Vorsitzender des Zentralrats der Muslime hält nach Festgottesdienst einen Vortrag

„Althergebrachte Denkstrukturen aufbrechen“

Aiman Mazyek hält am Reformationstag nach dem Festgottesdienst in der Laurentiuskirche einen Vortrag. | Foto: ZMD2016/10/aiman_mazyek_1800px.jpg

ALTDORF – Interessante Begegnung am Reformationstag in Altdorf: im Anschluss an den Festgottesdienst zum Reformationstag mit Predigt von Dekan Jörg Breu und dem Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Edith Hechtel und Dekanatskantorin Almut Peiffer an der Orgel, der um 19 Uhr beginnt, spricht (19.30 Uhr) im Rahmen des „Geistlichen Abends des Dekanats Altdorf am Reformationstag“ der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek unter der Überschrift „Was ich mir von Christen erhoffe – Christen und Muslime, gemeinsam für Barmherzigkeit und Nächstenliebe“ über das Miteinander der Religionen in Deutschland.

In seiner Einladung scheibt Dekan Jörg Breu: „In der Reformationszeit wurde laut die Frage nach dem Verhältnis des Christentums zum Judentum aufgeworfen. In der Epoche der Aufklärung begann man die Frage auszuweiten auf das Verhältnis der drei monotheistischen Regionen zueinander. Unserer Kirche ist dabei nicht nur aufgetragen zu reden, sondern auch, andere Stimmen zu hören. Lassen Sie uns am Reformationstag hörende Kirche sein, die bereit ist Neues zu erfahren.“

Er verweist darauf, dass sich in Deutschland über vier Millionen Menschen zum muslimischen Glauben bekennen und wir in einer weitgehenden Trennung von Kirche und Staat leben. „Der Staat sorgt also dafür, dass die freie Religionsausübung allen gewährt wird. Aber wie wird aus dem Nebeneinander ein Miteinander?“

Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst begründete Dekan Breu das ungewöhnliche Programm für den Reformationstag damit, dass es das Anliegen der Reformation sei „althergebrachte Denkstrukturen aufzubrechen“.

Die Einladung des muslimischen Referenten hat aber nicht nur positive Reaktionen hervorgerufen. So wird in Teilen der Öffentlichkeit entweder wegen eines Missverständnisses, oder aus Absicht, gestreut, Aiman Mazyek würde am Reformationstag in der evangelischen Kirche predigen.

Dekan Breu unmißverständlich: „Ich werde im Festgottesdienst predigen und Aiman Mazyek wird im Anschluss an den Gottesdienst einen Vortrag halten.“

Um die Trennung von Gottesdienst und der anschließenden Veranstaltung deutlich zu machen gibt es nach einem Musikstück eine erneute Begrüßung. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit zu Rückfragen. Der Abend schließt mit einem Empfang.

Der 47-jährige Mazyek ist in Aachen geboren, studierte in Kairo Arabistik und in Aachen Philosophie, Ökonomie und Politikwissenschaften. Er gründete das Internetportal www.islam.de und schrieb das Buch „Was machen Muslime an Weihnachten?“. 2010 wurde er zum Vorsitzenden des ZMD gewählt, politisch engagiert er sich in der FDP.

 

 

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl