150 Jahre Bienenzuchtverein Altdorf

„Die Biene ist ein Multitalent“

Gemeinsam für den Schutz der Bienen: Die Mitglieder des Bienenzuchtvereins mit Landrat Armin Kroder, Bürgermeister Erich Odörfer, der Kreisbäuerin Marion Fischer und der Honigprinzessin Doris Grünbauer. | Foto: Voss2018/06/Altdorf-bienen_gruppenbild.jpg

ALTDORF – Roland Kuhnke ist seit 28 Jahren Imker. Der 1. Vorstand des Bienenzuchtvereins Altdorf und Umgebung wird nachdenklich, als er über die Lebensbedingungen von Bienen spricht: „Die Landschaften sind ausgebaut und geleert. Dazu der monotone Feldanbau, der Klimawandel und die Globalisierung. Wir erleben vermehrt Völkerverluste.“ Am vergangenen Wochenende feierte der Verein mit Ehrengästen sein 150-jähriges Jubiläum. Ein Blick zurück mit Stolz und dem Appell für ein nachhaltiges Miteinander von Landwirtschaft und Imkerei.

Mehr als 100 Mitglieder zählt der Bienenzuchtverein, der zu den ältesten Altdorfer Vereinen gehört und im Nürnberger Land der älteste Imkerverein ist. Zu den Feierlichkeiten am Lehrbienenstand waren neben zahlreichen Vereinsmitgliedern Landrat Armin Kroder, Bürgermeister Erich Odörfer, Karin Weih, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht eG, die Bayerische Honigprinzessin Doris Grünbauer und Kreisbäuerin Marion Fischer gekommen.

Idealismus und Aufklärung

Wie existenziell bedroht die Bienen sind, verdeutlichte Vorstand Kuhnke anhand von Zahlen: „Ein einzelnes Bienenvolk bestäubt bis zu 6 Millionen Blüten am Tag. Das Völkersterben löst eine Kettenreaktion aus: von weniger Obst bis hin zu Nachteilen für Insekten und die Vogelwelt.“ Kuhnke kennt beides; Ausfalljahre und Jahre, in denen kein Völkersterben zu verzeichnen ist: „Von 2016 auf 2017 haben alle Bienen überlebt, ein Jahr später haben wir vier Bienenvölker verloren.“

Idealismus macht einen großen Teil der Arbeit im Verein aus, der mit Aktionen wie dem Probeimkern für Interessierte am Lehrbienenstand, dem Tag des offenen Lehrbienenstandes jeden ersten Samstag im Monat und dem samstäglichen Honigverkauf den Schutz der Bienen in das Bewusstsein der Bevölkerung ruft. Die Vereinsmitglieder freuten sich bei den Feierlichkeiten über finanzielle Zuwendungen des Landkreischefs, des Bürgermeisters und der Raiffeisenbank.

Bienen systemrelevant

In seinem Grußwort betonte der erste Vorstand die Bedeutung der Säulen, auf denen die Vereinsarbeit fußt: „Tradition, fortlaufende Entwicklung, aber auch Verantwortung für die Zukunft.“ Die trägt der Verein traditionell, schon 1914 wurden für die Altdorfer bienenfreundliche Pflanzen ausgegeben. Aufklärungsarbeit wird nicht nur bei Schülern, sondern auch mit Infoveranstaltungen in den Seniorenheimen geleistet. Man brauche die Öffentlichkeit und die Unterstützung der Politik, betonte Kuhnke.

Das sicherte ihm der Landkreischef zu: „Man kann sagen, die Bienen sind systemrelevant“, unterstrich Kroder. Die Politik werde die Imkerei daher nach Kräften unterstützen. Im Kreisberatungsausschuss kommen alle Vertretungen aus der Landwirtschaft zusammen und seit vielen Jahren gehören auch Vertreter der Imkerei dazu, ein ebenso wichtiger wie positiver Dialog. „Wir müssen über die Bedeutung der Bienen öffentlich noch mehr erzählen. Ihr dürft stolz sein, der älteste Verein im Nürnberger Land zu sein“, betonte der Landrat und dankte den Vereinsmitgliedern für deren ehrenamtliches Engagement und wertvollen Beitrag zum Schutz der Kulturlandschaft.

Verlust der Biodiversität

Der Altdorfer Rathauschef schloss sich diesem Dank an: „Sie tun etwas für Umwelt- und Naturschutz und geben das an junge Menschen weiter. Das verdient große Wertschätzung.“ Auch Odörfer bezog sich auf alarmierende Zahlen: „Über 75 % aller Nutz- und Kulturpflanzen in Europa sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Mit dem Bienensterben droht ein Verlust der Biodiversität.“

Die Stadt Altdorf werde daher den Verein weiterhin unterstützen und nicht nur interessierten Hobbyimkern Grundstücke als Nutzungsflächen anbieten, sondern auch das derzeit von der Bahn gepachtete Grundstück des Lehrbienenstandes erwerben, um den Standort für den Verein dauerhaft zu sichern. „Machen Sie weiter so, Sie leisten hervorragende Arbeit“, betonte der Bürgermeister anerkennend. Wertschätzende Worte für die Traditionspflege und das große Engagement des Bienenzuchtvereins fand auch Karin Weih.

„Ganz unschuldig ist die Landwirtschaft am Bienensterben nicht“, räumte Kreisbäuerin Marion Fischer ein. Jedoch habe ein Umdenken stattgefunden. In den letzten Jahren seien Blühstreifen und Blühwiesen zum Schutz der Bienen angepflanzt worden.
Jeder einzelne Verbraucher könne viel tun, betonte Fischer und auch im privaten Garten Raum für Insekten schaffen. Die Honigprinzessin brachte es auf einen Nenner: „Wenn wir zusammenarbeiten, kann für die Landwirtschaft und die Imker etwas Gutes dabei herauskommen.“

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss