Mehr Kinder, weniger Klassen

Informationen zum Schulstart

Elf Pädagogen im Landkreis haben eigentlich Lehramt an Gymnasium oder Realschule studiert. Dank einer Zweitqualifikation können sie offene Stellen an Grund- und Mittelschulen besetzen und Unterricht wie gewohnt gewährleisten. | Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe.com2017/09/8385141.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Pünktlich heutigen Schulbeginn geistert wieder ein Wort vermehrt durch Medien, Wohnzimmer und Konferenzräume – der Lehrermangel. Besonders spürt ihn das staatliche Schulamt Nürnberger Land. Aber die Bildungseinrichtungen des Landkreises bleiben von den Auswirkungen größtenteils noch verschont und das, obwohl mit 8545 Grund- und Mittelschülern knapp 40 Kinder mehr unterrichtet werden müssen. Darunter sind 1430 Abc-Schützen.

„Dieses Schuljahr hat die allgemeine Situation noch keine Auswirkungen“, betont Schulamtsdirektor Joachim Schnabel. Dass die Vorjahres-Zahl von 411 Klassen an 28 staatlichen Grund- und zehn Mittelschulen sowie einer privaten Montessori-Schule auf nun 405 gesunken ist, hat andere Gründe.

Weniger Jugendliche (-5,89 Prozent) in den Zügen M7 bis M10 sowie die Tatsache, dass „die Anzahl an Asylbewerbern nicht mehr gestiegen“ ist, so das Schulamt, ließen die Klassensumme schrumpfen. Von ehemals elf Übergangsklassen werden nun nur noch sieben benötigt – je eine an der Grundschule Happurg und Lauf II, insgesamt fünf an den Mittelschulen Velden, Schnaittach, Lauf I, Röthenbach und Altdorf. Dafür hat sich die Zahl der Vorbereitungsklassen vermehrt: Seit diesem Schuljahr können sich besonders leistungsstarke Schüler, die den qualifizierenden Abschluss geschafft haben, an zwei Standorten im Landkreis – Mittelschule Schnaittach sowie Röthenbach – in insgesamt sechs Klassen auf den mittleren Bildungsabschluss vorbereiten.

„Die Versorgung des Unterrichts zu Beginn des neuen Schuljahres ist grundlegend sichergestellt“, unterstreicht Schnabel, schränkt aber ein: „Die Zuweisung reicht zur Versorgung des Unterrichts laut der gültigen Stundentafel aus.“ Das heißt, zusätzliche Angebote wie Arbeitsgemeinschaften konnte das Schulamt nur sehr begrenzt berücksichtigen. Denn eines verheimlicht Schnabel nicht: „Zweitqualifikanten und Nachrücker retten uns den Kopf.“ Der Hintergrund: Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen sind von der Bewerberzahl her begrenzt. Im Landkreis werden aktuell 59 Lehramts- und Fachlehreranwärter im ersten und zweiten Jahr ausgebildet. Zudem richten sich Lehrerstunden und damit die Zahl der Pädagogen nach der Schülermenge.

Die nötigen weiteren Personen kommen in Form von Lehrern, die bereits ein Studium für Realschule oder Gymnasium absolviert haben und sich in zwei Jahren nun für die weiteren Schularten weiter qualifiziert haben. Insgesamt elf solche Lehrer – 2016 waren es zehn – sowie acht Pädagogen mit befristeten Arbeitsverträgen werden daher 2017/18 an der Tafel stehen.

Quereinsteiger spielen auch auf Schülerseite eine Rolle: „Es kommen meist im ersten Halbjahr besonders in den oberen Jahrgangsstufen der Mittelschule Jugendliche dazu“, erläutert Schnabel. Diese Personen sind während der Klassenbildung, die ab Juni startet, nicht kalkulierbar. „Für diese Schüler haben wir keine Lehrerstunden.“ Schnabel rechnet vor: Rund 530 Jungs und Mädchen in Mittelfranken kehren in die Mittelschule zurück. Diese Zahl mit dem Koeffizienten 1,8 mal genommen, ist eine „ordentliche Hausnummer“. Wäre diese bereits zu Schulbeginn eingeplant, könnten die Bildungseinrichtungen über mehr Personal, AGs und Kurse verfügen. „Aber so geht der Stundenplan eben genau auf.“

Das Problem des Lehrermangels wird das Schulamt weiter begleiten, „mindestens noch die nächsten fünf Jahre“, denkt Schnabel. Je rund 500 bis 600 Pädagogen fehlen dann an den Grund- und Mittelschulen. Da viele, die in den 70ern – vor der Einstellungsbremse – ihren Beruf angetreten haben, bald in Rente gehen und neue Aufgaben wie Integration und Inklusion hinzukamen, wird sich die Lage verschärfen. Noch haben die insgesamt 40 jahrgangsgemischten Klassen im Landkreis mit dieser Thematik nichts zu tun. Hier geht es um ein „anderes pädagogisches Konzept“.

Neuer Lehrplan Plus
An der Pädagogik wird auch im kommenden Schuljahr weiter gefeilt. Es wird einen neuen Lehrplan Plus für die Mittelschule geben. Dieser Name steht für ein umfangreiches Projekt, in dem neben Wissen auch Kompetenzen, die sich im Leben anwenden lassen, im Mittelpunkt stehen. Ab der fünften Klasse wird der Plan schrittweise eingeführt. Parallel erarbeiten die Schulen eine passgenaue Umsetzung.

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, dass die Mittelschulen in Abstimmung mit den Elternbeiräten die Zwischenzeugnisse in der fünften Jahrgangsstufe durch Lernentwicklungsgespräche ersetzen können. Diese persönliche Treffen zwischen Lehrer, Eltern und Kind sind in den Klassen eins bis drei bereits seit drei Jahren bekannt. Wohl auch die positiven Rückmeldungen von den Grundschulen, von denen Schnabel erzählt, führten nun zur Ausweitung. Schnabel hält die Lernentwicklungsgespräche grundsätzlich für ein gutes Instrument, um die Schüler zu erreichen: „Man kann ihnen so bewusster machen, wo ihre Stärken liegen.“

 

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch