Jubiläumsinterview mit Altdorfer Band

Giftwood – Am Anfang war der Wald

Giftwood wird 20: Das ehemalige Singer-Songwriter-Duo von Mike und Jörg ist zu einer fünfköpfigen Band gewachsen. | Foto: privat2018/09/Altdorf-Giftwood-Jubilaeum-Interview-2.jpg

ALTDORF – Giftwood feiert gleich zwei Jubiläen: Vor zwanzig Jahren begannen Mike Kolb und Jörg Szameitat ihre gemeinsame Musikerlaufbahn als Singer-Songwriter-Duo. Und vor zehn Jahren schloss sich Schlagzeuger Wolfgang März der Band an. Tontechniker Wolf-Dieter „Wutschgo“ Strehl war vom allerersten Album an dabei, den Bass bedient er seit 2002. Percussionspieler Moritz Pompl ist zwar nicht mehr aktiv, zählt aber immer noch zum Lineup. Bandgründer Mike und Jörg haben mit dem Boten über ihre Wurzeln im Wald, ihr düsteres neues Album und ihre Liebe zum Lieder schreiben gesprochen.

20 Jahre Giftwood – ein rundes Jubiläum. Worauf seid ihr besonders stolz?

Jörg: (lacht) Dass es uns noch gibt…

Mike: (witzelt) Also ich auf dich, Jörg. Du schreibst so schöne Lieder. Nein, im Ernst, wir sind natürlich ganz besonders stolz auf unsere neue CD „Gravity of Time“. Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir sind da sehr perfektionistisch, das macht das Ganze zäh. Aber jetzt haben wir ein Ergebnis mit dem wir mehr als zufrieden sind. Und ich bin sehr stolz darauf, dass wir das durchgezogen haben.

 

Wie viel Zeit ist seit dem vorherigen Album vergangen?

Jörg: Sechs Jahre. 2012 kam das Sun raus. Danach haben wir ein Jahr lang nur Lieder davon gespielt und dann erst über die nächste CD nachgedacht. Der Prozess hat sehr lange gedauert. Viel ging über Mikes Gitarrensound, das hat wiederum unseren Schlagzeuger Wolfi zu neuen Rhythmen inspiriert, dann kam der Wolle als Tastenmann dazu und gab dem Ganzen eine wieder neue Richtung und so lief es fort und fort. Sozusagen in Gemeinschaftsarbeit.

 

Wie entsteht ein Giftwood-Song?

Mike: Ich habe in der Regel erst mal ein Thema, das mir auf der Seele brennt, das ich bearbeiten möchte, es sozusagen für mich abhaken, indem ich es in einen Song packe. Dann schreibe ich meinen Text und versuche anschließend den Charakter der Verse mit der Musik zu treffen oder genau umgekehrt. Das kann sich auch gern brechen. Dann bringe ich das mit in die Band und der Rest entsteht drum herum. Jeder bastelt was dazu. So läuft das jedenfalls meistens. Aber bei dir ist das bisschen anders, oder?

Jörg: Ja, bei einem Lied kann ich mich genau erinnern. Ich habe nach dem Frühstück auf der Gitarre rumgeklampft. Die Melodie legt eine gewisse Stimmung nah. Dann versuche ich herauszufinden, was stecken in dem Fragment für Worte drin, was assoziiere ich damit? Übers Unbewusste verknüpfen sich Themen, die einen beschäftigen, mit der Musik. Ich habe im Garten Efeu ausgerissen. Er hat die Bäume erstickt und ihnen das Licht genommen. Das war zu der Zeit, als Pegida aufgestiegen ist und die Gesellschaft genauso eingeengt hat. In meinem Kopf hat sich daraus der Text geformt und mit der Melodie vom Frühstück verknüpft. Das ist jetzt der Song „Poison Ivy“.

Unzertrennlich wie eh und je: Bandgründer Mike Kolb und Jörg Szameitat. | Foto: Mock2018/09/Altdorf-Giftwood-Jubilaeum-Interview-1.jpg

 

Gehen wir zurück an den Anfang. Wo hat Giftwood seine Wurzeln?

