Höhepunkt der Alfelder Kirchweih

Schuss kürt den Houterer

"Buschn-Macher" Andreas Bauer mit Melanie Feneis und dem Houterer Stefan Fischer (v. links). | Foto: K. Rösel2017/08/8359676.jpeg

ALFELD – Alfeld hat mit einem außergewöhnlichen Kirwabrauch das 211. Jahr der Wiedervereinigung des Ortes gefeiert. Stefan Fischer wurde dabei die Ehre des Houterers zuteil, sein Moidl Melanie Feneis darf den goldenen Buschn mit nach Hause nehmen. So hat es das Austanzen am Montagabend bestimmt.

Wenn andernorts bereits die Nachkirwa gefeiert wird, steht bei den Alfeldern erst der Höhepunkt ins Haus. Für Leute, die dieses Spektakel noch nie miterlebt haben, ist es fast unvorstellbar, welche Heerscharen schon zeitig zum Gasthof Berghof pilgern, um sich einen guten Platz beim Frühschoppen mit den Alfelder Musikanten zu sichern. Es wird viel getanzt und gesungen bis zum Nachmittag, wenn sich gegen 16 Uhr ein schier nicht enden wollender Zug auf den Weg macht in Richtung Dorf.

Angeführt wird dieser von einem Schlepper von Markus Meyer, der den blumengeschmückten Wagen mit den Alfelder Musikanten und den daran angebrachten Eilwagen zieht. Der Eilwagen ist ein Wagenrad, das schräg an einem Holzstamm befestigt ist und auf einer Seite den Boden berührt. Dadurch dreht es sich während der Fahrt. Auf dem Wagenrad nehmen die beiden Rouserer Platz, zwei als Mann und Frau verkleidete, mit Ruß geschwärzte Kirwaboum. In diesem Jahr waren es Simon Dannhauser und Nico Pilhöfer.

Tiefer Knicks vor Musik
Auf der Fahrt in Richtung Ortsmitte macht der Tross an einigen Stellen Halt. Dann spielen die Musikanten stets einen „Eingemachten“. Dieser nur in Alfeld zu findende Brauch ist eine Mischung aus Tanz und Gesang, bei der sich die Kirwaboum sehr tief vor den Musikanten verbeugen. Anschließend folgt noch eine Tanzrunde, bevor der Zug weiter marschiert. Schluss ist schließlich am Gasthaus „Scharfes Eck“, von wo sich die Kirwaboum und ihre Moidl schnell nach Hause aufmachen.

Einige Zeit später treffen die Kirwapaare wieder beim Gasthaus ein, dieses Mal in schwarzer Hose und weißem Hemd. Dazu bekommt nun jeder noch eine ärmellose schwarze Weste, auf deren Rücken neben einer Nummer noch ein Symbol für den Berufsstand aufgemalt ist. In diesem Jahr war bis zur 37 durchnummeriert. Insgesamt waren es aber 39 Kirwapaare, die zum Marktplatz hinaufmarschieren. Ein Kirwabou hat auf seiner Weste die Nummer Null, ein weiterer fungiert als Platzknecht. Das ist ein mit weißer Schürze gekleideter Kirwabou, der eine Bierstieze trägt. Mit seinem Moidl läuft er am Baum in entgegengesetzter Richtung und füllt die leeren Krüge wieder auf.

Auf dem Marktplatz haben sich inzwischen sehr viele Zuschauer eingefunden, unter deren Augen die Kirwapaare einige Sing- und Tanzrunden absolvieren. Hier kommen wieder die überlieferten, für Alfeld typischen Kirwalieder zum Einsatz. Über den Köpfen tanzt der goldene Buschn, ein Fichtenbäumchen, das in einem zylinderförmigen Behälter befestigt ist, der außen vergoldet ist.

Als Kirwakappo Maximilian Buchler den Arm hebt, ertönt vom Balkon des Anwesens Lindner ein Schuss durch Timo Sörgel und kürt Stefan Fischer zum Houterer 2017. Schnell wird der Buschn noch herabgelassen und vom Seil abgeschnitten. Die Kirwaboum nehmen nun den Hut und hauen ihn ihrem Houterer mehrfach auf den Kopf. Ein letztes Eingemachtes als Dank an die Musikanten muss noch sein, bevor Stefan Fischer seine Ehrenrunde mit seinem Moidl Melanie Feneis drehen kann.

Während der Runde tanzt Andreas Bauer, der den Buschn wie jedes Jahr in stundenlanger Arbeit hergestellt hat, mit dem Kirwapaar die Ehrenrunde und lässt die bunten Bänder über den Köpfen der beiden tanzen.
Nach dem Auszug vom Marktplatz zieht die Gesellschaft hinauf zum Kugelplatz zum Elternhaus von Stefan Fischer, wo schon ein Umtrunk auf alle wartet.

N-Land Kerstin Rösel
Kerstin Rösel