Streetart

Künstlerische Zeitenwände

Ein überdimensionierter Ausstellungskatalog an der Häuserfront; mit Hilfe der Hebebühne wurden die Plakate auch in den oberen Etagen angebracht. | Foto: Spandler2018/06/altdorf-streetart1.jpg

ALTDORF – Im Vorfeld der Wallenstein-Festspiele hat die heimische Künstlergruppe Feinkost gestern eine Fassade am Gebäude des örtlichen Jugendzentrums in der Neubaugasse gestaltet. „Zeitenwende – Zeitenwände“ lautet das doppeldeutige Thema dieser Streetart-Aktion. Am Freitag, 15. Juni, eröffnet Bürgermeister Erich Odörfer die damit verbundene Ausstellung, auf die das spektakuläre Projekt hinweist. An den folgenden fünf Festspiel-Wochenenden werden die Werke in der nahen Silbergasse 1 – 3 präsentiert, gezeigt werden Arbeiten aller zwölf beteiligter Künstler.

Doppeldeutig ist nicht nur das Motto „Zeitenwende – Zeitenwände“, das auf den Dreiklang Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft Bezug nimmt und gleichzeitig auf die Wand-Aktion verweist. Verschiedene Interpretationen lässt auch der Name des Künstlerkollektivs Feinkost zu, denn entstanden ist der, als man sich das ehemalige Feinkost-Geschäft Müller in der Innenstadt als Ausstellungsraum ausgeguckt hat, das vor 20 Jahren seine Pforten schloss und seitdem einer neuen Verwendung harrt. Die hat die Künstlergruppe nun gefunden, die sich von nun an eben Feinkost nennt. Denn man will ja auch im kulturellen Sinn seinem Publikum feine Kost servieren.
Die Künstler-Initiative, die aus dem Arbeitskreis Kunst in Altdorf hervorgegangen ist, hat die Aktion, die vom Citymanagement und der Stadt Altdorf unterstützt wird, schon seit etwa neun Monaten geplant und wurde vom Projektfonds „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ mitfinanziert. „Aber wir haben schon mehrfach bohren müssen“, erinnert sich Textilkünstlerin Gisela Leitner. Als aber Genehmigung und Finanzierung standen, wandte man sich der Umsetzung des großzügig formulierten Themas zu, das eine Brücke von Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft schlägt. Ganz sicher wird auch auf die historische Figur des Wallenstein und den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs vor 400 Jahren Bezug genommen, ansonsten sind die Interpretationen in der Gesamtausstellung so unterschiedlich wie die Künstler und deren Materialien und Methoden, findet Keramikerin Karin Röser.

Riesiger Ausstellungskatalog

De facto handelt es sich bei dieser Streetart-Präsentation an der Jugendzentrums-Hauswand um einen überdimensionierten Ausstellungskatalog zu den Arbeiten, die ab Freitag in der Silbergasse zu sehen sind. So wird nicht nur die sonst graubraune Fassade des Juz aufgepeppt, sondern auch gleichzeitig auf den Leerstand des früheren Feinkostgeschäfts hingewiesen, das durch die Schau zumindest vorübergehend kreativ genutzt und belebt wird. Die Aktion stellt den Auftakt für eine Reihe weiterer Aktionen rund um das Thema Kunst in der Innenstadt dar, die zusammen mit Altdorfer Künstlern und Kunstinteressierten sowie städtischer Unterstützung durchgeführt werden sollen. Die Künstler indes hoffen auf eine weitergehende Nutzung. Zum einen wäre es schön, finden Malerin Ulrike Knoblich und Karin Röser, wenn die Plakate auch über den Ausstellungszeitraum hinaus hängen bleiben könnten, zumindest bis die geplante Renovierung des Jugendzentrums startet. Außerdem hoffen die Künstler, dass auch der alte Feinkostladen sich nicht nur für die Zeitenwände-Ausstellung, sondern dauerhaft als Kunstschauraum etablieren kann.
Das Anbringen der Plakate an der Hausfront ging in größtmöglicher Kooperation zügig vonstatten, auch durch die nötige Unterstützung einer hydraulischen Arbeitshebebühne, die die schwindelfreien Feinkost-Künstler in die höheren Stockwerke hievte. Dort in sechs bis sieben Metern Höhe stand ein großer Tapeziertisch, auf dem die Poster eingestrichen und dann unter Anweisung von unten auf der Wand platziert wurden, während im Parterre mit Bodenkontakt geklebt wurde. Nicht alle der dargestellten Kunstwerke sind jedoch in der Schau zu sehen. „Einige sind nicht ausstellbar“, erläutert Karin Röser, denn entstanden sind auch umfangreichere Plastiken und Objekte, die in dem kleinen ehemaligen Ladengeschäft nicht den nötigen Platz hätten, um ideal auf die Besucher zu wirken.

Vernissage am Freitag

Auf den Plakaten – alle im DIN A 0-Format -, die gestern an der Fassade angebracht wurden, sind Arbeiten oder Ausschnitte von Werken der Künstler zu sehen, die dann größtenteils als Originale in der Ausstellung gezeigt werden. Die Schau ist jeweils am Samstag, von 14 bis 20 Uhr, und am Sonntag von 12 bis 20 Uhr geöffnet.
Die Vernissage findet am Freitag, 15. Juni, um 19 Uhr statt. Folgende Künstler sind bei dem Projekt vertreten: Gisela Leitner (Textil), Felix Röser (Fotografie), Gabi Goldstein (Malerei), Ulrike Knoblich (Malerei), Karin Röser (Keramik), Reiner Zitta (Objekte), Miwako Gartung (Zeichnung/Malerei), Barbara Westerath (Filzobjekte), Andrea Martini (Keramik), Ursula Trebitz (Fotografie), Bernd Kriegisch (Glasobjekte), Harald Pompl (Skulpturen). Die Ausstellung endet am Sonntag, 22. Juli.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler