Ausstellung in den alten Bierkellern an der Löwengrube

„La Cueva“: Faszinierende Steinskulpturen

Die Steinbildhauerin neben der größten Skulptur „Mirador Azul“. | Foto: Hornung2016/08/Altdorf-Endres-Skulpturen.jpg

ALTDORF – Unter dem Titel „La Cueva“ (spanisch: Höhle) präsentiert die Steinbildhauerin Claudia Endres noch bis Anfang Oktober ihre neuesten Arbeiten in den Kellergewölben des ehemaligen Schankhauses an der Löwengrube bei Altdorf. So einzigartig wie der wunderschöne Stein Azul Macauba ist Endres Kernbohrtechnik – seit Jahren Markenzeichen der Künstlerin – mit der sie sich immer wieder neu erfindet und Arbeiten von großer gestalterischer Individualität schafft.

Den sogenannten Auerschen Bierkeller hat die gebürtige Altdorferin von ihrer Mutter geerbt, deren Vorfahren das Altdorfer Brauhaus besaßen. Lange vor der Kunst lagerte hier Gerstensaft zur Kühlung. Die historischen Gewölbe allein sind einen Besuch wert.

Man darf sich die Auersche Anlage nicht wie einen öden Kartoffelkeller vorstellen. Die um 1846 in den Fels gehauene Höhle führt viele Meter weit ins Erdinnere hinein. An einer Stelle gibt es einen Lüftungsschacht, dessen Höhe ein Gefühl für die Tiefe der Höhle vermittelt. Das ganze Jahr hindurch hat es hier acht, neun Grad. Seit 2008 nutzt die Künstlerin ihn als Galerie. In ihrem „kleinen Privatmuseum“, wie sie selbst ihn nennt, zeigt sie – nicht jedes Jahr aber doch in regelmäßigen Abständen – neue Arbeiten. Das eigentlich Faszinierende an „La Cueva“ ist jedoch nicht dieser außergewöhnliche Ausstellungsort, sondern die Serie der blauen Steinobjekte, welche er beherbergt.

Architekturpoesie

„Archaisch anmutende Architekturpoesie“ nennt Endres Weggefährte Willi Adam ihre blauen Türme und Blöcke. Monolithisch, massiv und von einzigartiger Maserung sind die Skulpturen. Meisterhaft setzt Endres Gegensätzliches in Szene. Mal ist die Steinoberfläche glatt und glänzend, dann wieder rau und matt, Ebenen weisen Brüche, Blöcke geheime Hohlräume auf. In einige Objekte kann man hinein sehen, bei anderen erahnt man nur ein Inneres, das im Verborgenen bleibt.

Nicht umsonst tragen sie „Museo“, „Templo“, „Casa“ oder „Mirador“ im Namen. Auch ohne dass man dies weiß, lösen die Skulpturen Assoziationen an Gebäudeformen aus – die sie zugleich jedoch eindeutig nicht, oder eben nicht nur sind.

Claudia Endres hat ihr Schaffen ganz dem Werkstoff Stein gewidmet und eine einzigartige Arbeitsweise entwickelt. Sie behaut den Stein nicht etwa mit Hammer und Meißel, sondern bearbeitet ihn mit einem Kernbohrgerät. Stab für Stab höhlt sie ihn aus, schafft Öffnungen und Räume. Die Steinstäbe der Aushöhlungen werden zu Kuppeln, Streben und Säulen. Einige sind nur lose in eine Öffnung hinein gelegt, lassen sich herausnehmen und austauschen.

Geheime Inschriften

Ebenso nicht ohne Grund trägt jede Arbeit den Begriff „Azul“ (spanisch: blau) im Namen. Die neuen Skulpturen sind allesamt aus Azul Macauba, einer Gesteinsart aus Brasilien. Das manganblaue Material schimmert in verschieden hellen und dunklen Tönen. Kräftige blaue Adern durchziehen blassere Flächen. Azul Macauba ist ein Quarzit und besonders hart und widerstandsfähig. Trotzdem weisen die Skulpturen Ritzungen und Gravuren – geheime Inschriften der Künstlerin – auf.

„Mirador Azul“, die höchste Skulptur, ragt direkt neben dem Höhleneingang über zwei Meter in die Höhe. „Sie ist extra für hier gemacht“, sagt Endres. „Das ist die einzige Stelle, die so hoch ist.“ Wie der Turm hat jede der Plastiken ihren festen Platz. In einer kleinen Kammer, die links vom Höhlenhauptgang abzweigt, befindet sich nur ein Kunstwerk: „Azzurro I“, Endres Lieblingsstück aus einer früheren Serie.

Neben den stehenden Skulpturen sind in „La Cueva“ auch Wandobjekte zu sehen. Alle Arbeiten stehen zum Verkauf – und in teils überraschenden Beziehungsverhältnissen zueinander. „VIP Azul“ etwa, ein Steinbild von einem halben Meter Breite, ist der Kern von „Casa VIPraia“, einer anderen Skulptur. Die vielgestaltige neue Serie „Azul Macauba“ wird ergänzt durch ältere Arbeiten, die im Höhleninnern ihren festen Platz gefunden haben.

Zum Ausstellungsort fährt man von Altdorf aus in Richtung Prethalmühle (Mühlweg). In einer scharfen Linkskurve befindet sich der Auersche Bierkeller, ein kleines rot-weißes Fachwerkhaus, linkerhand im Wald neben dem Weg zur Löwengrube. „La Cueva“ hat im August sonntags von 15 bis 18 Uhr, im September auf Anfrage (Tel. 0172-8348368) sowie am 2. und 3. Oktober von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen: www.claudia-endres.de

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung