Muslime besuchten Laurentiuskirche

Begegnung mit Offenheit und Humor

Dekan Breu (2.v.r.) stellte die Kirche den muslimischen Gästen vor2015/02/besuchdermuslime2_New_1424267101.jpg

ALTDORF – Nachdem eine Delegation der evangelischen Kirchengemeinde vor kurzem einen Informationsbesuch in der Altdorfer Moschee gemacht hatte, konnte Dekan Jörg Breu nun eine Abordnung muslimischer Mitbürger, meist Mitglieder des türkisch-islamischen Vereins, in der Laurentiuskirche begrüßen. Mit dabei Iman Mehmet Yüksch und Vorstand Ibrahim Ünal.

Die Sekretäre der Moschee fungierten als Übersetzer, aber auch der Dekan hatte sich vorbereitet und zeigte bei der Vorstellung von Kantorin Almut Beyschlag und Mesnerin Monika Frank die türkischen Begriffe für die Berufe der beiden Damen auf großen Zetteln. Pfarrerin Veronika Zieske hatte Tee für die Gäste bereitgestellt. Den Kirchenvorstand vertraten Bärbel Reuter und Andreas Münch.

„Wenn ich viel Kleingeld in der Geldbörse habe, werde ich oft gefragt, ob ich einen Klingelbeutel ausgeraubt habe“, so die erste Frage eines Besuchers, der den Begriff nicht kannte. Dekan Breu konnte das aufklären und zeigte später die Geldsammelbeutel für die Kollekte. „Früher waren daran kleine Glöckchen angebracht, um Gottesdienstbesucher zu wecken, wenn eine Predigt zu einschläfernd war“, so Breu. Das ist heute offenbar nicht mehr nötig, wie die Besucher amüsiert feststellten.

Der Dekan ging kurz auf die Geschichte der Laurentiuskirche ein, zeigte die Steinfiguren aus der Vorgängerkirche, erklärte die Bedeutung von Altären, Kanzel und der Logen. Besonders viele Nachfragen kamen beim Taufstein. Den Besuchern fiel sofort die Besonderheit des Steins auf, der aus Altdorfer Marmor gefertigt ist und sie erkannten auch, dass im Selbstbedienungsbereich der Sparkasse eine Tafel aus dem gleichen Material hängt. Der ehemalige Bürgermeister Bauder, der im Vorgängerhaus der Sparkasse wohnte, hat Altdorfer Marmor gewerbsmäßig abbauen lassen und den Taufstein gespendet. Dekan Breu erläuterte die Bedeutung der Taufe für die evangelischen Christen, und die besonderen Rituale, wie das Gießen des Wassers.

Kantorin Almut Beyschlag bat die Gäste ganz nach oben auf die zweite Empore des Gotteshauses. Dort zeigte sie die mächtige Orgel und gab einige Klangbeispiele von Chorälen. Dann ging es noch einmal hoch hinaus. Die kleine Gruppe der muslimischen Gäste und die Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde bestiegen den Kirchturm und bewunderten gemeinsam die Aussicht auf Altdorfs Dächerlandschaft.

Sakristei als Schatzkammer

Auch was sich hinter den dicken Mauern der Sakristei verbirgt, fand großes Interesse: Historische Stiche mit Porträts von Theologieprofessoren, die zu Universitätszeiten stets erste Pfarrer in Laurentius waren, ein alter Altar mit hebräischen Schriftzeichen, Kerzenleuchter und eine moderne Tonanlage. Die Sakristei ist Garderobe, Vorbereitungsraum, Regie und eine kleine Schatzkammer. Die uralten wertvollen Abendmahlskelche werden gut gepflegt. Und die Besucher freuten sich besonders, dass sie am Fuß eines Kelches im Schmuckrand einen kleinen Halbmond entdeckten. Fast war die Zeit zu kurz, um alle Fragen rund um das Thema Abendmahl zu beantworten. Wie oft die Gemeinde das feiert, wie die Unterschiede zu den katholischen Gemeinden sind und wer alles kommen darf.

Dekan Jörg Breu erklärte Bedeutung und Ablauf. Er wies darauf hin, dass heute nur noch Traubensaft statt Wein ausgeschenkt wird und dass viele Christen die Oblaten auch nur in den Kelch tauchen.

Breu verabschiedete die Besucher, die den Termin ihres Sonntagsgebets nicht verpassen wollten, mit herzlichen Worten. Die Begegnung war geprägt von Offenheit und Humor und sie zeigte, dass beide Gemeinden Interesse daran haben, mehr voneinander zu erfahren.

Vor vielen Jahren gab es bereits einmal einen Kreis mit interessierten Männern und Frauen aus beiden Gemeinden, der sich aber nach dem Wegzug der Initiatorin leider auflöste.

N-Land S. B.
S. B.