Mike: Im Wald. Wir haben unseren Waldmythos. Es gab damals in unserer Verwandtschaft ein geflügeltes Wort: Wenn etwas nach Erkenntnis verlangt hat, wurde immer vom Giftwood Forest gesprochen. Und wir dachten, da müssen wir mal hin. Das ist ein Wald in Kanada. Wir wussten nicht, was uns dort erwartet.

Jörg: Wir wussten auch so nicht was uns erwartet. Also im Leben. Wir waren beide in dieser Lücke zwischen Schule beziehungsweise abgeschlossenem Zivi und dem ganzen Rest. Die Frage war „Was macht man denn jetzt nur?“

Mike: Wir haben uns eine Holzhütte im Giftwood Forest gemietet. Und sind dort ein halbes Jahr geblieben. Ohne das irgend etwas passiert wäre.

Jörg: Während wir dasaßen und auf Erkenntnis gewartet haben, fiel unser Blick auf eine Gitarre, die an der Wand hing.

Mike: Die haben wir uns dann geschnappt und dort in aller Einsamkeit unsere ersten Lieder gemacht. Plötzlich haben wir gemerkt, dass wir genau deswegen hier sind. Es war klar, dass wir eine Band gründen und unsere Lieder auch anderen vorspielen müssen – und schwuppdiwupp, 20 Jahre später hocken wir hier als Giftwood.

 

Wenn Ihr eure Musik von heute mit der von damals vergleicht – was hat sich verändert?

Jörg: Ich habe wegen unseres Jubiläumskonzerts unsere alten, vergriffenen Lieder digital zugängig gemacht und sie mir im Zuge dessen noch mal angehört. Ich war echt positiv überrascht. Ich mag den Sound und die Lieder, aber man merkt, dass Zeit vergangen ist. Ich weiß nicht, ob ich die so noch machen könnte. Gerade unser neues Album ist im Vergleich zum vorhergehenden wesentlich grimmiger.

 

Wie kommt das?

Mike: Das Leben. Die Welt. Das schlägt alles zu Buche, das zieht nicht spurlos an einem vorüber.

Jörg: Ja klar. Man ist nicht mehr so leicht. Das liegt an Rückschlägen, geschäftlicher oder privater Natur, die man hinnehmen muss. Oder auch an gesellschaftlichen Entwicklungen, die man so wahrnimmt.

 

Haben sich auch die Themen geändert, über die ihr schreibt?

Mike: Nein. Wir schreiben viel über Beziehungen von Personen untereinander, über Gefühle und wie man gerade durchs Leben geht. Das spiegelt sich immer wieder in den Liedern.

Jörg: Wir denken uns keine Geschichten aus für unsere Lieder, sondern schreiben sie aus dem heraus, was wir sehen und erleben. Insofern haben sich die Themen vielleicht höchstens dahingehend geändert, das wir uns verändert haben und Dinge anders gewichten.

 

Wo soll es in den nächsten 20 Jahren hingehen?

Mike: Ein Traum von mir wäre, mal vor richtig vielen Leuten zu spielen. Wir haben schon oft kleinere Venues gefüllt, aber ich würde dem gerne eins draufsetzen. Mich würde reizen zu sehen, was mit uns und unserer Musik passiert. Vielleicht verliert sie an Intimität, vielleicht wäre es gar nicht so gut. Aber spannend wärs schon.

 

Wer Giftwood live erleben möchte: Am Samstag, 29. September, um 19.30 Uhr spielen sie im Burgthanner Burgkeller ihr Jubiläumskonzert. Tickets gibt es in den Vorverkaufsstellen der Gemeinde Burgthann. Am Samstag, 13. Oktober, präsentieren Giftwood ihr neues Album im Brauhaus Altdorf. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es bei der Buchhandlung Lilliput in Altdorf, dem Ofenladen Fischer in Ludersheim und unter karten@brauhausaltdorf.de

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock