Ärger über Fällungen bei Röthenbach und Feucht

Empörung über Holzeinschlag

Ingrid Rechter und Dr. Julius Müller schütteln über die Arbeiten im Wald nördlich bei Röthenbach den Kopf. Aus ihrer Sicht ist das Naherholungsgebiet zerstört. Außerdem beklagen sie, dass der Lärmschutz zur A 6 beeinträchtigt ist. | Foto: Blinten2017/02/Faellungen-Roethenbach.jpg

RÖTHENBACH/FEUCHT – In den Wäldern im Nürnberger Land wird im Winter Holz eingeschlagen. Durchforstet werden auch Baumbestände an Bahnlinien und Autobahnen. Wenn dann mächtige alte Bäume fallen, ärgern sich viele Bürger. Der Einsatz von großen Holz-Ernte-Maschinen sorgt für zusätzliche Empörung. Hinzu kommt: Der durch die Bäume gegebene natürliche Lärmschutz geht verloren. Zwei Fälle aus Röthenbach bei Altdorf und Feucht:  

Im rund vier Hektar großen Walddreieck zwischen Röthenbachklamm, A 6 und Hochspannungsleitung hat der Forstbetrieb Nürnberg Fichten und Kiefern in großer Zahl eingeschlagen und bei Röthenbacher Bürgern für Unmut gesorgt. Die Anlieger sehen ein Naherholungsgebiet zerstört und klagen über eine Vernichtung des natürlichen Lärmschutzes zur Autobahn. Roland Blank, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg, spricht dagegen von einer ganz normalen forstwirtschaftlichen Maßnahme.

Rückegassen für Harvester

Ingrid Rechter und Dr. Julius Müller kennen den Wald bei Röthenbach wie ihre Westentasche. Sie wohnen am Ortsrand und nutzen das Gebiet für regelmäßige  Spaziergänge. „Gerade in heißen Sommern war das hier ein Paradies“, schwärmt Julius Müller, schmale Pfade habe es gegeben, die sich zwischen hundertjährigen Nadelbäumen durchschlängelten, das kühle Waldklima sei herrlich gewesen.

Und jetzt? Anstelle der kleinen Wege wurden Rückegassen für den Harvester in den Wald geschlagen. Von den alten Nadelbäumen finden sich nach dem Einschlag nur noch Stümpfe im Wald, die Stämme sind einige hundert Meter weiter am Rand eines Forstwegs gelagert und warten auf ihren Abtransport. Holz als Wirtschaftsgut, der Wald als Erntefläche – Rechter wie Müller ärgern sich gewaltig darüber, dass ökonomische Interessen die Grundlage für die aus ihrer Sicht rücksichtslose Zerstörung des Waldgebiets bilden. Besonders gravierend für die beiden: Die Fällarbeiten wurden bis zur Röthenbachklamm durchgeführt, so dass einzelne Stämme sogar in die geschützte Klamm fielen.

Weiteres Gebiet markiert

Jetzt fürchten Rechter und Müller, dass in dem bislang noch nicht angetasteten Waldgelände zwischen Hochspannungsleitung und Röthenbacher Ortsrand die Fällungen weiter gehen. Hier wurden zwischenzeitlich zahlreiche Fichten und Kiefern zum Einschlag markiert. Für den Lärmschutz zur A 6 ist das, so sind die beiden Röthenbacher überzeugt, eine schiere Katastrophe. „Je nach Windrichtung ist es schon jetzt sehr laut“, sagt Müller.

Forstbetriebs-Leiter Roland Blank bestätigt auf Nachfrage des Boten, dass in zwei bis drei Wochen das Gebiet zwischen der Hochspannungsleitung und der Röthenbacher Bebauung „durchforstet“ wird. Aus den weiter nordwestlich gelegenen Gebieten hat der Forstbetrieb Ende vergangenen Jahres mit einer Holz-Ernte-Maschine Nadelbäume gefällt. Ziel sei es, so Blank, Laub- und Mischwald nachwachsen zu lassen.

In dem Gebiet findet sich neben Nadelbäumen unter anderem Ahorn, zum Teil von Forst-Mitarbeitern gepflanzt, zum Teil aus Naturverjüngung. Dass die Klamm von den Arbeiten betroffen ist, kann Blank so nicht bestätigen, er betont vielmehr, dass die Arbeiten auf den Flächen oberhalb der Schlucht durchgeführt wurden.

