Eismannsberger Landwirt will Fernwärme-Netz installieren

Mist macht warm

Vielfraß heißt die große Presse, über die Landwirt Andreas Schmidt seine Biogas-Anlage bei Eismannsberg mit Dung und nachwachsenden Rohstoffen füttert. | Foto: Blinten2018/12/Eismannsberg-Biogas.jpg

EISMANNSBERG – Andreas Schmidt produziert seit sieben Jahren Strom mit einer Biogas-Anlage in der Nähe von Eismannsberg. Bei der Stromproduktion wird Wärme erzeugt. „75 Prozent davon muss ich bislang ungenutzt in die Luft pusten“, sagt der Landwirt aus Oberndorf bei Offenhausen im Gespräch mit dem Boten. Das soll jetzt ein Ende haben. Schmidt ist im Ort von Haus zu Haus gegangen und hat für eine Fernwärmeversorgung geworben. Das Interesse an seinen Plänen ist größer als erwartet.

Seit 2011 füttert Schmidt seine Biogasanlage bei Eismannsberg mit Dung und Stallabfällen aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb, außerdem mit Mais und Grassilage. Den mit Biogas erzeugten Strom speist der Landwirt ins Netz der Main-Donau Netzgesellschaft mbH. Den Standort Eismannsberg hat der Oberndorfer Landwirt 2011 für seine Anlage gewählt, weil er hier in der Nähe der A 3 eigene und angepachtete Flächen bewirtschaftet.

Günstige Konditionen

Bei der Stromproduktion fällt Wärme an, von der Schmidt 25 Prozent für den Betrieb der eigenen Anlage wieder verwendet, die restlichen 75 Prozent gingen bislang ungenutzt verloren. Das soll sich nun mit dem Bau eines Fernwärmenetzes für Eismannsberg ändern.

Um sein Projekt bekannt zu machen, hat Schmidt an Eismannsberger Haustüren geklingelt und einfach nachgefragt, wer denn überhaupt Interesse hätte. Zwischenzeitlich haben 30 Haushalte angekündigt, sich bei einer Realisierung des Vorhabens an das Netz anschließen zu lassen.

Hier dürfte der unschlagbare Preis der Fernwärme eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die ist nämlich viel günstiger als das Heizen mit Öl, Hackschnitzel oder Erdgas. Wer sich anschließt, bekommt einen Pufferspeicher ins Haus gestellt und wird dann mit Wärme aus der Biogasanlage beliefert.

Bevor die entsprechenden Leitungen aber gebaut werden können, muss der Antrag für das Fernwärmenetz noch von den Altdorfer Gremien abgesegnet werden. Gestern war das Thema auf der Tagesordnung des Bauausschusses. Ein Ergebnis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Weitere Netze

Gut funktionierende Fernwärmenetze gibt es bereits in den Offenhausener Ortsteilen Breitenbrunn und Püscheldorf. In Breitenbrunn sind 37 Anwesen angeschlossen. Hier hat eine Bürgerinitiative den Bau einer Hackschnitzelanlage angestoßen, die mit dem Holz aus umliegenden Privatwäldern befeuert wird. Heizanlage und Wärmenetz sind im Eigentum von Breitenbrunner Bürgern.

In Püscheldorf ist mit Starthilfe der Bürgerenergiewerke Offenhausen ein weiteres Fernwärmenetz entstanden, das bislang 14 Anwesen versorgt. Als Wärmequelle dient hier eine Biogas-Anlage.

Wird es sehr kalt, liefert eine Hackschnitzelheizung die Spitzenlast. Die Heizung wird befeuert mit Holz aus heimischem Wald. Solche Spitzenlasten bei großer Kälte will Andreas Schmidt in seiner Anlage bei Eismannsberg ebenfalls mit einer Hackschnitzelanlage abfangen.

Nahwärme aus nachwachsenden Energieträgern schont Umwelt und Ressourcen, werben Offenhausens Bürgerenergiewerke auf ihrer Website, sie fördere regionale Wirtschaftskreisläufe, bedeute ein Stück Energieautarkie und rechne sich für den Verbraucher.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten