Stromtrassen: Bitteres Fazit über Merkel

Enttäuscht über „frappierende Unkenntnis“ der Kanzlerin

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WEISSENBRUNN/NÜRNBERG – Hubert Galozy hatte sich vom Bürgerdialog mit Angela Merkel mehr versprochen. Nachdem man seine Frage an den Schluss der Veranstaltung verbannt hatte und gerade noch drei Minuten für das Thema „Energiewende und Gleichstromtrassen“ blieben, zieht der Weissenbrunner ein bitteres Fazit: Angela Merkel zeigt aus seiner Sicht eine frappierende Unkenntnis, wenn es um die umstrittenen Stromtrassen geht.

Dabei war Galozy zunächst zuversichtlich, dass sein Thema zumindest ordentlich hätte angerissen werden können.

Workshop als Vorbereitung

In einem Workshop hatte man zunächst die Schwerpunkte für das Gespräch mit der Kanzlerin festgelegt: Sicherheit, Flüchtlinge, Bildung, Digitalisierung und Soziales. „Dann wurde ganz schnell klar, dass das Thema Flüchtlinge alles andere überlagern würde“, so Galozy in der Rückschau.

„Stromtrassen und Energiewende“ sollte im großen Themenkomplex Soziales angesprochen werden und kam schließlich ganz am Ende der Veranstaltung, als die Kanzlerin dem mit Demo-Weste erschienen Galozy das Mikro überreichte und zunächst wissen wollte, ob er wohl mit dem Fahrrad gekommen sei. „Das hat sie wohl wegen meiner Weste gefragt“, erklärt der Weißenbrunner.

Erdverkabelung, nein danke

Als die Kanzlerin Galozy mit dem Hinweis beruhigen wollte, dass ja jetzt Erdverkabelung kommen werde, versuchte der Weißenbrunner vergebens zu erklären, dass man eben die nicht wolle, weil sie der Energiewende entgegenstehe. Merkel sieht das anders: Die Gleichstromtrassen seien eben für die Energiewende nötig, um Windstrom von der Küste in den Süden zu bringen. „Was für eine frappierende Unkenntnis“, kommentiert der Weissenbrunner, „das waren Plattitüden, mehr als enttäuschend.“

Insgesamt bemängelt der Vertreter der gegen die Gleichstromtrassen kämpfenden Bürgerinitiative Leinburg, dass das Bürgergespräch mit der Kanzlerin zu wirtschaftslastig gewesen sei.

Während in der Jugendherberge auf der Burg das Gespräch mit der Kanzlerin stattfand, hatten sich draußen etwa 100 Demonstranten versammelt, die gegen die geplanten Stromtrassen und gegen die Handelsabkommen TTIP und CETA demonstrierten.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten