Angebot von Landwirt Thomas Bobisch zu laufendem Volksbegehren

Bienen-Retter gesucht

Milchviehhalter Thomas Bobisch bewirtschaftet einen Betrieb mit 85 Hektar Fläche. Er bietet Patenschaften für Blumenwiesen an, auf denen Bienen und andere Insekten Lebensraum und Nahrung finden. Foto: Blinten2019/02/Hegnenberg-Bobisch-1.jpg

HEGNENBERG/KLEEDORF – Für Artenschutz zu unterschreiben, ist einfach. Möglicherweie wirkungsvoller allerdings ist es, Bienen und anderen Insekten Lebensraum zu bieten und die Tiere damit direkt zu schützen. Thomas Bobisch aus Hegnenberg richtet sich mit einem Angebot an alle, die sich für den Schutz der Insekten interessieren und das laufende Volksbegehren unterstützen.

Der Landwirt will einen Teil seiner Flächen als Bienenweiden zur Verfügung stellen. 85 Hektar bewirtschaftet er, 30 Hektar davon sind Grünflächen, auf denen Futter für Bobischs 120 Kühe wächst.
Auf weiteren 30 Hektar baut der 35-Jährige Mais an und auf den übrigen 25 Hektar Getreide und Kartoffeln.
Blumen auf 100 Quadratmetern
Jetzt bietet der Hegnenberger jeweils 100 Quadratmeter große Flächen an, für die Interessierte eine Patenschaft übernehmen können. Für ein Jahr kostet das dann 50 Euro. Dafür stellt der Landwirt die Fläche bereit, markiert sie und sät eine speziell empfohlene Blühmischung an. Die Aussaat soll Ende April bis Anfang Mai sein.

So könnte es aussehen, wenn Thomas Bobischs und Peter Bodendörfers Angebote Anklang finden: links die bewirtschaftete Fläche, rechts vom Weg die Blumenwiese für Insekten. Foto: Fotolia2019/02/Hegnenberg-Blumenwiese.jpg

Im Herbst wird der Landwirt die Blumenwiese dann umpflügen und im kommenden Jahr eine neue Blumensamenmischung aussähen. Beim Amt für Landwirtschaft muss er die Fläche als Blühfläche anmelden.
Dass die Landwirtschaft derzeit für alle Übel der Welt verantwortlich gemacht wird, ärgert den dreifachen Familienvater. Feinstaub, Nitratbelastung, Anbindehaltung, Glyphosat, Tierwohl, Artenschwund – Bobisch fallen auf Anhieb ein halbes Dutzend Stichworte zu Themen ein, die tagtäglich durch die Medien gehen. Lauter Negativ-Schlagzeilen. Deshalb sein Angebot als Positiv-Schlagzeile: Hier kann sich jeder vor Ort direkt für den Artenschutz engagieren und sich bei Spaziergängen am Wochenende darüber freuen, dass heimische Insekten auf Bienenweiden bei Hegnenberg und auf der Hochfläche bei Klingenhof Nahrung und Lebensraum finden. Mit 50 Euro im Jahr ist man dabei.
Viel Geld? Das kommt auf die Perspektive an. Eigentlich ist es eine Win-Win-Situation, bei der der Landwirt seine Fläche zur Verfügung stellt, darauf zwar keinen Ertrag hat, aber zum Artenschutz beiträgt. Und der Pate gleicht die Mindereinnahmen des Landwirts mit seinem Patengeld in Höhe von 50 Euro aus. Außerdem: Wenn engagierte Naturschützer sich auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche im eigenen Garten eine Blumenwiese anlegen, kostet das möglicherweise mehr als 50 Euro.
Der junge Hegnenberger hat sich mit Berufskollegen unterhalten, die ihn darauf aufmerksam machten, dass die Blumenwiese bei ganz schlechten Witterungsbedingungen eventuell verkümmern könnte. „Für witterungsbedingte Ausfälle kann ich natürlich keine Garantie übernehmen“, sagt er deshalb, ist aber optimistisch, dass es dazu nicht kommen wird.
Optimistisch ist vor geraumer Zeit auch der Kleedorfer Landwirt Peter Bodendörfer mit einem ähnlichen Angebot an die Öffentlichkeit gegangen.
Auf Ebay bietet Bodendörfer Blumenwiesen auf bisher intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen an.
„Nicht nur unterschreiben, sondern auch handeln“, appelliert Bodendörfer an die Öffentlichkeit. Allerdings bleibt sein Appell bislang weitgehend ungehört. Das Interesse auf Ebay ist sehr übersichtlich. Deshalb erweitert der Kleedorfer jetzt sein Projekt. „Aufgrund der etwas schleppenden Nachfrage leg ich noch eins drauf. Ich werde bei Erreichen von einem Hektar einen den Ansprüchen angepassten Lebensraum für Insekten schaffen.“ Mit Totholzstämmen und Natursteinen aus den Feldern, erläutert er.
Wir werden darüber berichten, wie sich das Interesse an Bodendörfers Angebot entwickelt, ebenso darüber, wie es mit Thomas Bobischs Vorschlag weitergeht.

Interessenten können sich bis zum 14. Mai bei Thomas Bobisch telefonisch melden (01728507172) oder direkt vor Ort im Aussiedlerhof (Hegnenberg 60) von Altdorf kommend auf der rechten Seite vor dem Ortseingang.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten