Betäubungsmittel gestohlen

Griff in Arzneischrank

Beim Verfrahren in Hersburck ging es um Diebstahl von Schmerzmitteln in einem Altdorfer Seniorenheim. | Foto: Fotolia2018/03/Arznei.jpg

ALTDORF/HERSBRUCK – Hat er seinen Lebensgefährten angestiftet, Betäubungsmittel zu stehlen, oder nicht? Diese Frage konnte das Amtsgericht Hersbruck bei der Verhandlung gegen zwei Nürnberger nicht abschließend klären. Beide Angeklagten kamen mit einer Geldstrafe davon.

Bereits im Mai 2016 soll Richard B. (alle Namen geändert), der damals in einem Seniorenzentrum in Altdorf arbeitete, unerlaubt an den Betäubungsmittelschrank gegangen sein und starke Schmerzmittel mitgenommen haben. Auch sein damaliger Lebensgefährte Jonas S. war angeklagt, weil er Richard B. zu dem Diebstahl angestiftet haben soll. Das bestritten die beiden vor Gericht aber vehement.

Richard B. gab zu, die Tabletten und das Schmerzpflaster, die beide unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, aus dem Schrank genommen zu haben. Allerdings „aus freien Stücken“, betonte er. Jonas S. habe ihn angerufen und über starke Schmerzen geklagt. Richard B. schilderte, daraufhin bei seiner Chefin nach den Mitteln gefragt zu haben. Diese verweigerte ihm den Zugriff auf den Schrank, aber nach mehrmaligen Telefonaten mit seinem Lebensgefährten habe er die Mittel trotzdem mitgenommen.

Nicht zum Stehlen aufgefordert

Auch Jonas S. betonte, er habe Richard B. nicht zum Stehlen aufgefordert. Obwohl er damals drogenabhängig gewesen sei, habe er die Tabletten nur gegen seine Schmerzen gebraucht. Auch sei er nicht in der Lage gewesen, zum Arzt zu gehen. Beide hätten gewusst, dass ein Diebstahl strafbar ist.

Dass die Schmerzmittel fehlten, fiel der damaligen Pflegedienstleiterin als erstes auf. Vor Gericht sagte sie aus, dass der Bestand an dem Tag nicht stimmte. Eine weitere Pflegekraft schilderte in ihrer Zeugenaussage, sie habe Teile des Telefongespräches mitbekommen, weil sich die Herren sehr laut unterhalten hätten. „Ich habe es besorgt“, soll Richard B. gesagt haben. Ein Altdorfer Polizist bestätigte außerdem, die gestohlene Medizin in der Wohnung der Angeklagten gefunden zu haben.

Der Staatsanwalt machte in seinem Plädoyer deutlich, dass auch durch die Zeugenaussagen nicht abschließend geklärt werden kann, ob Jonas S. seinen Lebensgefährten wirklich zum Diebstahl angestiftet hat. Seine Schmerzen seien als Motivation für die Tat nachvollziehbar. Wegen der Vorstrafen — insgesamt 15 Eintragungen, darunter mehrmaliger Handel mit Betäubungsmitteln — und weil Jonas S. erst ein knappes Jahr vor der Tat aus der Haft entlassen wurde, plädierte der Staatsanwalt auf eine viermonatige Freiheitsstrafe.

Anstiftung nicht nachweisbar

Der Verteidiger sprach sich für eine Bewährung aus, weil sein Mandant in den zwei Jahren nach der Tat nicht mehr straffällig wurde und nicht wissen konnte, wie Richard B. die Schmerzmittel beschafft hatte. Richter André Gläßl verurteilte Jonas S. schließlich zu 75 Tagessätzen à 20 Euro. Er rechnete dem Angeklagten an, dass er sich länger nichts zuschulden hat kommen lassen. Außerdem sei eine Anstiftung nicht nachweisbar.

Für Richard B. übernahm Gläßl den Antrag des Staatsanwalts und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 60 Euro. Dass er die Mittel gestohlen hat, sei klar. Seine acht Vorstrafen lägen aber zeitlich weit auseinander und er habe uneigennützig gehandelt, so der Staatsanwalt. mw

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