Wolfgang Haffner in Altdorf

Der Weltstar zu Gast bei Freunden

Wolfgang Haffner, international gefeierter Jazz-Schlagzeuger, macht auf seiner Kind-of-Spain-Tour Station in seiner Heimatstadt Altdorf. Die Tour begann im vergangenen Jahr im südwestafrikanischen Namibia und endet im November in Tokio. Am Ende des Konzerts im Universitätshof sagt er: „Das Bild nehme ich mit, das fliegt mit mir um die Welt. Das ist Heimat.“ | Foto: Mock2018/07/Altdorf-Haffner.jpg

ALTDORF – Was haben Windhoek, Tokio und Altdorf gemeinsam? Ein Konzert, das seinesgleichen sucht. Der international gefeierte Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner hat vergangenen Freitag mit seiner „Kind of Spain“-Tour, die im Oktober 2017 in Namibia begonnen hat und im November diesen Jahres in Tokio enden wird, seiner alten Heimatstadt die Ehre gegeben. Im ausverkauften Wichernhaushof ließ er mit seiner Band Musik voll feinsinniger Melancholie und packender Passion erklingen.

„Was könnte passender sein, als zum Ende der Wallenstein-Festspiele einen Weltstar zu engagieren, der im Kern Rummelsberger, im Herzen Altdorfer und sogar ein kleines bisschen Wallensteiner ist?“, fragt Gastgeber Ernst Bergmann, nun vom waldartigen Bartwuchs befreit. Jazz-Star Wolfgang Haffner, der dieses Jahr im Schwedengewand mit Landsknechttrommel am Festzug teilgenommen hat, freut sich sichtlich, in Altdorf zu spielen.

Introvertiert und angenehm

Er ist aufgeräumt, scherzt mit dem Publikum, rühmt seine alte Heimatstadt vor seinen Berliner Bandkollegen. Mit dem offenen weißen Hemd, hochgerollten Ärmeln, Weste, schwarzen Jeans und Convers verströmt er die Nonchalance eines amerikanischen Barkeepers. Passend lässig sind seine ersten beiden Stücke. Er eröffnet den Abend mit Musik seines Albums „Kind of cool“.

Präzise und unaufdringlich nutzt er Jazzbesen und Drumsticks, setzt wirkungsvolle Akzente. Darüber legt Christopher Dell ein virtuoses Vibrafon-Solo, bei dem einem von der Geschwindigkeit der fliegenden Schlägel schier schwindelig wird. Voll musikalischen Witzes mit punktuell eingesetztem Becken ist das zweite Stück aus dem Album „Shapes“ von 2008.

Introvertiert und angenehm unaufgeregt: Wolfgang Haffner und Band im Universitätshof. | Foto: Mock2018/07/Altdorf-Haffner1.jpg

Die Kostproben, die Haffner aus seinem neuem Konzeptalbum „Kind of Spain“ gibt, haben außer dem mitreißenden und vorwärts drängenden „El vito“ wenig mit impulsiv-überbordender Flamenco-Jazz-Fusion zu tun. Der Jazz-Star und seine Band interpretieren die spanischen Themen so individuell, dass diese zwar nach wie vor unverkennbar und typisch bleiben, aber dennoch einen neuen, eigenen Charakter erhalten. Haffners spanische Stücke sind introvertiert und angenehm unaufgeregt. Ihr weicher, oft folkloristischer Sound transportiert eine warme Melancholie.

Balladen wie „Tres Notas para Decir Te Quiero“ und „Salinas“ sind zart, mit anmutig fließendem Jazzpiano, getragenen Vibrafonklängen und voll sehnender Untertöne. Das liebliche „Concerto de Aranjuez“ entlockt manchem im Publikum einen Seufzer. Die atmosphärischen Klanglandschaften, die von Roberto Di Gioia am Klavier und Dell am Vibrafon als Melodieträger geschaffen werden, eröffnen dem Zuschauer Raum zum Träumen.

„Das ist Heimat“

Ab und an übernimmt auch Christian Diener am Bass keck die Führung der Melodie. Gitarre und Trompete, wie sie auf der Aufnahme des Albums zu hören sind, fehlen in der Besetzung des Abends.

Die Lichtshow passt sich stimmungsvoll an den Charakter des jeweiligen Songs an und taucht den Hof der ehemaligen Universität entweder in mysteriöses Lila, lebensfrohes Orange, cooles Blau oder feuriges Rot. Das gut zweieinhalbstündige Konzert vergeht wie im Flug.

„Das Bild nehme ich mit, das fliegt mit mir um die Welt. Das ist Heimat“, sagt Wolfgang Haffner bei den Standing Ovations nach der ersten Zugabe, einem fetzigen Potpourri aus den Alben „Shapes“ und „Heart of the Matter“, gerührt. „Ich will noch gar nicht aufhören“, gibt er zu und lacht herzlich. Haffner verabschiedet sich schließlich mit „Silent Way“, das in seiner melodischen Friedlichkeit, rieselnden Chimes und getragenen Schönheit fast an ein Schlaflied erinnert. 

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock