Bestsellerautorin Nadine Schubert in Altdorf

Leben ohne Plastik

Plastik und Papier aus dem Einkaufsalltag verbannen: Diesen Brot- oder Gemüsebeutel als Alternative zu Papier- oder Plastiktüten hat Nadine Schuberts Münchner Co-Autorin entworfen. | Foto: privat2018/01/Altdorf-Vortrag-Schubert-nadine_Foto_Lea-Schreiber_1.jpg

ALTDORF – Plastik wird zu einem immer größeren Problem: Die Herstellung kostet Energie und Rohstoffe, der Müll verschmutzt Meere und Umwelt, enthaltene Schadstoffe belasten den Körper. Im Alltag auf Plastik zu verzichten, scheint jedoch schwer. Die fränkische Bloggerin und Bestsellerautorin Nadine Schubert weiß, wie es geht. In Altdorf stellt sie ihr neues Buch „Noch besser leben ohne Plastik“ vor.

Seit fünf Jahren verzichtet Nadine Schubert weitgehend auf Plastik. Als sie 2013 mit ihrer Tochter Olivia schwanger ist, sieht sie im Fernsehen eine Reportage über Umweltverschmutzung und Schadstoffe in Plastik. „Das hat mich wachgerüttelt und ich habe beschlossen: Ich will meine Kinder nicht mehr mit Plastik füttern“, sagt sie.

Der Weichmacher Bisphenol A, auch BPA genannt, etwa wird in der Innenbeschichtung von Konservendosen oder in Plastikflaschen verwendet. Über chemische Prozesse kann er in die Nahrung gelangen. Fast alle Lebensmittel werden heute in Folie verpackt. Fleisch, Wurst und Käse ist portionsweise eingeschweißt, Biogemüse steckt in Tüten. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Produktion von Plastik verzwanzigfacht und wird sich in den nächsten 20 Jahren noch verdoppeln, berichtet die Naturschutzorganisation WWF 2017. 2015 wurden 322 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Ein Viertel der Plastikproduktion entfalle auf Verpackungen.

Selbst machen macht Spaß

Mit den Verpackungen hat Schubert 2013 begonnen: Obst und Gemüse kauft sie fortan lose, für Wurst und Käse nimmt sie eigene Dosen mit in den Laden. Joghurt und Milch, Ketchup und Saft: Anstatt zum Tetrapak greift sie zur Glasflasche.Alles kein Problem“, sagt sie. Dann habe sie angefangen, Cornflakes, Gummibärchen und Co. stehen zu lassen und auch dafür Lösungen gefunden. An Stelle von Cornflakes gibt es hausgemachtes Müsli, statt gekaufter Süßigkeiten selbstgebackene Kekse. „Selbstgemachte Sachen sparen Geld und es fühlt sich auch besser an“, sagt die junge Mutter und Bloggerin.

Auf ihrem Blog lässt sie andere an ihrem plastikfreien Lebensstil teilhaben. Ihr erstes Buch, das im Februar 2016 erschienen ist, bleibt 19 Wochen lang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Zwei Vorträge pro Woche hält die Autorin mittlerweile. Ein Zeichen, dass sie mit ihrem Thema einen Nerv der Zeit getroffen hat. Ihren allerersten Auftritt hatte sie 2015 in einer Veranstaltung von bluepingu in Nürnberg. Ihrem Publikum möchte sie vermitteln, dass ein Leben ohne Plastik kein Hexenwerk ist: „Ich bin eine ganz normale Mama, mit zwei ganz normalen Kindern und deren ganz normalem Papa. Damit will ich sagen: Wir leben nicht auf einem Aussiedlerhof, sind keine Selbstversorger oder Aussteiger.“ Ihre Vorträge, sie nennt sie Show, sollen unterhalten und zeigen, dass Verzicht auch Spaß macht.

Google und Oma

Die Ratgeber der Ratgeberin? Google und Oma. Neben dem Internet wissen die Großeltern oft viele praktische Tipps. „Die meisten meiner Tricks habe ich selbst irgendwo gelesen und ganz viel hat mir meine 90-jährige Tante verraten.

Zu ihren Vorträgen bringt Schubert zwei Seifen mit, eine Kern- und eine Olivenölseife, die im Haushalt eine Menge ersetzen können: Putzmittel, Duschgel, Schuhputzzeug… In Reinigungsprodukten sei häufig Mikroplastik versteckt in Form von Kügelchen oder Flüssigkeit. „Und das landet dann in unserem Wasser.“

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Dringlichkeit des Problems erkannt und die Initiative „Plastik in der Umwelt“ gestartet. „Mehr als 100 Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis sind an dem Forschungsschwerpunkt beteiligt und sollen die Eintragswege von Plastik in die Umwelt erforschen sowie Lösungsansätze zur Reduktion des Eintrags identifizieren“, heißt es auf der Webseite der Initiative.

Ganz ohne geht nicht

Plastik ist nahezu überall auf der Welt und in zahlreichen Lebensbereichen zu finden. So ganz ohne geht es auch im Hause Schubert nicht. „Wir haben eine Klobürste aus Kunststoff. Bewusst, denn die aus Holz war nichts. Die mussten wir alle drei Wochen wechseln. Eine Plastikbürste hält ewig.“

Schubert hat auch nichts dagegen, wenn ihre Kinder mit Lego oder Playmobil spielen. „Mir geht es nicht darum, Plastik per se zu verteufeln. Wir haben auch ein Telefon aus Plastik. In unserem Auto ist Plastik verbaut. Wir leben ja nicht hinter dem Mond“, sagt sie. Ihr Kampf gilt dem, was sie „Wegwerfplastik“ nennt und den kleinen Mikropartikeln, mit denen Verbraucher oft unbewusst die Umwelt belasten.

Die größte Müllsünde? Coffee-to-go-Becher. Kaum etwas, für das so viele Ressourcen verbraucht werden, habe eine kürzere Nutzungsdauer.

Schuberts Vortrag „Besser leben ohne Plastik“ findet am Mittwoch, 24. Januar, um 18.30 Uhr, im Raiffeisenbanksaal, Unterer Markt 10, Altdorf statt.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung