Gezielte Investitionen stärken E-T-A für Zukunft

Nach dem Krisenjahr für 2010 vorsichtig optimistisch: die E-T-A-Geschäftsführer Bernd Ellenberger, Dr. Clifford Sell und Carl Horst Poensgen (v.l.n.r.).Foto: E-T-A2010/04/E-T-A_PR315_GL_2010.jpg

ALTDORF – „Optimismus für 2010 nach einem beispiellosen Einbruch“ ist das aktuelle Motto für E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH. Der Weltmarktführer im Bereich der Geräteschutzschalter sieht sich gut gerüstet und geht gestärkt in die erhoffte wirtschaftliche Erholungsphase. Bernd Ellenberger ist mit seinen Kollegen in der Geschäftsleitung, Dr. Clifford Sell und Carl Horst Poensgen, zuversichtlich, 2012 wieder dort zu sein, wo man 2008 war. Unterstrichen wird dies durch eine große Investition in die vollautomatisierte Fertigungsanlage für eine Produktinnovation und den Ausbau der Vertriebsstrukturen. Insgesamt belegen auch die aktuellen Umsatzzahlen des ersten Quartals nach dem schwierigsten Jahr der über 60-jährigen Firmengeschichte diese positive Tendenz.
Zwölf Prozent peilt man 2010 als Wachstum an. Wie Dr. Clifford Sell bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz betonte geht das Unternehmen von einem spürbaren Wachstum im Vergleich zu 2009 aus. Die ersten drei Monate des Jahres konnten diese Einschätzung durchaus bestätigen. Dennoch sei es noch zu früh von einem stabilen Aufschwung zu sprechen. Vielmehr sieht sich die E-T-A-Geschäftsführung noch immer gezwungen, „auf Sicht zu fahren“ und gezielt auf Werkzeuge wie Kurzarbeit und erhöhte Ausgabendisziplin zu setzen. Parallel erfolgt auch weiterhin ein behutsamer Ausbau der internationalen Vertriebsorganisation. So ist geplant, die marktorientierte Struktur, die bei E-T-A Deutschland und USA mittlerweile komplett und erfolgreich im Einsatz ist, auch in den größeren Auslandsniederlassungen wie Frankreich, Singapur oder China umzusetzen.
Carl Horst Poensgen erinnerte daran, dass das Altdorfer Mehrfamilienunternehmen 2009 einen massiven Umsatzeinbruch um knapp ein Drittel zu verkraften hatte. „Ein grauenhaftes Jahr, wie ich es noch nicht erlebt habe“, war seine Formulierung. War früher die Diversifikation auf verschiedene Zielbranchen ein Garant dafür, Schwankungen in einzelnen Wirtschaftsbereichen aufzufangen, so erstreckten sich die Rückgänge diesmal auf nahezu alle Zielbranchen, in denen E-T-A weltweit tätig ist. Gerade auch traditionell starke Umsatzträger wie der Maschinen- und Anlagenbau oder die LKW-Hersteller sorgten mit ihren teilweise dramatischen Einbrüchen auch bei E-T-A für einen massiven Rückgang. Relativ stabile Branchen wie Luftfahrt, Schienenfahrzeuge oder auch Wasserfahrzeuge waren nicht in der Lage, diesen Trend zu stoppen.
Die Geschäftsleitung sah sich deshalb gezwungen, dieser Situation mit aller Konsequenz zu begegnen. Neben ausgeprägter Kostendisziplin, Kurzarbeit in allen Bereichen und dem Auslaufen von Zeitverträgen war der Abbau von knapp 60 Arbeitsplätzen im letzten Jahr nicht zu vermeiden. Gleichzeitig wurde durch die Gründung einer Transfergesellschaft versucht, diesen schmerzlichen Prozess so sozialverträglich wie irgend möglich zu gestalten.
Carl Horst Poensgen: „Eine Transfergesellschaft ist für eine Firma unserer Größenordnung ein ungewöhnlicher, weil kostenintensiver Schritt. Wir haben uns dennoch dafür entschieden, weil wir großen Wert auf ein faires und konstruktives Umgehen miteinander legen.“ Die Restrukturierungsmaßnahmen wurden bereits im letzten Jahr abgeschlossen. Ein weiterer Personalabbau sei nicht geplant.
Die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland ging durch dieses Maßnahmenpaket 2009 mit 788 Mitarbeitern gegenüber 937 im Vorjahr um 149 zurück. Im Bereich Forschung und Entwicklung sind 68 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit liegt die Zahl der Beschäftigten bei 1232.
Im Hinblick auf die Ausbildungssituation ist man sich der sozialen Verantwortung bewusst und bildet nach wie vor über Bedarf aus. Aktuell sind es 30 Auszubildende. Vielversprechend sei das zusätzliche Angebot des Verbundstudiums.
Auch wenn E-T-A weltweit seine Position als Weltmarktführer der Hersteller von Geräteschutzschaltern halten konnte, so bekam der Mittelständler doch massiv die Auswirkungen der Krise zu spüren. Kaum geprägt von Kundenverlusten, war dies fast ausschließlich auf ein ex­trem zurückhaltendes Bestellverhalten zurückzuführen.
Nach einem weltweiten Gruppenumsatz von rund 93 Millionen Euro im Jahr 2008 kam das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr deshalb lediglich auf 63 Millionen Euro.
Dass dabei gerade auch der so genannte Bereich „Equipment“ rückläufig war, verwunderte nicht. Schließlich hatten die Hersteller aus den Bereichen Haushalt, Hobby, Garten mit starken Rückgängen zu kämpfen und reduzierten entsprechend ihre Produktionszahlen. Mindestens ebenso schmerzlich traf E-T-A darüber hinaus der Rückgang in den Bereichen Automation und Maschinenbau sowie Nutzfahrzeuge, die im Jahr 2008 noch zu den umsatzstärksten Bereichen gehört hatten.
Trotz der globalen Krise gelang es E-T-A doch, sich in einigen Ländern auf Vorjahresniveau zu behaupten oder sogar moderat zuzulegen. Genannt wurden hier China, Frankreich und England, die sich allesamt wenigstens auf Vorjahresniveau behaupteten. Den weltweiten Trend für E-T-A umkehren konnten diese regionalen Erfolge allerdings nicht.
E-T-A bietet seit über sechs Jahrzehnten Lösungen für verschiedenste anspruchsvolle elektrische Herausforderungen. Elektronische und elektromechanische Geräteschutzschalter, die elektrische oder elektronische Systeme vor den Folgen von Überstrom und Kurzschluss schützen, bilden dabei zusammen mit Schutzschaltrelais das Kerngeschäft. Immer mehr im Mittelpunkt stehen mittlerweile vielfältige Systemlösungen, die den Kunden rund um Absicherung und Stromverteilung ein umfassendes Paket zur Verfügung stellen. Exakt zugeschnitten auf die Bedürfnisse der jeweiligen Anwendung wie beispielsweise beim E-T-A PowerPlex Multiplex-Stromverteilungssystem für den Bereich der Freizeitboote und Caravans.
Gerade Produktinnovationen sind auf den weltweiten Märkten mittlerweile ein entscheidendes Erfolgskriterium. Nicht zuletzt deshalb hat E-T-A in eine neue Fertigungslinie investiert, um den neuen Mini-Sicherungsautomaten Typ 1626 in Altdorf fertigen zu können. Dieses Produkt bietet in extrem kompakter Bauform alle Vorteile eines klassischen Kfz-Schutzschalters und ermöglicht darüber hinaus bis zu 30 Prozent Platzersparnis im knapp bemessenen Sicherungskasten von Fahrzeugen. Varianten dieses Typs sind auch in DC 24 V-Umgebungen einsetzbar. Dies gibt auch Lkw-Herstellern die Möglichkeit, von den Vorteilen eines Schutzschalters ohne Platzverlust zu profitieren.
Geschäftsführer Dr. Clifford Sell: „Mit dieser Investition sichern wir uns weltweite Marktanteile. Und zwar ebenso kurzfristig in den aktuell noch schwächelnden Märkten, wie auch langfristig bei einem Wiedererstarken der weltweiten Konjunktur.“
Auch in Richtung neuer Zielbranchen ist man sehr aktiv. Denn gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, am Markt sichtbar zu sein und an neuen Entwicklungen teilzuhaben. Beispiele dafür sind Technologien wie die E Mobilität oder die Photovoltaik. Hierzu werden derzeit Kooperationsgespräche geführt, um das E-T-A Know How gezielt und langfristig erfolgreich am Markt platzieren zu können.
„E-T-A baut Schritt für Schritt seine Kompetenz als Entwicklungspartner auch in neu entstehenden Märkten aus. Unsere Kunden profitieren dabei aus der Kombination von jahrzehntelangen Erfahrungen im Absicherungsbereich und neuesten technologischen Erkenntnissen. Unsere marktnahen Entwicklungsabteilungen ebenso wie unsere Abteilung Innovation & Technologie sehen wir hier als Garanten unserer dauerhaften Innovationsfähigkeit“, formuliert Bernd Ellenberger die Hintergründe dieser Strategie:
Darüber hinaus sieht E-T-A die partnerschaftliche Zusammenarbeit sowohl mit Kunden als auch Lieferanten als wichtige Zukunftskompetenz. In diesem Zusammenhang hat auch die Lieferantenentwicklung eine große Bedeutung, denn E-T-A setzt auf langfristige und stabile Lieferanten-Kunden-Beziehungen zum beiderseitigen Nutzen.
Auch 2009 blieb der Auslandsanteil der E-T-A Gruppe mit 67 Prozent konstant. Deswegen setzt E-T-A auch weiterhin sehr stark auf das internationale Geschäft und sieht im Export einen wichtigen Pfeiler für eine Erholung im laufenden Jahr. Regional ist E T A über eigene Gesellschaften und Partner in zirka 60 Ländern der Welt vertreten. Vertriebsniederlassungen gibt es in Australien, Belgien, China, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich, Russland, Singapur, Spanien, Thailand und den USA.
In Deutschland hält ein Mix aus E-T-A eigenen Vertriebsbüros und selbstständigen Vertretungen den Kontakt zu den Kunden. 
Am Firmensitz Altdorf bei Nürnberg sind Verwaltung, Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Materialwirtschaft und ein Teil der Produktion konzentriert. Weitere Fertigungsstätten gibt es im oberpfälzischen Hohenfels, in Indonesien, Tunesien sowie in den USA.
Auch in diesem Jahr beteiligt sich E T A wieder mit einer Vielzahl von Produktneuheiten an der Hannover Messe.
Auch wenn die Messe ihrem umfassenden Anspruch aus Sicht des Unternehmens nicht mehr gerecht wird, so ist sie für die Automatisierungsbranche noch immer ein wichtiger Treffpunkt und für E-T-A damit auch in diesem Jahr wieder eine interessante Präsentationsplattform.

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