Altdorfer Stadtrat kippt die Pläne für den Bau

Keine Stadthalle an der Nürnberger Straße

Ursprünglich war sich eine Mehrheit im Stadtrat einig: Eine architektonisch anspruchsvoll gestaltete Stadthalle an dieser Stelle in der Nürnberger Straße würde das Stadtbild aufwerten. Jetzt soll hier ein normales Gewerbegrundstück entstehen. | Foto: Blinten2018/01/Altdorf-Nuernberger-Strasse.jpg

ALTDORF – Die Stadthalle an der Nürnberger Straße in Altdorf ist gestorben. Gegen die Stimmen der SPD hat der Stadtrat beschlossen, sie aus der Planung für das Gewerbegebiet herauszunehmen.

Für die SPD kam das ganze völlig überraschend und provozierte deshalb heftige Kritik. Die Grünen dagegen sind damit ganz zufrieden, weil sie sich schon immer gegen eine neue Stadthalle ausgesprochen hatten.

Mit der Entscheidung entspricht der Stadtrat einem Antrag von FW/UNA, für die es einfach nicht zu verantworten ist, ein wertvolles Gründstück an der Nürnberger Straße über Jahre leer stehen zu lassen, um dann hier irgendwann einmal, wenn es der Stadt finanziell gut geht, eine Stadthalle bauen zu können. „Deshalb sollten wir die Planung so ändern, dass hier ein Gewerbegrundstück entsteht“, sagt Fraktionssprecher von FW/UNA, Thomas Dietz, der auch seine Kritik an Planer Professor Hubert Kress erneuerte. Der sei dafür verantwortlich, dass in dem Gebiet an der Nürnberger Straße nichts voran geht.

Tatsächlich stellte sich vor geraumer Zeit heraus, dass quer durch das Gebiet eine Hauptwasserleitung für Weinhof verläuft. Deshalb sind umfangreiche Arbeiten erforderlich, um das Gewerbegebiet weiter entwickeln zu können.
SPD-Fraktionschef Martin Tabor dagegen nahm Kress in Schutz. Auch gegen die Kritik an dessen Kulturtreff, über den in Altdorf kontrovers diskutiert wird. Tabor ist dabei einer der Befürworter der Bronze-Fassaden. Insgesamt sei der Kulturtreff doch einmalig in der Region.

Und Tabor beschwor seine Stadtratskollegen auch, die Stadthalle doch unbedingt in der Planung für das Gebiet an der Nürnberger Straße zu erhalten. Ohne Erfolg. Die Grünen stimmten ebenfalls für den Antrag von FW/UNA, mit dem Hinweis, dass sich die Stadt ja ohnehin keine neue Stadthalle leisten kann.

Die braucht sie aber, betonte CSU-Fraktionssprecher Thomas Kramer. Nur nicht an der Nürnberger Straße. Viel besser sei da das städtische Grundstück in der Nähe des Haltepunkts Altdorf-West. Da hätte man nach Kramers Überzeugung 2014 bauen sollen, als es der Stadt finanziell noch richtig gut ging. An der Nürnberger Straße dagegen würden jetzt Gewerbegrundstücke gebraucht. Und gegen die elf Meter hohe Lärmschutzwand, die man wegen der Stadthalle dort hätte bauen müssen, habe er sich sowieso schon immer kritisch ausgesprochen. „Deshalb unterstützen wir den Antrag von FW/UNA“, schloss Kramer.

„Absolut enttäuscht“

Karin Völkl wiederum fiel aus allen Wolken: „Eine Politik zur Stadtentwicklung stelle ich mir anders vor als das, was heute passiert.“ Sie erinnerte noch einmal an die schwierige Standortfindung, als man seinerzeit fünf Areale im Stadtgebiet auf Eignung für den Bau einer Stadthalle prüfen ließ. Völkl ist der Überzeugung, dass Altdorf mit dem Bau einer Veranstaltungshalle an der Zufahrt zum Stadteingang eine große städtebauliche Chance hatte. Dass man jetzt einen Rückzieher macht, kann sie nicht nachvollziehen. „Da bin ich absolut enttäuscht.

Während der Antrag von FW/UNA gegen die Stimmen der SPD durchging, nahm der Stadtrat einen Antrag der CSU zur Änderung des Planungsauftrags für die Turnhalle an der Grundschule einstimmig an. Die soll nun eine Mehrzweckhalle werden. Das finden alle Mitglieder des Stadtrats gut, allerdings warnten einige: Diese neue Mehrzweckhalle dürfe auf keinen Fall zur Ersatzstadthalle werden.

Durch die Hintertür wird jetzt vielleicht eine Stadthalle light installiert“, warf Ursula Weser (SPD) ein. „Ich frage mich, welche Veranstaltungen dort stattfinden sollen.“ Diese Frage stellt sich auch SPD-Fraktionssprecher Martin Tabor. Eine gleichzeitige Nutzung von Sport und Kultur geht aus seiner Sicht nicht, der Sport brauche eine Heimat für Sportler, die Kunst für Künstler. Woraufhin Bürgermeister Erich Odörfer versicherte, dass die Mehrzweckhalle an der Grundschule keine Veranstaltungshalle für Kultur werden soll. Beim Einstieg in die Planung will die Stadt eine Arbeitsgruppe bilden, in der auch der TV Altdorf vertreten sein wird.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten