Hörspielworkshop im Altdorfer Wichernhaus

Ohren auf!

Im Tonstudio: Sebastian (li.) spricht Magier Hexagon, Isabell (re.) die weibliche Hauptrolle, Hexe Ornefia. Aufnahmeleiter Jorgo und Technikerin Annika pegeln ein und nehmen auf. | Foto: J. Hornung2017/08/Altdorf-Wichernhaus-Mischen3.jpg
Raiba Fallback

Drei Tage Workshop im Altdorfer Wichernhaus. Bei den Kinder- und Jugendkulturtagen „mischen!“ produzierten junge Kulturschaffende ein eigenes Hörspiel um die kleine Hexe Ornefia und ihren Magier-Freund Hexagon.

ALTDORF – Isabell holt tief Luft und beginnt zu sprechen. Kaum hat sie ihren ersten Satz beendet, da unterbricht Rachel sie: „Okay, stopp. Isabell, du musst noch näher ran ans Mikro. Und viel langsamer sprechen.Rachel Roudyani und ihr Kollege Lorenz Schuster, Audioreferenten der Medienfachberatung für den Bezirk Mittelfranken, sind heute am Wichernhaus, um mit einer Gruppe Jugendlicher ein Hörspiel zu produzieren. Workshop-Teilnehmerin Isabell spricht die weibliche Hauptrolle. Sie nickt und trippelt nach vorne bis ihre Lippen fast den roten Popschutz berühren. „Bereit?“, fragt Aufnahmeleiter Jorgo. Isabell nickt. Neben Jorgo sitzt Annika. Beide tragen Kopfhörer. „Technik?“, fragt Jorgo. Annika nickt: „Aufnahme läuft.“ Jorgo: „Und bitte!“

Vorgehen hat sich bewährt

Die drei sind ein eingespieltes Team – und das bereits am zweiten Tag. Drei Tage dauert der Hörspiel-Workshop am Wichernhaus. Er findet als einer von 30 Workshops im Bezirk Mittelfranken statt, der auch heuer wieder in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring die Kinder- und Jugendkulturtage „mischen!“ ausrichtet. „Mischen!“–Kernstück sind die Workshops, die von April bis September an Schulen oder Jugendeinrichtungen im gesamten Bezirk stattfinden. Aus dem Nürnberger Land beteiligen sich das Wichernhaus der Rummelsberger Diakonie und der Jugendtreff der Stadt Altdorf als Kooperationspartner. Das Vorgehen des letzten Jahres hat sich bewährt und so durften die Einrichtungen auch heuer ihre Referenten – regionale Künstler oder Medienmacher – wieder selbst aussuchen. Wie bereits 2016 fiel die Wahl in Altdorf auf Referenten des Medienzentrums Parabol.

Diesmal klappt alles

Parabol-Mitarbeiterin Rachel hat Isabells Stimme eingepegelt. Die Sprecherin bereitet sich für die finale Aufnahme vor, grinst, brabbelt und schüttelt sich. Rachel verrät ihr noch einen Trick: Das Textblatt nicht zu tief halten, sonst knickt der Hals ab und das Sprechen wird schwer. Diesmal klappt alles. „Was ist denn mit dir passiert Hexagon? Du schaust ja aus, als hätte dir dein Vater Kröten ins Bett gezaubert? Ich hab‘ mir schon ein Kleid für heute Abend raus gelegt. 15 oder 16: Was soll das denn für einen Unterschied machen?“ Die Betonung und sogar der kleine Lacher sitzen.

Am zweiten Workshop-Tag bekamen die Gäste bereits einiges zu hören: Neben einer witzigen Geschichte, den Dank des Wichernhauses und des Jugendzentrums, die gerne wieder als Kooperationspartner auftraten. | Foto: J. Hornung2017/08/Altdorf-Wichernhaus-Mischen.jpg

Das Hörspiel erzählt die Geschichte der Hexe Ornefia, die mit ihrem Freund, Magier Hexagon, auf eine Party möchte, für die sie eigentlich zu jung ist. Ein Zaubertrick, mit dem die kleine Hexe sich älter machen will, schlägt fehl, sodass am Ende nicht nur sie selbst, sondern die ganze Welt 16 Jahre alt ist. Wie wird dieses Chaos wohl ausgehen?

Einblick in den Produktionsablauf

Das verrieten die Workshop-Teilnehmer noch nicht, waren aber gerne bereit, der Besuchergruppe, die sich am zweiten Tag ein Bild ihres Schaffens machen wollte, Einblick in den Produktionsablauf zu gewähren. Stephanie Mühlhausen und Ina Eder vom Wichernhaus begrüßten die Gäste Landrat Armin Kroder, Bezirksjugendring-Koordinator Bertram Höfer, Susanne Hofmann und Angelika Feisthammel vom Kreisjugendring und Alex Sperring, stellvertretender Wichernhaus-Leiter. Die staunten nicht schlecht, was hier innerhalb kurzer Zeit entstand: Neben dem Erfinden und Aufschreiben der Geschichte vergaben die Jugendlichen Rollen und Jobs, nahmen Sprecher und Geräusche auf und lernten quasi nebenbei allerlei über die Hörspielproduktion. Zum Beispiel, dass Stimmen und Geräusche auf verschiedenen Tonspuren laufen, die übereinander gelegt werden können wie die Schichten einer Lasagne. Mindestens eine der Szenen wollen Rachel und Lorenz am dritten Tag gemeinsam mit den Jugendlichen schneiden.

Präsentation im Künstlerhaus in Nürnberg

Das fertige Hörspiel bekommen alle auf CD. Außerdem wird es am 12. und 13. Oktober im Rahmen von „abmischen“, der Abschlussveranstaltung der Kinder- und Jugendkulturtage, im Künstlerhaus in Nürnberg der Öffentlichkeit präsentiert. „Und wir werden es beim Höspielfestival ‚Hört, hört‘ einreichen“, sagt Susanne Hofmann.

Seit 2006 gibt es „mischen!“ – mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen in Mittelfranken die Teilhabe an kultureller Bildung zu ermöglichen. Dabei sollen Bildungsmöglichkeiten im ländlichen wie städtischen Raum geschaffen und über inklusive Ansätze auch junge Menschen mit Fluchtgeschichte oder Beeinträchtigungen angesprochen werden.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung