Festspiel-Regisseur feiert seinen 70. Geburtstag

Golfkrieg führte Abendroth zurück nach Altdorf

Sind seit Jahrzehnten ein eingespieltes Team: Regisseur Michael Abendroth (Mitte) und die beiden Wallenstein-Chefs Ernst Bergmann (links) und Richard Winter (rechts). | Foto: Blinten2018/02/Abendroth.jpg

ALTDORF – Michael Abendroth ist ein Glücksfall für die Wallensteiner. Sie haben ihren großen Regisseur deshalb ins Herz geschlossen. Und wer da drin ist, für den gibt es kein Entrinnen. Zum 70. Geburtstag haben die Altdorfer ihren Meister der Bühne mit einem Empfang im Kulturrathaus überrascht.

Überrascht deshalb, weil Abendroth mit seiner Schauspieltruppe am Samstag in Altdorf zunächst probte und dann wie gewohnt mit der Mannschaft ins Gasthaus gehen wollte – woraufhin ihn Richard Winter zur Seite zog und vorschlug, einfach mal was anderes zu machen. Kurz und gut: Die beiden standen am Ende vor der Tür des Rathaussaals, drinnen warteten die Wallensteiner und viele Gäste und stimmten gemeinsam ein „Hoch soll er leben an“, als der Jubilar den Saal betrat.

150-jähriges Jubiläum

Seit 30 Jahren inszeniert Abendroth Schillers Drama um den Feldherrn des 30-jährigen Kriegs für die Altdorfer Festspiele. Für Ernst Bergmann, den Chef des Wallensteinvereins ist das nur ein Teil des Jubiläums, das es zu feiern galt: 150 Jahre Michael Abendroth, das ist der 70. Geburtstag, das sind 50 Bühnenjahre und, ja, das sind 30 Jahre Festspiele in Altdorf.

Diese drei Jahrzehnte sind vollgepackt mit Geschichten um die Inszenierungen, um Irrungen und Wirrungen, gemeinsame Freude, Ärger und große Erfolge.

Richard Winter hielt eine ebenso kurzweilige wie selbstironische Rückschau auf alle Festspiele seit 1988, als Abendroth mit den Altdorfern erstmals Premiere feierte. Damals stand für den neuen Regisseur fest: Einmal Altdorfer Festspiele – das ist sehr schön, soll aber genügen.

Deshalb mussten sich die Wallensteiner 1991 nach einem neuen Regisseur umsehen und fanden ihn in Herbert Müller aus Neumarkt. Der warf aber schon Anfang des Jahres hin. Seine Begründung für den Rückzug: Weil der Golfkrieg ausgebrochen sei, könne er kein Theaterstück über einen Feldherrn des 30-jährigen Krieges inszenieren.

Was tun? Die Festspiele wegen des Kriegs in Kuwait und im Irak absagen? Das kam für die Altdorfer nicht in Frage. Sie klopften einfach noch mal bei Abendroth an, der dann nicht lange überlegte. Und seitdem immer wieder mit seinen Altdorfer Schauspielern das Schiller-Drama auf die Bühne bringt, mit wechselnden Bühnenbildern, neuem Licht, neuen Rollen und überraschend neuen Nuancen.

Hohe Anforderungen

Dabei hat er es den Akteuren nie leicht gemacht. Wer mit Abendroth geprobt hat, wird sich nie mehr darauf herausreden, ja nur Laienschauspieler zu sein. Der Meister verlangt von seinen Leuten dasselbe wie von den Profis. Da sind keine Ausreden zugelassen. Sonst müsste man die Festspielkarten ja für 30 Cent verkaufen, sagt Abendroth.

Viel Geduld musste er mit seinen Wallensteinern haben. Das fiel ihm in jüngeren Jahren sehr viel schwerer als heute, gesteht er ein. „Über die Jahre ist das Vertrauen in Euch gewachsen, ich bin gelassener geworden und habe auch viel gelernt.

Richard Winter dankte ihm für diese Geduld, aber auch für die Ungeduld, für Kritik und für das Niederbügeln in den Proben. Am Ende erreichten die Altdorfer Schauspieler immer ein Niveau, das einem Festspiel angemessen ist.

Wallensteiner ertragen ihn gerne

Ernst Bergmann begrüßte im Rathaussaal neben dem Jubilar den Ehrenvorsitzenden des Wallensteinvereins, Peter Bernhard, den ehemaligen Spielleiter Hans Rötzer, die Vertreter der Arbeitskreise, viele weitere Gäste und den ehemaligen Redaktionsleiter des Boten, Lorenz Märtl, der über Jahrzehnte die Wallensteinfestspiele als Chronist begleitete und dessen Texte Richard Winter bei seiner Rückschau als Fundgrube dienten.

2006 wurde Abendroth in einem Interview gefragt, ob es für ihn denn einen Unterschied mache, mit Profis oder mit Laienschauspielern zu arbeiten. „Eigentlich nicht“, so seine Antwort damals, „alle, die mit mir arbeiten, müssen mich ertragen.“ Die Wallensteiner ertragen ihn gerne.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten