Nominierung für Deutschen Buchhandlungspreis

Lilliput und der Online-Riese

Brigitte Schüsselbauer hält den Onlineshop ihres Buchladens für unabdingbar. Wenngleich dort fast nur Kunden kaufen, die sie aus dem Laden kennt. | Foto: Geist2017/08/Altdorf-Buchhandlung-Lilliput-Schuesselbauer.jpg
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ALTDORF – Die Buch-Branche hat nicht mehr unter Amazon zu leiden, wie andere Einzelhändler auch. Dieser Meinung ist Brigitte Schüsselbauer, die mit Thomas Lorenz die Buchhandlung Lilliput betreibt. Das Staatsministerium für Kultur und Medien hat den Laden der beiden Altdorfer nun für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert.

„Die Zeiten sind nicht einfach. Wir können alles besorgen, aber das können die Kunden heute auch selbst über das Internet“, meint Schüsselbauer. Deshalb versucht ihr fünfköpfiges Buchhändler-Team, seinen Kunden all das zu bieten, was die Konkurrenz aus dem Internet nicht kann. Persönliche, individuelle Beratung zum Beispiel. Oder einfach nur ein Gespräch – nicht von Kunde zu Verkäufer, sondern von Buchliebhaber zu Buchliebhaber. Freilich ist ihr auch ein großes Angebot wichtig. Die Regale in dem historischen Gebäude an der Oberen Wehd ragen bis zur Decke, dazwischen stapeln sich Bücher auf Tischen und Podesten. Auf 150 Quadratmetern bleibt keine Ecke ungenutzt. „Es ist wichtig, dass die Leute bei uns suchen, stöbern, finden und entdecken können“, sagt Schüsselbauer, „aber ein sehr gutes Angebot allein bringt mir nichts. Ich muss die Leute ja erstmal in den Laden bekommen“. Deshalb beteiligt sich Lilliput am Obere-Wehrd-Straßenfest, veranstaltet Kabarettabende und Lesungen und betreibt Leseförderung an Grundschulen und Kindergärten.

Dieses Engagement hat dem Laden nun die Nominierung für den Deutschen Buchhandlungspreis eingebracht. Als eine von elf bayerischen Buchhandlungen zählt Lilliput nun mindestens zu Deutschlands 100 besten Buchhandlungen des Jahres und erhält eine Prämie von 7 000 Euro. Schafft es der Laden unter die Top 3, winkt Schüsselbauer und Lorenz gar ein Preisgeld von 25 000 Euro.

Wir hatten überhaupt nicht mit der Nominierung gerechnet. Dass wir unter die ersten Drei kommen, damit rechne ich nicht. Dafür haben wir 2016 vergleichsweise wenig kulturelle Veranstaltungen durchgeführt“, meint Schüsselbauer, die sich in diesem Jahr erstmals für den Preis beworben hat. Die Ausschreibung richtet sich dabei gezielt an inhabergeführte Buchhandlungen, die jährlich weniger als eine Million Euro umsetzen. Wie weit Lilliput davon entfernt ist? „Schon noch weit“, sagt Schüsselbauer, ohne dies zu konkretisieren.

E-Book-Markt stagniert

Etwa zehn Prozent ihres Umsatzes generieren Schüsselbauer und Lorenz inzwischen über ihren eigenen Onlinehandel, den sie in den vergangenen zehn Jahren aufgezogen haben. Tendenz steigend. Die Präsenz im Web hält die 60-jährige Unternehmerin für unabdingbar, wenngleich das Angebot wietgehend von Kunden genutzt wird, die sie aus dem Laden kennt. Sie bestellen online und holen ihr Buch im Laden ab.

Lieferungen nach Hause seien noch die Ausnahme. Insofern sieht Schüsselbauer im Onlineshop mehr einen Rund-um-die-Uhr-Service für Stammkunden denn ein Instrument zum Erschließen neuer Käuferschichten. Im Laden wie im Onlineshop interessieren sich Lilliputs Kunden in erster Linie für Bücher. In Buchform. Etwa eines von 100 Exemplaren geht als E-Book über die Ladentheke beziehungsweise den Display. „Zu uns kommen die Leute eher, wenn an ihrem Gerät etwas nicht funktioniert“, sagt Schüsselbauer, die auch dann gerne weiterhelfe.

Laut einer Umfrage von Bitkom, dem Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, stagniert der E-Book-Markt in den vergangenen Jahren. Demnach hat 2016 ein Viertel aller Buchfreunde „zumindest hin und wieder“ ein Buch in digitaler Form gelesen – genau so viele wie schon 2015 und 2014. „Ich hoffe, dass die Entwicklung weiter stagniert“, meint Schüsselbauer. Freilich greift auch sie auf E-Books zurück. Etwa wenn sie während einer Zugfahrt eine Vielzahl von Neuerscheinungen anlesen, aber nicht schleppen möchte. „Aber zu Hause nehme ich lieber ein echtes Buch in die Hand“, sagt die 60-Jährige und reibt Daumen, Zeige- und Ringfinger, als wolle sie ein Gewürz zerkleinern, „ich bin eben das Haptische gewohnt“. Dass für E-Books ein Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt, für Bücher aber der reduzierte Satz von sieben Prozent, kann sie allerdings nicht nachvollziehen. „Ob ich nun so oder so lese, es handelt sich doch um Literatur und damit um ein Kulturgut.“

Beratung über das Internet?

Schüsselbauer ist gespannt, wie sich der Buchhandel entwicklen wird. Eine Beratung ihrer Kunden mittels Internetforum oder Chat? Möchte sie nicht ausschließen. „Ich werde das aber sicher nicht mehr machen, dafür bin ich zu alt“, meint Schüsselbauer, die auch den Facebook-Auftritt einer jüngeren Kollegin anvertraut hat und künftig ein wenig kürzertreten möchte. Der Ruhestand aber muss noch warten. „Es macht mir ja immer noch wahsinnig viel Spaß.“

Der Deutsche Buchhandlungspreis wird am 31. August in Hannover verliehen. Unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen konnten sich für diese Auszeichnung bewerben. Mit der Auszeichnung würdigt Kulturstaatsministerin Monika Grütters Buchhändler, die sich um das Kulturgut Buch verdient gemacht haben, etwa mit einem breitgefächerten literarischen Sortiment kleinerer und unabhängiger Verlage, durch ein innovatives Geschäftsmodell, ein kontinuierliches kulturelles Veranstaltungsprogramm oder bei der Lese- und Literaturförderung für Kinder und Jugendliche.

N-Land Christian Geist
Christian Geist