Starkes Argument

Neuer Mischwald, neuer Laubwald – für Julius Müller ist das alles schön und gut, „nur dass ich diesen Wald nicht mehr erleben werde“, sagt der Ruheständler. Ingrid Rechter hofft nun auf Beistand durch die Politik in Altdorf. Vielleicht kann das Rathaus auf den Forstbetrieb einwirken. Der Lärmschutz für Röthenbach sei dabei sicher ein starkes Argument.

Außerdem baut die Grundschullehrerin darauf, dass sich am Ort Mitstreiter finden gegen die Forstmaßnahme, die bis unmittelbar an die Ortsgrenze reicht.

In Feucht ließ die Autobahndirektion Nordbayern den Bewuchs entlang der Lärmschutzwand an der A9 zwischen Gauchsbach und B8 ausholzen. Die Maßnahme galt zum einen der Verkehrssicherung auf der Autobahn, zum anderen der Pflege der Böschung, wie die Behörde mitteilte. Dabei fielen viele und auch von außen gut aussehende Bäume. Einigen Anwohnern erschien die Maßnahme zu radikal. Für die Autobahndirektion Nordbayern war die Ausholzung eine Routine-Angelegenheit, die jeden Winter an den Böschungen entlang der Autobahnen durchgeführt wird – an derselben Stelle allerdings nur etwa alle zwanzig Jahre.

Die Böschungen an der A 9 bei Feucht hat die Autobahndirektion Nordbayern durchforsten lassen – zu radikal wie einige Leser finden.2017/02/Holzeinschlag-Feucht.jpg

 

Jörg Wendefeuer, der im Amselweg wohnt und mit seinem Hund regelmäßig zwischen Gauchsbach und Zeidlersiedlung spazieren geht, war schockiert, wie viel Holz dort fallen musste. Seiner Ansicht nach hätte es bei vielen der Bäume gereicht, die Kronen auszuschneiden. „Einige Bäume standen nicht mal in der Nähe der Autobahn“, sagt Wendefeuer. „Direkt am Weg wuchs ein dicker Baum, der sicher sehr alt war. Von ihm ist nur noch der Stumpf übrig.“ Schade findet er auch, dass viele Bäume gefällt wurden, die höher als die Lärmschutzwand waren. „Dadurch hatten wir im Sommer, wenn alles belaubt ist, einen wunderbaren, erhöhten Lärmschutz.

Auf staatlichem Grund

Ob ein Baum die Sicherheit gefährdet, hat nichts mit Größe oder Alter zu tun“, sagt Bürgermeister Konrad Rupprecht. „Die Arbeiten fanden auf staatlichen Grundstücken statt, auf denen die Autobahndirektion für Sicherheit sorgen muss.“ Mitte Januar hatte die Marktgemeinde eine Meldung veröffentlicht, in der sie Bürgerinnen und Bürger über die Ausholzungsarbeiten ab dem 23. Januar informierte (wir berichteten).

Für die Autobahndirektion ist eine Ausholzung wie diese Usus. „300 Kilometer Autobahn hat die Autobahndirektion Nordbayern zu betreuen“, erklärt Sachgebietsleiter Markus Bindnagel. „Das macht 600 Kilometer Böschung.“ Da könnten nicht auf jedem Abschnitt jedes Jahr aufs neue die Bäume überprüft und zurück geschnitten werden. Deswegen tätige man in längeren Zeitabständen größere Eingriffe.

Wo die mit der Ausholzung beauftragte Firma zugange war, sieht es zunächst einmal kahl aus. „Die Sträucher werden im Frühjahr wieder austreiben“, sagt Bindnagel. „Die Großbäume treiben allerdings nicht mehr aus“, räumt er ein. Sie wurden abgeholzt, weil sie Weichgehölze sind. Der Baum direkt am Weg etwa war, laut Bindnagel, „eine Pappel, ein extrem bruchgefährdeter Baum.“ Eine Eiche an dieser Stelle hätte man keinesfalls gefällt.

Die gleiche Maßnahme soll im nächsten Winter, in der brutfreien Zeit zwischen Anfang Oktober und Ende Februar, auf einem zweiten Teilbereich nördlich des Gauchsbachs stattfinden.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten