schon vor drei Jahren wollte die Altdorferin die aus ihrer Sicht bestehende Ungerechtigkeit klären lassen und schaltete damals einen Anwalt ein, um ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht zu führen. Der Rechtsanwalt erwies sich aber als so große Enttäuschung, dass Susanna Schweitzer ihm das Mandat entzog und die Angelegenheit vor Gericht selbst vertrat. „Das war eine schwierige Zeit für mich“, erinnert sich die Altdorferin.

Vorbereitungen auf die Gerichtsverhandlungen gingen einher mit Fahrten nach Ansbach zum Bezirk, wo sie nicht unbedingt jede Unterstützung für ihr Anliegen erhielt. Kein Wunder, werden die Pflegeassistenten doch aus der Kasse des Bezirks bezahlt. Es bedurfte am Ende einer großen Portion Fleiß und Hartnäckigkeit, um das Arbeitsgericht davon zu überzeugen, dass den Pflegekräften auch für deren nächtlichen Dienst eine angemessene Bezahlung zusteht. Das Gericht stellte am Ende fest, dass der Bezirk Mittelfranken für die Nachtbereitschaft erheblich mehr zahlen muss. Darüber hinaus verdonnerte es den Bezirk zu Nachzahlungen an Pflegekräfte, die als Assistenten bei Susanna Schweitzer arbeiten.

Keine faulen Kompromisse

„Das durchzusetzen und alles durchzustehen, war schwer“, sagt die 51-Jährige. Beim Bezirk in Ansbach habe man versucht, sie in einem Gespräch über den Tisch zu ziehen, sie habe sich aber auf keine faulen Kompromisse eingelassen und ist im Nachhinein darüber heilfroh. „Es ist nur schade, dass man so lange, dass man drei Jahre braucht, um Recht zu bekommen“, sagt Schweitzer bedauernd. Ihre Mitarbeiter jedenfalls haben ihre „Chefin“ jetzt mehr denn je ins Herz geschlossen. Neun Pflegeassistentinnen arbeiten für Susanna Schweitzer. „Und alle sind gerne bei mir, viele schon seit Jahren.“

Maxi ist auch krank

Nachdem ihre Mutter vor einigen Monaten verstarb, hat sie mit dem kleinen Maxi einen ganz besonderen Pflegeassistenten. Den anderthalbjährigen Kater hat die Altdorferin aus dem Haushalt ihrer Mutter übernommen und liebt ihn seit dessen Einzug in die Collegiengasse heiß und innig. Das Verhältnis der beiden ist inzwischen so eng, dass Maxis Lieblingsplatz sich auf Susanna Schweitzers Rollstuhl befindet.

Tagelang versteckt

Als der kleine Kater in die Wohnung im ersten Stock einzog, hat er sich erstmal tagelang versteckt. Verstörend war das für ihn, eine Frau, die im Rollstuhl in der Wohnung unterwegs war. Mit Geduld und der ihr ganz eigenen Hartnäckigkeit, derselben, mit der sie ihr Gerichtsverfahren durchsetzte, gelang es Susanna Schweitzer, das Vertrauen des Katers zu gewinnen. Dabei hat der kleine Vierbeiner etwas gemeinsam mit seiner schwerbehinderten Halterin: Er ist herzkrank und kann nicht sorglos herumtoben wie andere Katzen in seinem Alter. Wenn Maxi eine Viertelstunde durch die Wohnung getollt ist, legt er sich erschöpft in eine Ecke.

Operieren kann man so ein Katzenherz, das überschreitet aber Susanna Schweitzers finanzielle Möglichkeiten. 15.000 Euro soll die Operation kosten, hat man ihr in einer Tierklinik gesagt. Viel zu viel für die Altdorferin. Maxi soll sich jetzt schonen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten