Waren Stadträte nicht informiert?

Kulturtreff muss um 21 Uhr schließen

Während der bitterkalten Januarwochen ruhten zeitweise die Arbeiten am neuen Kulturzentrum am Baudergraben, zwischenzeitlich wird zügig an dem 3,814 Millionen schweren Projekt weiter gearbeitet. Nach der Sommerpause wollen die Altdorfer Einweihung feiern. | Foto: Blinten2017/02/Kulturzentrum.jpg

ALTDORF – Ein Kulturtreff, der um 21 Uhr seine Pforten schließt – gibt es das? Das gibt es demnächst in Altdorf. Veranstaltungen bis in den späten Abend, bis in die Nacht gar, sind aus Gründen des Lärmschutzes in der neuen Bibliothek mit Veranstaltungssaal nicht möglich. Dass aber schon so früh geschlossen werden muss, war drei Fraktionen im Stadtrat nicht bekannt, versicherten Vertreter von SPD, Grünen und FW/UNA auf der jüngsten Sitzung des Gremiums.  

Jetzt ist eine Mehrheit der Bürgervertreter richtig sauer. Diesen Ärger wieder einzufangen, versuchten Mitglieder der CSU-Fraktion ebenso wie Bürgermeister Erich Odörfer vergeblich.

Den Anstoß zu der Debatte hatte Karin Völkl (SPD) gegeben, die von der Sitzung der Vereinsvorsitzenden berichtete, auf der sie erfuhr, dass die Möglichkeiten für Veranstaltungen im neuen Kulturtreff doch sehr eingeschränkt seien. Es könne doch wohl nicht sein, dass schon um 21 Uhr dort Schluss sein muss, fügte der SPD-Fraktionschef Martin Tabor hinzu. „Wir wollten eine Mischnutzung von Bücherei und Veranstaltungssaal.

Dem schloss sich Dr. Peter Wack für FW/UNA an. Niemand habe das mit 21 Uhr gewusst. Die Baugenehmigung, in der die zeitliche Begrenzung festgelegt ist, sei den Stadträten niemals vorgelegt worden.

„Lest Ihr keine Zeitung?“

Kurt Eckstein (CSU) dagegen hielt seinen Vorrednern vor, dass sie einfach nicht informiert seien: „Lest Ihr denn keine Zeitung?“ so Eckstein. Seit Jahren werde beispielsweise immer wieder über  die Probleme mit der Reichswaldhalle in Feucht berichtet, die eigentlich saniert werden muss, aber nicht saniert werden kann, weil mit der Antragstellung neue Lärmschutzregeln gelten und eine sanierte Halle künftig spätestens um 22 Uhr schließen müsste. Derzeit hat die Reichswaldhalle Bestandsschutz.

Ich will jetzt  die Baugenehmigung sehen“, insistierte Wack. Man habe doch nicht für über drei Millionen Euro eine neue Bücherei gebraucht. Nina Merkel vom Altdorfer Bauamt erläuterte im Stadtrat die Situation an der Alten Stadthalle, die von Wohnbebauung umgeben ist. Genehmigt wurde die Umbaumaßnahme nur unter der Voraussetzung, dass bestimmte Lärmpegel nicht überschritten werden. Ab 21.30 Uhr muss sich sämtlicher Fahrzeugverkehr entfernt haben, was bedeutet, dass Kulturveranstaltungen im Gebäude spätestens um 21 Uhr beendet sein müssen. Dabei ist das Problem nicht möglicher Lärm in der Halle, vielmehr geht es um die Abfahrten, um schlagende Autotüren und Pkw-Lärm.

Man müsse sich halt darüber unterhalten, welche Veranstaltungen im Kulturtreff stattfinden, versuchte Bürgermeister Odörfer die Gemüter zu beruhigen, nachdem Tabor noch einmal versichert hatte, von einer 21-Uhr-Deadline nichts gewusst zu haben. „Dann kann man das Ding aber nicht Kulturtreff nennen“, warf Wack in die Debatte.

„Das haut mich vom Hocker“

Auch Eckard Paetzold von den Grünen sieht sich überrumpelt: „Das haut mich vom Hocker.“ Jeder sei doch davon ausgegangen, dass der Altdorfer Kulturtreff nicht nur Kasperle-Theater für Schulkinder sei. Peinlich sei das, ergänzte Tabor. „Peinlich ist, dass ihr das nicht wisst“, antwortete Kurt Eckstein, bevor auch Thomas Kramer (CSU) dafür plädierte, über die Veranstaltungen im neuen Kulturtreff nachzudenken. „Hier wird es bestimmt keinen Faschingsball geben“, sagte Dr. Bernd Eckstein (CSU). Lesungen und Konzerte könne er sich aber vorstellen.

SPD, Grüne und FW/UNA wollen das ganze jetzt nicht auf sich beruhen lassen, sondern klären, wie es dazu kommen konnte, dass niemand etwas von der 21-Uhr-Schließung wusste. Bürgermeister Erich Odörfer wies auf jeden Fall schon einmal darauf hin, dass er keineswegs allein die CSU-Fraktion gebrieft habe. Die Baugenehmigung wurde unter der damaligen Stadtbaumeisterin Alexandra Reinhart bearbeitet, die zwischenzeitlich den Posten der Kreisbaumeisterin am Landratsamt innehat.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten