Bei MIA gingen 1600 Euro Spenden nach Syrien

Falafel für Damaskus

Solche Handyfotos erreichten Khalil Weshah, die belegen, welche Mengen Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung von seinem Spendengeld angeschafft wurden | Foto: privat2017/10/Altdorf-Syrienspende2.jpg
Raiba Fallback

ALTDORF – Das noch junge Altdorfer Musik-Festival MIA der Soulbuddies hat sich in wenigen Jahren nicht nur ein Renommee als hochklassiges Kunst-Fest erworben, sondern auch als inklusive Veranstaltung im weitesten Sinn. Zu diesem Selbstverständnis gehört nicht nur, dass es Menschen mit Handicap verschiedenster Art vor Ort einbezieht, sondern auch bis zu einem gewissen Grad Einfluss auf die Krisenherde der Region nimmt – selbstverständlich mit wohlgesonnenen Partnern. So konnten nun nach MIA 2017 leidtragende Menschen in Syrien mit einer hübschen Summe unterstützt werden. Mit an Bord waren der neue Pächter des Sport Bavaria, Khalil Weshah, und die Sparkase Nürnberg.

Der syrische Palästinenser Weshah hat bei dem Musik-Event einen Falafel-Verkauf durchgeführt und sämtliche Einnahmen für seine Heimat beiseite gelegt. Stattliche 1 100 Euro kamen dabei zusammen und wurden von der Sparkasse Nürnberg um 500 Euro ergänzt, unabhängig vom sonstigen MIA-Engagement über die Kulturstiftung des Geldinstituts.

Wie wichtig finanzielle Unterstützung für das seit Jahren vom Bürgerkrieg gebeutelte Land ist, weiß der Syrer Weshah durch seine Kontakte mit den Daheimgebliebenen. Zwar hat sich die Situation leicht verbessert, aber die wirtschaftliche Lage sei katastrophal. Lebensmittel, Medizin oder Mieten seien unermesslich teuer und für Normalbürger unerschwinglich durch die Wirren des Krieges. Da es in Damaskus auch kein funktionierendes Netz an Sozialarbeit gibt, sei es zu riskant, finanzielle Unterstützung in Regierungsprojekte zu stecken. „Da weiß man nie, wo es ankommt“, berichtet der 35-Jährige.

Gefährliche Aktion

Er hat daher die Summe von Vertrauenspersonen direkt in bar nach Syrien bringen lassen, damit sie vollständig bei denen ankommt, die sie auch brauchen, und er hat auch schon Feedback von dort erhalten. Er selber weiß, wie schnell man bei unerwünschtem Engagement im Gefängnis landet. Ein Jahr hat er selber dort verbringen müssen, und ist schließlich vor dreieinhalb Jahren nach Deutschland gekommen, seine 33-jährige Frau Rima Aqel kam vor zwei Jahren nach. Zur Familie gehören außerdem der sechsjährige Sohn Maxim und die einjährige Selina. Das Sport Bavaria hat er zum 1. September übernommen, fährt aber als IT-Experte mit einem Job in Ludersheim im Moment zweigleisig.

Wertvoller Beitrag zur Integration

Otfried Bürger, der Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse, begründet das Engagement seines Instituts mit dem generellen Interesse am Thema Migration und Flüchtlingsarbeit und der Überzeugung, dass die Förderung von Migranten im Bereich Kunst ein wertvoller Beitrag zur Integration darstellt. Die gleiche Sicht hat man bei den Soulbuddies, die von Anfang an ein Konzept favorisierten, das so viele und unterschiedliche Menschen wie möglich in das Projekt miteinbezieht.

„Das ist wohl auch Inklusion“, bringt es Günther Kraußer auf den Punkt. Leonidas Kalavrouziotis, ebenfalls ein Soulbuddies-Gründervater, weist darauf hin, dass man Wert legt auf eine Mitarbeit auf Augehöhe aller Beteiligten. Keineswegs wolle man den Eindruck erwecken, dass es hier den inneren Zirkel der Veranstalter gebe, und dort draußen die anderen, die man auch mal zum Zuge kommen lassen will.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler