Klaus Braun-Hessing und Rudi Madsius feiern großes Bühnenjubiläum

50 Jahre und kein bisschen leise

Der Sänger, Gitarrist, Komponist, Bandleader und Arrangeur Rudi Madsius (links) und der Vielseitigkeits-Trommler Klaus Braun-Hessing. | Foto: Gisa Spandler2017/11/altdorf-kbh-und-madsius.jpg

ALTDORF – In einer Zeit, in der Jubiläen inflationär gefeiert werden, sind wirklich runde Geburtstage dennoch etwas Besonderes. Besonders das 50-Jährige wird nicht oft erreicht. Vor allem im Musik-Business, Sparte Rock, Blues und dergleichen, steigen viele vorzeitig aus oder werden einfach nicht alt genug. Das Gegenteil ist bei einem Teilzeit-Duo aus der Region der Fall, das beinahe seit Kindesbeinen gemeinsam auf der Bühne steht und einfach nicht älter werden will: Der Altdorfer Klaus Braun-Hessing und sein Ex-Schulfreund Rudi Madsius feiern am nächsten Wochenende ihr gemeinsames halbes Jahrhundert. Und blicken auf eine ereignisreiche und wechselhafte, immer wieder unterbrochene und doch gemeinsame Karriere zurück.

Auf den Putz hauen werden sie am Freitag, 1. Dezember, und Samstag, 2. Dezember, im Orpheum in Nürnberg. Die Besucher werden dabei einen Querschnitt aus dem Repertoire der zurückliegenden 50 Jahren hören und auch den ein oder anderen Wegbegleiter von damals (und heute) auf der Bühne erleben.

Gemeinsam haben sie ihre Laufbahn in einer Fürther Volksschule begonnen, wo sie sich mit 14 bzw. 15 Jahren erste musikalische Sporen verdienten. Im September 1967 hatten sie jeweils ihren ersten Auftritt, damals noch in getrennten Bands, Rudi bei Soulflower, Klaus bei Rotten Children.

Zwei Monate später, witzigerweise in einer Fürther Straßenbahn wurden schließlich Nägel mit Köpfen gemacht: St. James Association hieß die erste gemeinsame Combo, viel haben sie damals von einander gelernt.Rudi erzählt gern von den Anfängen und seinem ersten Fan, wie so häufig die eigene Mutter, die sich über den Elvis-Presley-Songs interpretierenden Sohn amüsieren konnte, der seinen Gesang mit zwei Kochlöffeln trommelnd begleitete. Zwölf war er damals. Nicht mehr ganz so begeistert waren die Eltern von den Ambitionen des jungen Rudi, als er sich mit 14 dazu entschloss, Profi-Sänger zu werden. „Einen richtigen Beruf“ sollte der Junge erst einmal lernen, da führte keine Weg dran vorbei, und so wurde er Lithograph, eine Profession, die er nur kurzzeitig auch wirklich ausübte. Die Leidenschaft für die Musik war einfach stärker.

Salonorchester war schuld

Noch früher entdeckte Klaus Braun-Hessing seinen Hang zum Trommeln. Im zarten Alter von fünf Jahren führte den gebürtigen Fürther der sonntägliche Familienausflug ins Café Wölfel, wo es nachmittags gepflegte Salonmusik gab. Schwierig war es damals, den jungen Klaus von seinem angestammten Platz gleich neben dem Schlagzeug wegzubringen. Als ihn dann eines Tages der Drummer auf den Hocker vor die Becken hob, war es um ihn geschehen.

Mit acht bekam er sein erstes Drumset, mit zwölf endlich Unterricht. 1980 verschlug es ihn nach Altenthann, danach nach Rieden bei Altdorf. Und auch in seinem Fall war die Mama angetan von seiner Musik und taucht noch heute gern bei seinen Live-Konzerten auf, ist allerdings auch „recht kritisch“, wie der 64-Jährige gesteht. Wie bei vielen großen Musikern waren die 60er Jahre die musikalische Einstiegsdroge, aber natürlich haben die beiden im Laufe der Jahrzehnte diverse fruchtbare Entwicklungsphasen durchgemacht, die dafür verantwortlich sind, dass sich ihre Wege immer wieder getrennt („nie im Bösen“), aber auch immer wieder gekreuzt haben. So spielen sie bis heute in gemeinsamen, aber auch in unterschiedlichen Formationen. Der Drummer war bei den Projekten des 2016 verstorbenen Conny Wagner sehr gefragt, außerdem kommt noch eine ausgeprägte Lehrtätigkeit bei ihm hinzu, während der charismatische Soul-Shouter Madsius neben den Live-Auftritten viel im Studio arbeitet und dabei am Schlagwerk immer nur den Klaus haben will. Zu neun gemeinsamen Tonträgern haben sie es mittlerweile gebracht – bis jetzt. Im Frühjahr kommt der nächste Silberling auf den Markt.

Als Protagonisten der hiesigen Musikszene standen sie nicht nur immer wieder zusammen auf den Brettern, sondern sie kannten und kennen praktisch jeden Musiker von Rang und Namen in der Franken-Szene. Gegenseitige Inspiration erweiterte den musikalischen Horizont, und die Liste der Namen von Formationen und Projekten, die die beiden im Laufe der Jahre weitergebracht haben, ist lang. Bands wie Cry Freedom, Streetlife, Van Morrison Project, Pretty Heroes, Tex Mex, Conny Wagner Showband, Baul Huhn Orchester oder Dixie GmbH lassen nicht nur bei Musik-Insidern die Glocken läuten. Sie beweisen zudem, dass die beiden sich nicht auf eine Stilrichtung festgelegt haben, sondern in Rock, Blues, Soul, Tex-Mex, Folk, Rhythm‘n‘Blues und Reggae zu Hause sind und auch mit stimmigen Cover-Versionen und Eigeninterpretationen von Jazz-Klassikern oder gar Fränkischem wie auf ihrer alten Düsenklipperhoppers-Platte überraschen.

Daneben lässt sich feststellen, dass auf jeder Produktion unterschiedliche Einflüsse der diversen Rock- und Blues-Lichtgestalten durchschlagen. Neben den stilprägenden Legenden wie Sam Cooke, Otis Redding, Eric Clapton, John Lee Hooker und Van Morrison, dem Madsius ein ausgewachsenes Projekt gewidmet hat, sind auch unerwartete Abstecher zu entdecken, wie die in die Welt des Musicals oder der Wiener Schrammelmusik.

Der Altdorfer Braun-Hessing, der langjährige Freund mit den Sticks in der Hand und dem Rhythmus im Blut, ist sicher nicht nur aufgrund des gemeinsamen Interesses an der Musik seit frühester Jugend ein Verbündeter in Sachen Musik geblieben. Die beiden passen einfach zusammen, harmonieren, ergänzen sich, setzen ähnliche Schwerpunkte. Der kraftvolle, dynamische Drummer ist weit mehr als ein Taktgeber, der den Rhythmus aufrecht erhält. Seine Soli sind legendär, sein gestalterisches Element bei den Arrangements unverzichtbar. Und sollte sich Rudi Madsius eines Tages der Avantgarde oder der Mittelaltermusik verschreiben – dann wird es Klaus Braun-Hessing sein, der irgendeine Form von Schlagwerk bedient.

Fester Musiker-Stamm

Durch das enge Musiker-Netzwerk, an dem das Duo seit 50 Jahren strickt, hat sich eine Künstler-Familie entwickelt – ein fester Stamm aus Hauptakteuren, der auch die Basis für die aktuelle Rudi-Madsius-Band darstellt. Zu der gehören Udo Schwendler (ziemlich jedes Instrument), Peter Tobolla (Bass) und Jürgen März (Gitarre) und je nach Gig und Verfügbarkeit Volker Graf (Piano), James T. Durham (Saxophon), Helmer Körber (Bass), Jo Frauenknecht (Perkussion), Willi Förtsch (Keyboards). Es wäre ambitiös, sämtliche Connections aufzuzählen, die für die beiden von Bedeutung sind, aber als kongeniale Musiker-Freunde müssen unbedingt das Blues-Urgestein Klaus Brandl und die Rock-Legende Keili Keilhofer, beide Gitarre und Gesang, Erwähnung finden. Wo Madsius und Braun-Hessing auftreten, sind diese Zwei oft nicht weit. Zusammen mit anderen Mitstreitern aus alten Zeiten wie Marc Seaberg oder Kurt Bauerreiß werden auch sie bei den beiden Jubiläumskonzerten im Orpheum am 1. und 2. Dezember die Herren Jubilare verstärken.

Einige Rest-Stehplätze im Orpheum kann man sich noch unter Telefon 0911/5303888 sichern.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler