TVA-Coach Raddatz im Interview

„Die Altdorfer hatten einen Glücksjahrgang“

Zettel in der Hand und einen Plan im Kopf: Mike Raddatz glaubt fest an den Klassenerhalt seines TVA, zittern muss er dennoch bis zum Schluss. | Foto: kk2018/03/DSC_0571.jpg

ALTDORF – Zwei Spiele noch, dann ist die Saison für die Altdorfer 3. Liga-Volleyballerinnen schon wieder vorbei. Dummerweise ist der Spielplan heuer jedoch so ungünstig gestaltet, dass die TVA-Mädels auch nach ihren beiden finalen Heimspielen am Samstag (gegen TV Hammelburg) und Sonntag (DJK Sportbund München) weiter ziemlich in der Luft hängen. Klassenerhalt oder Abstieg – das werden die Altdorferinnen erst wissen, wenn drei Wochen später Konkurrent TV Dingolfing seine letzte Partie absolviert hat. Der Bote hat vorab mit TVA-Coach Mike Raddatz über die vertrackte Situation im Endspurt, die Ursachen des Abschwungs und seine eigene Zukunft gesprochen.

Am kommenden Wochenende steht für Ihre Damen und Sie mit den zwei Heimspielen gegen Hammelburg und München das große Finale an. Was überwiegt im Moment mehr, die Vorfreude oder die Angst vor dem möglichen Abstieg?

Mike Raddatz: Bei mir persönlich überwiegt die Vorfreude, weil wir jetzt die Chance haben, selbst noch einmal aktiv ins Geschehen einzugreifen. Ich bereite die Mädels allerdings auch nur auf das große Finale vor. Spielen müssen Sie es selber. Ich glaube aber, dass bei ihnen der Druck vorab größer ist, als dann in den Spielen selbst.

Kurios ist, dass Sie selbst bei zwei Siegen womöglich nicht gerettet sind, sondern bis zum 7. April warten müssen, bis ihr Hauptkonkurrent TV Dingolfing sein letztes Saisonspiel absolviert hat.

Raddatz: So eine Situation hatte ich in meiner Karriere bislang auch noch nicht. Das werden auf jeden Fall nervtötende Wochen, bis wir wissen, ob wir den Klassenerhalt geschafft haben, oder nicht. Wir müssen jetzt aber erstmal unsere beiden Spiele gewinnen.

Sie haben während der Saison für Toni Juric beim TVA übernommen. War Ihnen damals schon klar, dass es am Ende knapp werden könnte?

Raddatz: Wenn eine Mannschaft so deutlich da unten drinsteht, dann kann nicht alles gut gewesen sein. Dass wir nach meiner Amtsübernahme nicht sofort den Schalter umlegen würden – gerade weil die Mannschaft so jung ist – war mir bewusst. Man kann einfach nicht von 15-, 16-Jährigen erwarten, dass sie entspannt 3. Liga spielen. Auch wusste ich, dass der TV Fürth, wo aktuell viele meiner ehemaligen Spielerinnen vom VfL Nürnberg untergekommen sind, nicht da unten bleiben würde. Dass es knapp werden würde, war mir also klar. Aber das war für mich bei meiner Entscheidung, Altdorf zu übernehmen, nicht relevant. Ich hatte einfach Lust darauf – auch wenn ich wusste, dass ich am Ende vielleicht nicht der Heilsbringer sein werde, der den Klassenerhalt geschafft hat.

In den letzten Jahren ging es für den TVA eigentlich nur bergauf, sogar der Aufstieg in die 2. Liga war kurzzeitig mal ein Thema. Ist der Abschwung in dieser Saison deshalb ausschließlich mit den enormen Personalproblemen zu erklären?

Raddatz: Das ist für mich schwer zu beantworten. Grundsätzlich muss sich ein Verein mit so einer starken Jugend-Ausrichtung die Frage stellen, ob einem die 2. Liga überhaupt gut tut. So viele Mega-Talente, die problemlos in dieser Klasse spielen könnten, gibt es nicht. Das bedeutet, dass man sein Konzept in der 2. Liga dann extrem überdenken müsste. Grundsätzlich muss man sagen, dass die Altdorfer eine goldene Generation, einen unglaublichen Glücksjahrgang hatten, der über Jahre zusammengespielt hat. Aber es ist auch klar, dass so ein Kader irgendwann ausfranst, weil die Spielerinnen schwanger werden, studieren oder für einen Job umziehen müssen. Im Moment ist unser großes Problem, die Einbindung von Leistungsträgerinnen mit Doppelspielrecht (Spielerinnen dürfen/müssen in anderen Mannschaften auflaufen und trainieren, Anm. d. Red.). Es ist einfach schwierig mit einem Team etwas zu entwickeln, wenn nicht immer alle Spielerinnen da sind. Wir konnten bislang eigentlich noch nie in Mannschaftsstärke trainieren.

Wenn man sich beim TVA umhört, heißt es, ein Abstieg in die Regionalliga wäre zwar nicht schön, aber auch kein Beinbruch. Was denken Sie darüber?

Raddatz: Ich verstehe den Verein dahingehend, dass man in der Regionalliga junge Spielerinnen sicher besser einbauen und fördern kann. Allerdings darf man nicht vergessen, dass man dann in der Regionalliga sicher auch die ein oder andere Leistungsträgerin verlieren wird. Außerdem ist die Konkurrenz um die Spielerinnen dort deutlich größer, da es in dieser Klasse eben viele Vereine aus dem Großraum Nürnberg gibt und man dann schon gute Argumente haben muss, warum einen Spielerin in Altdorf bleiben sollte.

Machen Sie ein weiteres Engagement beim TV Altdorf vom Klassenerhalt abhängig?

Raddatz: Wir wollen jetzt erstmal die Saison zu Ende spielen. Mir ist es immer ganz wichtig, ein Gefühl für die Mannschaft und den Verein zu bekommen. Mit der Liga hat das gar nicht so viel zu tun. Wenn ich als Trainer aktiv bin, möchte ich vor allem etwas entwickeln.

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann