Kundgebung war Anlass für große Gegendemonstration mit 700 Teilnehmern

Gegenwind für Pegida in Altdorf

Rund 700 Menschen versammelten sich am Markt vor der Laurentius-Kirche zur Gegendemonstration gegen die Pegida-Kundgebung. Foto: Blinten2015/01/pegida.jpg

ALTDORF – Altdorf hat auf seinem Marktplatz mit der Kundgebung gegen Pegida die größte Demonstration seiner jüngeren Geschichte erlebt. Während sich am Unteren Markt rund 30 Pegida-Aktivisten und Sympathisanten versammelten, kamen nur rund 100 Meter weiter vor der Laurentius-Kirche nach Schätzungen der Veranstalter rund 700 Menschen zusammen (die Polizei spricht von rund 600 Teilnehmern) und folgten damit einem Aufruf von Kirchen, Gewerkschaften und SPD, ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Rund 60 Mitglieder der Gewerkschaftsjugend, angereist aus Nürnberg, produzierten eine Geräuschkulisse, gegen die Pegida-Redner Marco Pensel keine Chance hatte.

Ursprünglich hatte die SPD Altdorf zu einer Gegendemonstration mit Start am Unteren Markt aufgerufen, auf Anraten der Polizei dann aber die Teilnehmer an der Laurentius-Kirche versammelt, wo auch die von den Kirchengemeinden und Gewerkschaften eingeladenen Demo-Teilnehmer zusammenkamen. Aus Sicherheitsgründen habe man so entschieden, so Altdorfs Polizeichef Martin Kupka dazu, um Demo und Gegen-Demo räumlich klar voneinander zu trennen.

„Unsere Stadt ist bunt"

Als SPD-Stadtrat Martin Tabor gegen 17.30 Uhr die Gegenveranstaltung vor der Kirche eröffnete, kamen die ersten Pegida-Sympathisanten am Marktbrunnen zusammen. Am Ende sollten es hier am Unteren Markt lediglich 30 Islamisierungs-Kritiker sein, während Tabor vor rund 700 Demo-Teilnehmern sprach und zunächst die Regularien klärte: Keine Pyrotechnik, keine Waffen (Gelächter im Publikum), keine Hunde. Das schreibt das Landratsamt so vor, wenn es größere Demonstrationen gibt. Natürlich hatte niemand Pyrotechnik dabei, und „bewaffnet“ waren die Teilnehmer der Demo lediglich mit Plakaten und Je-suis-Charlie-Schildern. „Setzen Sie ein starkes Signal!“, rief Tabor dem Publikum zu. „Altdorf ist bunt, und das ist nicht verhandelbar.“

Ein Leben ohne Toleranz, so Pfarrerin Ursula Kronenberg, sei in Altdorf nicht vorstellbar: „Wir wollen hier ein erfrischendes Miteinander der Kulturen.“ Kerstin Pommereit von der Altdorfer SPD übernahm die Begrüßung der Polit-Prominenz auf der Anti-Pegida-Demo: Neben den Landtagsabgeordenten Angelika Weikert (SPD), Stefan Schuster (SPD) und Verena Osgyan (Grüne) war Landrat Armin Kroder unter den Teilnehmern, außerdem zahlreiche Landkreis-Bürgermeister, mit denen sich Stadtoberhaupt Erich Odörfer austauschte.

Vertreter der muslimischen Gemeinde sehen sich im Fadenkreuz der Pegida-Anhänger. Weshalb zahlreiche Altdorfer mit türkischen Wurzeln auf der Anti-Pegida-Demo Präsenz zeigten. Sie freuten sich über die Schlüsse die Dekan Jörg Breu dann zog: Nicht die Vielfalt der Religionen sei eine Bedrohung, sondern der Hass. „Bedroht werden wir von Intoleranz und von Gewaltbereitschaft – in wessen Namen auch immer.“

Am Marktbrunnen hatte derweil die kleine Pegida Gruppe Transparente ausgepackt und eine große Deutschlandfahne entrollt, allerdings falsch herum. Marco Pensel begann die Pegida-Kundgebung mit einer Schweigeminute für die Opfer von Paris, die allerdings unterging in den lautstarken Sprechchören der Gewerkschaftsjugend: „Nieder mit der Nazi-Pest!“, schallte es über den Markt und wechselte dann während der folgenden 45 Minuten mit Hochrufen auf die „Internationale Solidarität“ und Pfiffen, alles so laut, dass Pensel sich mit seinem Megaphon nicht verständlich machen konnte.

Immer wieder montags?

Am Ende eskortierte die Polizei die Gewerkschaftler wieder zum Altdorfer Bahnhof, Pensel packte sein Megaphon weg, seine Mitstreiter rollten die Deutschlandfahne ein.

Fazit der Polizei: Keine besonderen Begebenheiten, die Teilnehmer der Pegida-Kundgebung blieben ebenso friedlich wie die Gegner. Die zur Verstärkung der Altdorfer Polizeikräfte hinzugezogenen Kollegen vom Schwabacher Einsatzzug blieben den ganzen Abend über in der Beobachterrolle und mussten nie eingreifen.

Wie es jetzt weitergeht, weiß Marco Pensel noch nicht. Er will sich zunächst mit seinen Mitstreitern beraten, ob man am kommenden Montag wieder auf den Marktplatz geht.

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