Raiba-Weihnachten

Nach Finanzkrise sorgen sich Regionalbanken um ihren Ruf

„Das tropft zu uns nach unten“

DU-Finanzexperte Ralph Brinkhaus (rechts) kann die Sorgen der Regionalbanken weitgehend nachvollziehen und verspricht, sich für deren Belange einzusetzen. | Foto: Geist2017/08/Altdorf-Bankenregulierung-Mortler-Duenkel-Brinkhaus-2-1.jpg

ALTDORF – Weil große Banken Misswirtschaft betrieben und die Finanzwelt 2008 in eine tiefe Krise gestürzt haben, reguliert Europa zunehmend den Bankbetrieb. Darüber klagen nun kleine Häuser wie die Volksbanken-Raiffeisen-banken. Deren mittelfränkische Vertreter haben mit Unions-Finanz-experte Ralph Brinkhaus über Bankenregulierung und Bankenaufsicht diskutiert. Dabei riet er den Regionalbanken unter anderem, sich mit ihren Produkten zu identifizieren und als Ansprechpartner vor Ort dem angekratzten Banker-Image entgegenzutreten.

Brinkhaus sitzt seit 2009 im Deutschen Bundestag und arbeitet seit 2013 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für den Bereich Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik. Im Raiffeisensaal präsentierte er zunächst vier große Trends des Finanzwesens. Erstens: „Auf europäischer Ebene wird versucht, alles was mit Banken zu tun hat, zu europäisieren.“ Zweitens: „Die Politik hat panische Angst, dass eine Finanzkrise wie 2008 nochmal passiert.“ Drittens: „Die Banken sind insgesamt nicht gerade populär.“ Viertens: „Beim Verbraucherschutz ist seit 2008 ziemlich angezogen worden.“

Image-Problem der Regionalbanken

Das Image-Problem bekommen auch Regionalbanken wie die Volksbanken-Raiffeisenbanken zu spüren, obwohl sie laut Brinkhaus gar nichts dafür können. „Da geht es Ihnen so wie uns Politikern“, meinte der CDU-Abgeordnete. Kaum einer habe eine gute Meinung von „den Politikern“ oder „den Bänkern“, wohl aber von dem eigenen Bankberater oder von Frau Mortler. Dem stimmte auch Manfred Göhring, der mittelfränkische Verbandspräsident der Volksbanken-Raiffeisenbanken, zu. Er stelle etwa einen Rückgang bei Bewerbungen fest, Bankberufe seien anders als früher nur noch bedingt attraktiv. „Wenn ein Vorstand der Commerzbank oder Deutschen Bank 500 000 Euro verdient, dann vergiftet das den Brunnen Bankenbranche“, meinte Göhring, „und solange die Branche immer wieder schlechte Beispiele liefert, tropft das bis zu uns nach unten“. Dagegen helfe, sich als Regionalbank über das eigene Produkt zu definieren und Mitarbeiter zu beschäftigen, die sich mit dem Unternehmen identifizieren.

Diskutierten im Raiffeisensaal (von links): Dr. Gerhard Walther (stellvertretender Bezirkspräsident der Volksbanken-Raiffeisenbanken), Manfred Göhring (Bezirkspräsident der Volksbanken-Raiffeisenbanken), MdB a.D. Hansgeorg Hauser, MdL Norbert Dünkel, MdB Marlene Mortler, MdB Ralph Brinkhaus, Markus Graßer (Regionalleiter Franken des Genossenschaftsverbandes Bayern) und Walter Engelhardt (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht). | Foto: Geist2017/08/Altdorf-Bankenregulierung-Mortler-Duenkel-Brinkhaus-1.jpg

„Wenn Herr Weißhäupl einen Kunden übers Ohr haut, braucht er sich auf der nächsten Kirchweih nicht mehr sehen lassen“, sagte Brinkhaus exemplarisch, „es sind Ihre eigenen Leute, denen Sie Ihre Produkte verkaufen“. In der Londoner Finanzwelt interessiere sich niemand für das eigentliche Produkt, dort zähle allein die Rendite. Die Regionalbanken aber müssten sich so mit ihrem Produkt identifizieren wie die Unternehmen in Brinkhaus‘ nordrhein-westfälischer Heimat Gütersloh. „Wenn Sie bei Miele oder Claas nach dem Erfolg ihrer Produkte fragen, dann bekommen Sie keine Zahlen zur Antwort. Die sagen: Wir bauen die besten Mähdrescher der Welt. Beziehungsweise die besten Waschmaschinen der Welt.“

„Kein Artenschutzabkommen“

Diese Ansicht teilte auch Göhring, jedoch fürchtet er eine um sich greifende Bankenregulierung, die auf die großen Institute abziele, aber ebenso kleine Banken treffe. „Wir wollen kein Artenschutzabkommen von der Politik, aber wenn uns als regionalen Playern der Garaus gemacht wird, dann gehen Wettbewerb und Verbraucherschutz verloren“, sagte Göhring und übte Kritik an enorm steigendem Arbeitsaufwand und einer Dokumentationsflut, die mit steigender Bankenregulierung einhergehe. „Die Statistikfreaks würden auch noch ihre Schuhgröße nehmen“, meinte Brinkhaus darauf mit einem Schmunzeln und stimmte Göhring in dessen Einschätzung zu, dass die erhobenen Daten mutmaßlich gar nicht umfassend verarbeitet werden könnten. Die politischen Entscheidungen auf Europa-Ebene seien per se gar nicht das Problem. Jedoch glichen sie einem Eisberg – ein Gesetz bilde immer nur die Spitze der Regulierung. Deshalb forderte Brinkhaus „einen Kundendienst am Gesetz, ein After-Sales-Managemenet“. Soll heißen: Die Politik sollte mehr darauf achten, was aus den Gesetzen wird, die sie verabschiedet hat.

Maß und Mittel beim Verbraucherschutz

Zudem brachte Brinkhaus den Begriff der Small Banking Box ins Spiel – ein Instrument, für das Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wirbt. Demnach sollen die Belange kleinerer Banken in den EU-Regelwerken für die Bankenregulierung mehr Beachtung erfahren. Die Idee zu platzieren, sei der erste Schritt. Regulatorische Erleichterungen dürfe man sich jedoch nicht sofort versprechen. Brinkhaus plädierte in der gut zweieinhalbstündigen Diskussion auch für Maß und Mittel beim Verbraucherschutz. „Verbraucherschutz hat immer zwei Paare, die auseinanderlaufen: Schutz versus Bevormundung und Information versus Bürokratie“, meinte Brinkhaus und Göhring berichtete aus der Praxis: „Früher hatte ein Kreditvertrag zwei Seiten, heute sind es über 20. Da kennen sich die Menschen nicht mehr aus.“ Göhring formulierte deshalb provokant: „Wer schützt eigentlich die Verbraucher vor den Verbraucherschützern?“

Uneins waren sich Göhring und Brinkhaus lediglich bei der Bedeutung des Retail-Bereichs, also dem Vertrieb von Standard-Bankprodukten. Brinkhaus meinte, die Regionalbanken müssten sich darum weniger sorgen, denn sie hätten den gehobenen Mittelstand und damit den Träger der einzigartigen deutschen Wirtschaftsstruktur auf ihrer Seite. „Sie haben diese Familien-unternehmen groß gezogen. Und diese Unternehmen haben zwei Vorteile: Sie denken langfristig und sie sind standorttreu.“

„Ich nehme dich beim Wort“

Göhring entgegnete, den Retail-Bereich dennoch nicht zu unterschätzen, worin ihm auch der ehemalige Finanz-Staatssekretär Hans-Georg Hauser (CSU) zustimmte. „Ich glaube, viele Menschen sehen den europäischen Überbau positiv, aber sie wollen auch einen Ansprechpartner vor Ort und ihre Verhältnisse hier geordnet wissen. Weltoffen auf der einen Seite, bodenständig auf der anderen.“

Das sieht auch Bundestags-abgeordnete Marlene Mortler (CSU) so, die Brinkhaus‘ Besuch überhaupt möglich gemacht hatte. Sie nahm ihren Fraktionskollegen zum Ende in die Pflicht: „Du hast gesagt, alles zu tun, dass die Regionalbanken eine Zukunft haben. Ich nehme dich beim Wort. Denn das Modell vor Ort muss eine Chance haben.“

N-Land Christian Geist
Christian Geist