Bericht aus dem Kreistag

Eine Autobahnausfahrt für Schupf?

Blick von der Brücke bei Dippersricht auf den Abschnitt der A 6, wo sich Landrat Armin Kroder und sein Neumarkter Kollege Willibald Gailler die neue Anschlussstelle Traunfeld/Schupf wünschen. | Foto: Porta2016/11/7578572.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Noch ist es Zukunftsmusik, die ersten Akkorde aber sind zu Papier gebracht: Die Landkreise Nürnberger Land und Neumarkt wünschen sich an der A 6 bei Traunfeld eine neue Autobahnausfahrt. Im Kreisausschuss stieß dieses Ansinnen auf breite Unterstützung, nur von den Grünen kam Widerspruch.

Landrat Armin Kroder und sein Neumarkter Amtskollege Willibald Gailler versprechen sich von einer zusätzlichen Ausfahrt auf etwa halbem Weg zwischen den rund 15 Kilometer auseinander liegenden Abfahrten Altdorf/Leinburg und Alfeld neue und gute Entwicklungschancen für Gemeinden wie Traunfeld, Schupf, Kucha oder Deinschwang, die zwar an oder nahe der Autobahn liegen, diese Verkehrsader jedoch nur über vergleichsweise lange Umwege erreichen können.

Zudem, so die Hoffnung der beiden, wären damit auch das Mittelzentrum Hersbruck und das Oberzentrum Neumarkt besser und leistungsfähiger an das bundesdeutsche Autobahnnetz angebunden. Eine Sichtweise, die die zuständige Autobahndirektion Nordbayern teilt, der die Landräte ihr Ansinnen gemeinsam mit den der Idee gegenüber ebenfalls aufgeschlossenen Gemeinden Alfeld, Happurg und Lauterhofen schon im Frühsommer vortrugen.

Ende Juli beantragten Kroder und Gailler gemeinsam, die Realisierbarkeit einer Anschlussstelle Traunfeld/Schupf zu prüfen und ein entsprechendes Verfahren einzuleiten. Zu ihrem Schreiben gehörte eine vom Landkreis Neumarkt in Auftrag gegebene Verkehrsuntersuchung von Professor Harald Kurzak von der TU München, der Anfang Mai vergangenen Jahres eine umfangreiche Verkehrszählung durchführen und an den Anschlussstellen Altdorf/ Leinburg und Alfeld knapp 1700 Auto-, Lastwagen und Busfahrer befragen ließ.

Ergebnis: Eine Ausfahrt bei Traunfeld hätte zwar nur ein „begrenztes Verlagerungspotenzial“, könnte aber Hersbruck und Neumarkt tatsächlich „deutlich besser als heute“ verbinden und damit den strukturschwachen Raum zwischen den beiden Städten wirtschaftlich besser erschließen sofern die vorhanden Kreis- und Gemeindeverbindungsstraßen entsprechend ausgebaut werden. Berufspendler aus dem Raum Traunfeld hätten „erhebliche zeitliche Vorteile“. Auf der LAU 25 (Richtung Schupf) beziehungsweise der NM 10 (Richtung Traunfeld) wäre durch die Anschlussstelle mit täglich rund 1800 Kfz zu rechnen, heißt es in dem Gutachten weiter.

Zahlen, die vor allem den Grünen Bauchgrimmen bereiten: „Mit der Ausfahrt wird Verkehr verlagert“, sagte Ulrike Eyrich – auch auf die Kreisstraße Richtung Hersbruck, mit den engen Ortsdurchfahrten in Schupf und Kainsbach sowie dem steilen Schupfer Berg. Kritisch vor allem für Lastwagen. Zudem drohe auf der Hochfläche ein weiteres „abgelöstes Gewerbegebiet“ obwohl es keine fünf Kilometer weiter in Alfeld „immer noch schwer verkäufliche Flächen“ gebe. Die Grünen könnten den Plänen deshalb nicht zustimmen.

Bedenken, die die anderen Parteien nicht teilen. Die CSU stehe der Idee „sehr positiv gegenüber“, sagte Fraktionssprecherin Cornelia Trinkl. Und ihr Parteikollege Bernd Eckstein zeigte sich „dankbar für die Chance“, ebne sie doch den Weg zur Entwicklung des ländlichen Raums auf der Hochfläche zwischen Altdorf und Alfeld ob mit Gewerbeflächen oder Wohnbau. Die Vorteile würden auch dann überwiegen, wenn in Schupf eine Umgehungsstraße gebaut werden müsste, weil die Ortsdurchfahrt zu eng und verwinkelt ist.

Einen weiteren, im Gutachten nicht erwähnten Aspekt sprach Norbert Thiel an, der sich von einer laut Kroder „frühestens in fünf bis zehn Jahren“ realisierbaren Auffahrt Traunfeld/Schupf „lebensrettende Vorteile“ verspricht. Für Hilfsorganisationen würden sich bei Unfällen auf der A 6 die Anfahrtswege zum Teil drastisch verringern, sagte der oberste Feuerwehrmann im Nürnberger Land.

Auch Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg (Freie Wähler) bezeichnete das Vorhaben als eine „gute Chance für die Entwicklung, vielleicht können wir ja sogar von einem interkommunalen Gewerbegebiet profitieren“. Ins gleiche Horn stieß Hans-Joachim Dobbert von der Bunten Liste: „Mir ist ein Gewerbegebiet an der Autobahn allemal lieber als eines in einem kleinen Tal.“

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta