BOL-Derby TV Altdorf vs. TSV Winkelhaid

Handball-Classico feiert nach 13 Jahren sein Comeback

Eine Szene aus grauer Vergangenheit: Die beiden Altdorfer Marc Dauphin (links) und Kai Johannes nehmen Winkelhaids Jakob Lad, der nach langer Verletzungspause sein erstes Saisonspiel bestritt, am Kreis in die Zange. | Foto: Keilholz2017/11/HDB-003-140105-CMP-1.jpg

ALTDORF/WINKELHAID – Der kommende Januar steht in Altdorf ganz im Zeichen des Handballs. Am 13. des neuen Jahres geht in der Wallensteinstadt die zweite deutsche AH-Meisterschaft über die Bühne und die TVA-Legenden wollen beim Heimturnier natürlich ihren Titel verteidigen. Ein echtes Highlight, quasi als Einstimmung auf das große Event, bekommen die Altdorfer Handball-Fans bereits an diesem Wochenende serviert. Denn nach einer halben Ewigkeit treffen die erste Herren-Mannschaften des TVA und des TSV Winkelhaid am Bleichanger mal wieder bei einem BOL-Punktspiel aufeinander.

Lange ist es her, dass beide Teams sich begegnet sind, so lange, dass sogar Vereinschronisten hektisch in ihren Archiven suchen mussten. Das letzte, richtige Derby ist auf den 10. Januar 2004 datiert. Winkelhaid gewann damals deutlich mit 29:20 und stieg in der Folgesaison in die Landes- und später in die Bayernliga auf. Der TVA stieg ab, um im Folgejahr wieder in die BOL zurückzukehren.

Choreos auf den Rängen

Bei vielen damals beteiligten Akteuren und Fans sind die Erinnerung an diese und die vorherigen Derby-Begegnungen immer noch in den Köpfen präsent. An den Stammtischen der Vereinsheime werden heute oft noch die Legenden besungen: Hunderte Zuschauer in beiden Hallen, oftmals hart umkämpfte und teilweise hochklassige Handballschlachten. Dramatische Last-Minute Entscheidungen, wie zum Beispiel der verwandelte Siebenmeter zum Sieg von TVA-Vereinsikone Thomas Liebel, obwohl er sich kurz zuvor im Spiel den Mittelfuß gebrochen hatte. Dazu kamen dekorierte Umkleidekabinen am Altdorfer Bleichanger, aufwändige Choreographien auf den Rängen und in der S-Bahn auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Winkelhaid.

Ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat, wird sich zeigen. Die Vorzeichen für ein spannendes Nachbarschaftsduell sind jedoch bestens. Denn für beide Teams geht es um einiges. Neben Ruhm und Ehre brauchen sowohl der TVA als auch die Winkelhaider dringend die Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.

Altdorfer Kampfgeist

Der junge Aufsteiger aus Altdorf, angeführt von Leader Simon Sturm, ist super in die Saison gestartet und liegt mit ausgeglichenen 9:9 Punkten auf Platz 5. Umso bemerkenswerter ist, neben der hohen Punktausbeute, wie es die Mannschaft um Trainer Thomas Löw bislang geschafft hat, dem großen Verletzungspech im Kollektiv zu trotzen.

Langfristige Ausfälle der Schlüsselspieler und Topscorer Myron Griebel, Tobi Pechtl und Timo Löw wurden bislang durch eine mannschaftliche Geschlossenheit und den gewohnten Altdorfer Kampfgeist erfolgreich kompensiert. Sogar gegen hochkarätig besetzte Teams wie Erlangen Bruck und Herzogenaurach konnten die Löw-Jungs zuhause doppelt punkten.

Winkelhaid ist mit aktuell 4:10 Punkten (bei zwei Spielen weniger als Altdorf) auf dem 10. Platz der Tabelle angekommen. Die erfahrene Truppe ist aber keineswegs der Außenseiter in dieser Partie. Mit Göttlich und Rettenbacher haben die Winkelhaider sogar zwei Routiniers in ihren Reihen, die in der grauen Vorzeit einige Derbyschlachten gegen den TVA geschlagen haben.

Stimmung hat sich gewandelt

Auf Altdorfer Seite ist der einzige Aktive mit Derbyerfahrung dagegen der Trainer. Der Erfolgscoach ist selbst das beste Beispiel für den neuen Umgang der beiden Nachbarschaftsvereine. Denn als aktiver Spieler trug Thomas Löw unter anderem auch das blau-weiße Winkelhaider Trikot und damals waren sich beide Rivalen noch lange nicht so grün wie heute.

Vereinswechsel innerhalb der direkten Nachbarschaft wurden nicht gern gesehen. Mittlerweile arbeiten die Altdorfer und Winkelhaider aber sogar recht erfolgreich in der Jugend zusammen, in einer JSG, deren Namen diese Entwicklung wiederspiegelt: JSG Eintracht Nürnberger Land.

Am kommenden Sonntag um 16 Uhr werden dann aber am legendären Bleichanger zu Altdorf für 60 Minuten noch einmal die alten Zeiten beschworen. Und ein Teil der damaligen Altdorfer Derbyhelden wird dann der neuen Generation eine stimmungsvolle Bühne bereiten – so das Landratsamt will auch mit einem kalten Getränk in der Hand. TP

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