MdB Dieter Janecek stellte sich der Diskussion mit Trassengegnern und Parteifreunden

Bundes- und Landes-Grüne pro Netzausbau

Dieter Janecek (Mitte, mit Mikro) verteidigte im Sportpark die grüne Unterstützung des Netzausbaus. Links Moderator Matthias Grobleben, neben ihm Hubert Galozy, einer der Sprecher des Aktionsbündnisses, rechts neben Janecek Richard Mergner vom BN und die beiden Altdorfer Grünen-Stadträte Margit Kiessling und Eckart Paetzold. Fotos: Blinten2016/11/Janecek.jpg

ALTDORF – Mit Dieter Janecek wagte ein Bundestagsabgeordneter der Grünen die Konfrontation mit Vertretern von Bürgerinitiativen gegen den Bau von Stromtrassen. Janecek befürwortet den Netzausbau. Für die Energiewende ist er nach seiner Überzeugung zwingend nötig. Ganz anders sehen das die Gegner: Neue Stromleitungen bremsten vielmehr die Entwicklung dezentraler Versorgungsstrukturen aus, sagen sie. Der Erkenntnisgewinn nach zweistündiger Diskussion freilich war gering. Neue Aspekte in Sachen HGÜ- und 380kV-Leitungen kamen nicht auf den Tisch.

Wie denn auch angesichts des hochkomplexen Themas, bei dem es um Physik ebenso wie um Ökonomie und Ökologie geht. Moderator Matthias Grobleben vom einladenden Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse gab zwar sein Bestes, um die Diskussion im Sportpark nicht ausufern zu lassen. Trotzdem blieb nach zwei Stunden kaum noch Zeit zur Auseinandersetzung mit dem Thema Lobbyismus. Dabei hatten sich die Veranstalter gerade dazu Hintergrund-Informationen von Janecek erhofft.

Schwierige Meinungsbildung

Neben Janecek stand Richard Mergner vom Bund Naturschutz am Podium. Der Landesbeauftragte des BN stellte eine bemerkenswerte Forderung in den Raum: Einen Diskurs wolle er, „der so durchschaubar ist, dass man sich als Bürger eine Meinung bilden kann.“ Wer sich aber nach dem Diskurs im bis auf den letzten Platz vollen Sportparksaal eine Meinung bilden wollte, ob der Netzausbau nun nötig oder überdimensioniert ist, wurde enttäuscht. Janecek hält ihn zwar für nötig, räumt aber ein, dass daneben sicher auch dezentrale Strukturen zur Energieversorgung aufgebaut werden müssen. Die Aktivisten gegen die Stromtrassen sowie die hiesigen Grünen halten ihn dagegen für überdimensioniert, sehen in ihm eine Geldmaschine für die Netzbetreiber und bezeichnen die planende Bundesnetzagentur als befangen.

Zu behaupten, mittlere und große Industriebebtriebe könnten problemlos mit alternativen Energien versorgt werden, ist aus Janeceks Sicht abenteuerlich. Die heutige Speichertechnik reiche nicht aus, um eine solche Versorgung zu gewährleisten, deshalb seien Transportkapazitäten für Strom von Nord nach Süd nötig. Nein, diese Kapazitäten würden lediglich für einen europäischen Stromhandel geschaffen, bei dem auch Atomstrom eine Rolle spiele, sagt Werner Merkel vom Aktionsbündnis dazu.

Für dezentrale Strukturen

Mergner hält Janecek entgegen, dass seine Aussagen zur Versorgungssicherheit der Industrie nicht stimmten. Als Kronzeugen benennt der Bund-Naturschutz-Mann dafür den Vorstandsvorsitzenden der N-Ergie, Josef Hasler. Der hat sich mehrfach gegen den Trassenausbau ausgesprochen und gefordert, eine dezentrale Stromversorgung zu forcieren.

Dass die klappen kann, zeigt das Beispiel Offenhausen. Die Altdorfer Grüne Margit Kiessling erinnerte daran, dass in Offenhausen sechsmal so viel Strom mit Windrädern erzeugt wird, wie man in der Gemeinde verbraucht. Nur: Wenn der Wind einmal nicht weht, dann fällt die Stromproduktion auf den Jura-Höhen aus. Vielleicht, sagt Janecek, kommt die Entwicklung der Speichertechnologie ja schneller voran, als heute gedacht. Doch kann man sich darauf verlassen? Energiesicherheit muss geplant werden. Womit wieder der Netzausbau ins Spiel kommt.

Schwarz-rot-grüne Koalition?

Dass die Grünen sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene diesen Ausbau unterstützen, ärgert auch Hubert Galozy vom Aktionsbündnis, ebenfalls am Podium im Sportpark. „Die Bürger tun sich zunehmend schwerer, Grüne zu wählen“, beschwerte sich der Weißenbrunner. Wie Richard Mergner vom BN sieht er die Grünen dabei in einer Schwarz-Rot-Grünen Koalition. „Wir sind deshalb froh, dass wir den Bund Naturschutz an unserer Seite haben.“ Froh wäre das Aktionsbündnis auch, wenn es bei der Spitze der Bundes- und Landesgrünen noch einen Meinungswechsel in Sachen Netzausbau geben würde.

Dabei ist es ja nicht nur die Spitze der Partei, die den Leitungsbau unterstützt. Janecek erinnerte daran, dass die Basis der Grünen den Netzausbau gemeinsam beschlossen hat. Außerdem: „Wenn ich in Landshut spreche, dann wollen die Leute, dass der Ausbau so schnell wie möglich kommt“, so der Abgeordnete. Landshut ist in direkter Nachbarschaft des Kernkraftwerks Isar I. Seine Befürchtung: Wenn sich Trassengegner und Politik jetzt fünf Jahre oder länger über Szenarien streiten, wie es weitergehen soll, dann bekommen nur diejenigen Auftrieb, die die Energiewende bekämpfen. Fest steht für ihn jedenfalls, dass der Stromverbrauch in Deutschland in Zukunft deutlich wächst – was Mergner wiederum anzweifelt. Der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz sprach sich in diesem Zusammenhang für höhere Steuern auf Strom, Gas und Öl aus.

Lagen die Positionen von Janecek, seinen örtlichen Parteifreunden und den Vertretern des Aktionsbündnisses in Sachen Netzausbau weit auseinander, so war sich der Abgeordnete am Ende in einem Punkt jedoch einig mit seinen Diskussions-Partnern: Die Stromnetze gehören eigentlich in die öffentliche Hand.

 

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten