Nun äußert sich auch die Polizei

Neue Wendung im Streit um Verkehrsübungsplatz

Die Diskussionen um den neuen Altdorfer Verkehrsübungsplatz reißen nicht ab. | Foto: Fotolia2018/11/NL-Verkehrsuebungsplatz-Fotolia-1.jpg

NÜRNBERGER LAND – Soll der theoretische Verkehrsunterricht künftig am Verkehrsübungsplatz stattfinden oder – wie seit jeher – in den Klassenzimmern der Grundschulen? Und wenn er in den Schulen verbleiben soll – wozu braucht es dann einen (digitalen) Schulungsraum am neuen Übungsplatz? Um diese Kernfragen ist eine hitzige Diskussion entbrannt. Und nun kommt die Polizei.

In der vergangenen Woche hat sich auf der Facebook-Seite des Boten sowie auf weiteren Kanälen eine rege Diskussion über den neuen Verkehrsübungsplatz südlich der Altdorfer Skateanlage entsponnen: vorwiegend zwischen Altdorfer Stadt- und Feuchter Gemeinderäten und solchen, die es noch werden wollen (wir berichteten).

Die Polizei wollte zu dem Thema zunächst keine Stellung beziehen. Jetzt aber stellt Inspektionsleiter Reimund Mihatsch klar: „Ich weiß nicht, wer das in den Raum geworfen hat. Von der Polizei kam es jedenfalls nicht.“ Gemeint ist der Begriff „digitaler Schulungsraum“, der in der Oktober-Sitzung des Feuchter Marktgemeinderates gefallen war und die Debatte um eine „Luxuslösung“ in Gang gesetzt hatte.

Ob man den Raum als Schulungs-, Mehrzweck- oder Aufenthaltsraum bezeichne, sei Mihatsch ganz gleich. Er solle den Kindern lediglich als Schutz vor Kälte, Regen oder großer Hitze dienen. „Und wenn im Einzelfall ein Schüler nicht am praktischen Unterricht teilnehmen kann, dann kann er darin auch mal die Theorie vertiefen“, meint Mihatsch. Keine Rede also von einem Klassenzimmer mit PC, Beamer und anderem technischen Gerät.

Doch wer soll den Feuchtern dann den Floh ins Ohr gesetzt haben? Schließlich hatte Bürgermeister Konrad Rupprecht (CSU) während der Sitzung mehrfach aus einem Schreiben der Altdorfer Polizei zitiert.

Polizei verteidigt Medieneinsatz

Darin beantwortet die Polizei drei Fragen, die Gemeinderat Hannes Schönfelder (SPD) in der Oktober-Sitzung des Hauptausschusses aufgeworfen hatte. Unter anderem zweifelte er die Notwendigkeit eines Schulungsraumes an. In besagtem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, spricht die Polizei vom Einsatz „moderner Medien“, mit deren Hilfe die Schulung verbessert werden solle.

Außerdem lag dem Hauptausschuss ein erster Plan der Architekten vor. Darin ist ein knapp 50 Quadratmeter großer Schulungsraum mit 32 Sitzplätzen eingezeichnet. Die technische Ausstattung ist darin freilich nicht ersichtlich. Wie ein beheizter Platz zum Unterstellen mutet der Raum jedoch nicht an.

Altdorf hat Pläne übernommen

„Die Position der Polizei ist unverändert“, sagt Mihatsch. „Die Polizei ist ganz klar zurückgerudert“, meinen Mitglieder des Marktgemeinderates hinter vorgehaltener Hand. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Es mag durchaus sein, dass der Wunsch nach moderner Technik nicht zuerst von der Altdorfer Polizei geäußert wurde. In besagtem Antwortschreiben hat sie die Notwendigkeit aber zumindest einmal verteidigt. Dass sich ein (digitaler) Schulungsraum überhaupt im Plan wiederfindet, hat einen einfachen Grund. Für die Planung des neuen Altdorfer Verkehrsübungsplatzes hat sich das zuständige Ingenieurbüro eine Anlage im oberfränkischen Scheßlitz zum Vorbild genommen.

Dort gibt es ein digitales Klassenzimmer, unter anderem mit Großbildmonitor und Dokumentenkamera. Warum die technische Ausstattung dort ihre Berechtigung hat, ist schnell erklärt. Zum einen kommen die Klassen – anders als in Altdorf – immer paarweise auf den Verkehrsübungsplatz. So übt eine Klasse praktisch auf dem Platz, während die andere sich die theoretischen Grundlagen aneignet.

Zum anderen liegt der Scheßlitzer Platz weit weniger abgelegen. Er ist von gleich vier Schulen fußläufig erreichbar und kann damit auch abseits der Verkehrserziehung genutzt werden. Ein großer Kritikpunkt des Feuchter Gemeinderats war und ist ja, dass ein möglicher Schulungsraum nur 75 Doppelstunden pro Jahr genutzt werde und den Rest des Jahres leer stünde.

Treffen soll Fragen klären

Für Gesprächsstoff ist also gesorgt, wenn sich die Bürgermeister der sechs betroffenen Kommunen am Freitag mit Polizei und Architekt treffen. Rupprecht bringt von seinem Gemeinderat den klaren Auftrag mit, eine „deutlich abgespeckte Version zu erwirken“. Am Dienstagabend werden sich die Gemeinderäte in Burgthann und Schwarzenbruck positionieren. Winkelhaid hatte die Altdorfer Pläne bereits abgenickt, in Leinburg beschäftigen sich die Bürgervertreter erst Ende des Monats mit dem Verkehrsübungsplatz.

N-Land Christian Geist
Christian Geist