Altdorfs Pfarrerin Kronenberg über ihr neues Leben in Kenia

„Die Vertrautheit werde ich vermissen“

Pfarrerin Ursula Kronenberg an alter Wirkungsstätte vor dem weihnachtlich geschmückten Altar der Laurentiuskirche. | Foto: Magdalena Mock2018/12/Altdorf-Pfarrerin-Ursula-Kronenberg.jpg

ALTDORF – Pfarrerin Ursula Kronenberg verlässt Altdorf nach acht Jahren, um mit „MissionEineWelt“ (eine Einrichtung der bayerischen Landeskirche, die Kontakt mit den Partnerkirchen in Übersee pflegt und Austauschprogramme organisiert) nach Tansania zu gehen. Zusammen mit ihrem Mann wird sie in Ilembula im Distrikt Njombe im südlichen Hochland leben und dort arbeiten. Sie als Pfarrerin, er als Chirurg. Die Ausreise ist für den 4. März geplant. Am 13. Januar nimmt sie in einem Gottestdienst ihren Abschied als Altdorfer Pfarrerin. Mit dem Boten spricht Kronenberg über ihre Zeit in Altdorf und den Aufbruch in das neue Leben, das sie erwartet.

Wenn Sie eine Bilanz für Ihre Zeit in Altdorf ziehen, was bleibt Ihnen im Gedächtnis?

Ursula Kronenberg: Die großen Projekte zusammen mit dem Kirchenvorstand waren sicher das neue Evangelische Haus, die Umgestaltung des Friedhofs und die Pfarreigründung der Kirchengemeinden Altdorf mit der Kirchengemeinde Eismannsberg. Es war insgesamt ein ganz inniges Miteinander und eine gute Arbeitsatmosphäre. In unserem Leitungsteam haben wir die vielen Fragen, die in der Gemeinde aufkommen, stets zusammen diskutiert und entschieden.

Für manche Ideen haben Sie aber auch gekämpft, beziehungsweise nicht locker gelassen. Zum Beispiel bei der Öffnung und Modernisierung der Kirche. Wie haben Sie das in Altdorf erlebt?

Kronenberg: Wichtig ist, sich etwas zu trauen. Es macht viel Spaß, zusammen mit dem Kirchenvorstand, etwas zu wagen, zu sehen, wie es wirkt, Dinge weiter zu entwickeln. Zum Beispiel die Anlage der neuen Urneninseln auf dem Friedhof. Oder die Öffnung der Laurentiuskirche für die Altdorfer Künstler als Ausstellungsort. Das war besonders. Was mich so sehr gefreut hat, war, wie die Künstlerinnen und Künstler sich nach anfänglicher Skepsis und dem großen Aufwand bei der Eröffnung der Vernissage gefreut haben. Ein weiteres Beispiel: ein Konzert der SoulBuddies in der Kirche. Ich war völlig erstaunt, als ich in die Kirche kam und der Altar verschwunden war. Man hatte ihn so in schwarze Tücher gehüllt, dass er optisch nicht mehr sichtbar war, und damit eine Bühne geschaffen. Es ist schön, sich überraschen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass die Veranstalter auch sorgsam mit den Dingen umgehen, die uns wichtig in der Kirche sind.

Was war das schönste Erlebnis, das Sie während ihrer Zeit als geschäftsführende Pfarrerin hatten?

Kronenberg: Das Schönste, das ich miterlebt habe, war die Eröffnung des neuen Evangelischen Hauses am Schlossplatz letztes Jahr im Juli. Es war ein langer Weg dahin. Wir hatten mit vielen Behörden zu tun. Die staatlichen auf der einen und die kirchlichen auf der anderen Seite. Wir haben die ganze Zeit über darauf hingefiebert, dass das Haus fertig wird, und verloren dabei nicht die Vorstellung aus den Augen, wie wir bei der Eröffnung des Hauses in diesem schönen großzügigen Foyer gemeinsam anstoßen – und so war es dann auch.

Was zieht Sie nach Tansania?

Kronenberg: Wir haben drei erwachsene Kinder. Also haben wir uns gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir lebten schon einmal vier Jahre in Tansania, von 1996 bis 2000. Unsere jüngste Tochter ist dort geboren. Wir haben immer gesagt, dass wir noch einmal zurückgehen. Die Frage war nur, warten wir bis zum Ruhestand oder gehen wir jetzt? Wir haben uns entschieden, jetzt zu gehen: Was man wirklich machen will, sollte man gleich machen. Jetzt haben wir noch die Kraft und Lust und den Elan, den man für eine solche Unternehmung braucht.

Für viele ist es sicher unvorstellbar, alles Vertraute zurückzulassen und ein neues Leben in einem fremden Land zu beginnen. Für Sie ist das anders, da Sie schon einmal dort gelebt haben. Ist Ihnen trotzdem etwas bange?

Kronenberg: Ein bisschen schon, aber wir haben hier einen kleinen Vorteil. Das erste Mal fährt man wirklich ins Ungewisse und weiß nicht genau, was einen erwartet. Aber jetzt kommen wir tatsächlich eher zurück in unser zweites Zuhause. Seit wir wieder in Deutschland lebten, sind wir trotzdem immer mal wieder in den Sommerferien nach Tansania zurückgekehrt. So haben wir das Gefühl für Land und Leute behalten.

Was haben Sie damals gemacht?
Kronenberg: Wir sind mit „Mission EineWelt“ ausgereist. Damals hatte mein Mann den Vertrag und ich habe ihn als Ehefrau begleitet. Unsere Kinder waren zwei und vier Jahre alt. Ich war für diesen Zeitraum beurlaubt. Im Endeffekt sah es dann so aus, dass ich an der Schwesternschule Englisch unterrichtet habe und schließlich sogar ehrenamtlich die Schatzmeisterin des Krankenhauses war, in dem mein Mann arbeitete.

Was kommen für Aufgaben jetzt auf Sie zu?

Kronenberg: Der Vertrag geht über drei Jahre, mit der Möglichkeit ihn um weitere drei zu verlängern. Wir wandern also nicht aus, wir wandern nur dort hin und dann wandern wir wieder zurück. Ich habe diesmal selbst einen Vertrag und arbeite dort als Pfarrerin. Nicht wie hier in Altdorf, sondern als Gemeindeberaterin in der Süddiözese. Ich werde in vielen Gemeinden unterwegs sein. Ich bin nicht gebunden, sondern habe die Freiheit, in unterschiedlichen Gemeinden ansprechbar zu sein.

Das Werkzeug des Pfarrers ist die Sprache – und in Tansania gibt es 125. Wie verständigen Sie sich?

Kronenberg: Die brauche ich zum Glück nicht alle zu lernen (lacht). Viele Leute sprechen auch Englisch, aber die Hauptsprache in den Gemeinden ist Kiswahili. Wenn ich mein Amt als geschäftsführende Pfarrerin abgegeben habe, wird wieder viel Platz in meinem Kopf sein, um die neue (alte) Sprache zu lernen.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Kronenberg: Wir freuen uns darauf, in Tansania alte Freunde wieder zu treffen. Ich bin auch sehr gespannt darauf, tatsächlich in der Evangelischen Kirche zu arbeiten. Die tansanische Kirche zu entdecken finde ich sehr spannend. Manches weiß ich, anderes ahne ich, manches habe ich schon mal gehört. Ich freue mich sehr darauf, mit Kolleginnen und Kollegen zusammen zu arbeiten – und dazu auch die Zeit zu haben.

Werden Sie auch etwas vermissen?

Kronenberg: Ja, vor allem die Menschen. Ich habe zum Beispiel eine ganz liebe Weihnachtskarte von einem über 80-Jährigen aus der Gemeinde erhalten, in der er schrieb, dass wir uns wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr sehen, sondern erst im nächsten. Das berührt mich sehr. Ja, die Nähe und die Vertrautheit dieser Menschen hier in Altdorf werde ich sehr vermissen.

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock