Sanierungsarbeiten haben begonnen

Legionellen: Altdorfer Hallenbad öffnet erst im November

Deprimierend für die Schwimmer in und um Altdorf: Im neuen Hallenbad sind die Becken leer. Erst in der Woche nach den Herbstferien öffnet das Bad wieder. | Foto: Blinten2017/09/Hallenbad-ohne-Wasser.jpg
Raiba Fallback

ALTDORF – Eigentlich hätte der Schwimmunterricht im Altdorfer Hallenbad in der kommenden Woche wieder starten sollen. Allerdings war der Zeitplan zur Sanierung des mit Legionellen verseuchten Leitungssystems so ambitioniert, dass er einfach nicht eingehalten werden konnte. Jetzt haben Landratsamt und Stadt Altdorf die Wiedereröffnung des Bads auf die Woche nach den Herbstferien verschoben. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass es dann klappen wird. Für die Schulen hat das organisatorische Folgen, für Landkreis und Stadt finanzielle. Wer für die Kosten der Sanierungsarbeiten aufkommt, ist noch offen.

Wie berichtet fanden sich im Leitungssystem des Hallenbads hohe Konzentrationen von Legionellen, die lebensbedrohende Erkrankungen hervorrufen können. In Absprache mit dem Gesundheitsamt haben Stadt und Landratsamt das Bad deshalb bereits im Mai geschlossen. Es folgten umfangreiche Untersuchungen, deren Ergebnisse dann in einer großen Runde im Landratsamt am 20. Juli besprochen wurden. Teilnehmer der Runde waren neben anderen der planende Architekt, Mitarbeiter des Gesundheitsamts, Vertreter der Firmen, die beim Bau des Hallenbads tätig waren, und Vertreter des Landratsamts.

Anschließend erstellte das Architekturbüro einen Maßnahmenkatalog für die weitere Vorgehensweise. Das Landratsamt beauftragte die Firma Mandl mit den Arbeiten, weil dieses Unternehmen bereits zuvor im Hallenbad tätig war.

Warum so lange?

Horst Oertl vom Landratsamt Nürnberger Land erläuterte in der Sitzung des Zweckverbands Hallenbad im Altdorfer Rathaus die Vorgehensweise und erklärte, warum es so lange dauert bis das Bad wieder geöffnet und gewährleistet werden kann, dass die Legionellengefahr gebannt ist: Es dauerte bis zum 25. August, bis ein Angebot der mit den Sanierungsarbeiten beauftragten Firma in Höhe von 50 000 Euro vorlag, der Auftrag wurde dann am 12. September erteilt, begonnen hat die Firma mit ihren Arbeiten schließlich in dieser Woche. Jetzt müssen eine ganze Reihe von Um- und Einbauten durchgeführt werden, unter anderem müssen automatisch spülende Armaturen eingebaut werden und weitere Spüleinrichtungen in den Zuleitungen zur Schwimmbadtechnik.

Bei der Spurensuche zur Ursache der Legionellen-Verseuchung stellte sich heraus, dass im neuen Hallenbad eine anodische Oxidationsanlage zur Stabilisierung der Wasserqualität eingebaut wurde, die gar nicht statthaft ist, erläuterte Oertl in der Sitzung des Zweckverbands. Die Anlage ist inzwischen vom Netz genommen.

„Wo kommen die Fehler her?“

Wie kann es sein, dass ein nagelneues Bad solche Mängel hat, dass sich bereits nach einigen Monaten nach Inbetriebnahme Legionellen im Leitungsnetz breitmachen? Die Verantwortlichen im Zweckverband stellen angesichts des Desasters bohrende Fragen an die Planer. „Wo kommen die Fehler her?“ will Bürgermeister Erich Odörfer wissen, der regelmäßig in der Stadt darauf angesprochen wird, warum das schöne neue Hallenbad nicht mehr genutzt werden kann. Am Panoramafenster drücken sich immer wieder Neugierige die Nasen platt und schütteln den Kopf angesichts leerer Becken.

Leere Fahrradständer vor dem Bad: Seit Mai ist hier schon geschlossen. | Foto: Blinten2017/09/Hallenbad-aussen.jpg

Das Landratsamt hat in der Angelegenheit einen Rechtsanwalt eingeschaltet, weil das Planungsbüro PBR aus Osnabrück, ein Spezialist für den Bäderbau, alle Schuld von sich weist und beteuert, korrekt gearbeitet zu haben. „Wir müssen mögliche Fehlleistungen beweisen“, betonte Landrat Armin Kroder. Die Beweissicherung spiele bei den Sanierungsarbeiten eine wichtige Rolle. Am Ende geht es um eine sechsstellige Summe, die die Arbeiten kosten, etwa 150 000 Euro. „Die muss jemand zahlen“, so Kroder. Wer zahlt, wird ein Gericht feststellen müssen. Und für das Gericht muss alles sauber dokumentiert werden, betonte Bürgermeister Odörfer, der damit Erfahrung hat, Beispiel Marktplatzumbau.

Für die kommenden Wochen ist eine ganze Serie von Reinigungsmaßnahmen vorgesehen. Über einen Zeitraum von insgesamt sieben Wochen will man dann ein absolut sauberes und sicheres Bad haben. Oertl betonte, dass man dann in Sachen Sicherheit top sei. Die Besitzer von Jahreskarten haben sich bereits beschwert, dass sie das Bad nun nicht nutzen können. „Gibt es für die eine bürgerfreundliche Lösung?“ wollte Ernst Bergmann wissen. Die gibt es, versprach Kämmerer Werner Reichelt. Die Karten sind nun noch zwei Monate länger gültig, so dass die Schwimmer einen Ersatz für den Ausfall im September und Oktober haben. Alles in allem hat das Bad in seiner kurzen Geschichte bereits ein ganz miserables Image. Da wollen die Betreiber jetzt dagegen halten. Landrat Kroder schlug eine Charme-Offensive vor, „um das Hallenbad wieder in ein gutes Licht zu rücken“. Wie die konkret aussehen soll? Etwa mit einem Tag der offenen Tür, an dem Schwimmer freien Eintritt haben und sich darüberhinaus im Bad umsehen dürfen und einen Einblick in die Technik bekommen. Bürgermeister Odörfer sieht darin auch die Möglichkeit einer zusätzlichen Werbung für das Bad.

Infos für Schulen und Vereine

Über den Wiedereröffnungstermin im November sollen die Vereine, die ins Bad gehen ebenso wie die Schulen rechtzeitig informiert werden. Zum Schwimmunterricht genutzt wird das Hallenbad von vier Altdorfer Schulen: der Förderschule, der Grundschule und der Mittelschule sowie vom Leibniz-Gymnasium, außerdem von der Feuchter Realschule. „Wir haben hier ein sehr schönes Bad und freuen uns, das demnächst wieder nutzen zu können“, sagt Astrid Boekamp, Schulleiterin der Altdorfer Mittelschule. „Unsere Kinder bedauern die Schließung sehr.“ Alternativ gehen die Mittelschüler jetzt bei trockenem Wetter auf den Sportplatz, bei Regenwetter können sie einen Gymnastikraum in der Dreifachturnhalle nutzen. Die Gymnasiasten des Leibniz wollten demnächst ins Langwasserbad zum Schwimmen fahren, der Landkreis hätte die Buskosten übernommen. Wie jetzt bekannt wurde, gibt es allerdings auch in Nürnberg Probleme. Das Lehrschwimmbecken hat ein Leck und bleibt bis auf weiteres geschlossen.

Für die Altdorfer Grundschulkinder, deren Schwimmunterricht ausfällt, ist Platz in der Turnhalle, ins Hallenbad in Berg können sie nicht ausweichen, weil hier ebenfalls saniert wird.

Die Realschüler aus Feucht werden in die Sporthalle oder auf den Sportplatz gehen, sagt Schulleiter Christian Schütz. Aus seiner Schule nehmen alle 5. Klassen am Schwimmunterricht teil, jeweils drei Stunden am Donnerstag.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten